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Rezensionen
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Thomas Baumann: Daheimbleiben kann jeder - das etwas andere Reisebuch

Genre: Belletristik · 224 S. · Taschenbuch · Piper · ISBN-13 9783492253390 · 8,00€
Reiseweltmeister - und wo bleibt der Pokal?
Wenn man sich zunõchst das Inhaltsverzeichnis des Buches "Daheimbleiben kann jeder" von Thomas Baumann durchliest, wird man wegen des gigantischen Ausma¯es (sieben Seiten _berschriften mit je einem Kurzkommentar) erschlagen. Hinzu kommt, dass die Formulierungen einen falschen Eindruck vom Inhalt des Buches nahelegen: Man glaubt, man habe das ultimativ-lockere Urlaubsunterhaltungsbuch in Hõnden, in dem ein "Br³ller" dem andern folgt. Das trifft aber nicht den Kern. Der Autor hat vielmehr umfassend ³ber das Thema Reisen - im allerweitesten Sinne - recherchiert und die unterschiedlichsten Texte dazu verfasst bzw. kompiliert, was er anderswo fand.
Nicht nur im Urlaub sind wir Deutschen Weltmeister, sondern auch im Meckern: "Gott sch³tze uns vor Sturm und Wind und Deutschen, die im Urlaub sind" (S. 174). Das Loben fõllt uns in allen Bereichen schwer. Dennoch m÷chte ich in meiner Rezension den Schwerpunkt auf meine positiven Impressionen von diesem Buch legen und die am³santen, kurzweiligen, phantasievollen, zutreffenden (bisweilen auch absurden und unverstõndlichen) Beobachtungen loben.
Mal sind es Beschreibungen eigener Reiseerlebnisse des Autors. Mal sind es Berichte ³ber Kreuzfahrtschiffe, ³ber Auktionen von Fundsachen, ³ber Zwangsneurosen, ³ber die Arbeit deutscher Botschaften im Ausland und ganz, ganz viel mehr.
Manche Kapitel sind ausgesprochen unterhaltsam, vor allem, wenn man sich irgendwie im Text selbst wiederfindet. Im Kapitel "Paranoia vor der Abfahrt" zum Beispiel ist f³r jeden etwas dabei, denn wer ist nicht schon mal wieder nach Hause zur³ckgefahren, um sich zu ³berzeugen, dass der Stecker des Computers tatsõchlich herausgezogen ist?
Einen Handlungsreisenden als Promoter zu bezeichnen ist schon eine nette Idee, aber diese Spezies nach Versionen f³r West- und Ostdeutschland zu differenzieren ist lustig.
Ich kann aber leider auch nicht verschweigen, dass manch auf den ersten Blick pfiffige Kapitel³berschrift viel mehr verspricht, als die nachfolgende eher langweilige Beschreibung halten kann: vgl. "Hit the road, Jack!" oder "Die sich mit Gelõndewagen ins Gelõnde wagen" - was k÷nnte man hier nicht an zeitkritischen Skurrilitõten erwarten ...
Dies ist ein Buch f³r Hõppchen-Leser und f³r alle Eventualitõten. Man kann die Kapitel in beliebiger Reihenfolge lesen und es auch mal mittendrin weglegen, um sich dem wahren Reiseleben zu widmen, zum Beispiel dem Zwiegesprõch eines Ehepaares auf der Sitzbank nebenan wõhrend eines Fluges oder dem Familienleben am Strand ...
(verfasst am 26.05.2009 · 2.073 Zeichen)
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- Massimo Carlotto und Marco Videtta: Wo die Zitronen bl³hen

Genre: Krimi · 240 S. · geb · Tropen · ISBN-13 9783608502039 · 18,90€
Wo bl³hen die Zitronen??
Als Italienfan habe ich mich sehr auf den Krimi von Massimo Carlotto und Marco Videtta gefreut.
Den Inhalt des ersten Drittels empfand ich als atmosphõrisch und inhaltlich ³berf³llt mit typischen Italien-Klischees: Zwei priviligierte Familien, die des Avvocato Antonio Visentin und die der Contessa Selvaggia Calchi Renier werden vorgestellt. Sie nutzen ihre Stellung aus, um f³r sich Gewinn und Vorteile zu erzielen. Ihre beiden S÷hne lieben Giovanna Barovier. Filippo, der Sohn der Contessa, hatte eine Affõre mit Giovanna, und er liebt sie immer noch. Sie verlobt sich aber mit Francesco, Sohn des Avvocato. Am Vorabend ihrer Hochzeit mit Francesco wird sie ermordet.
Im Dorf und in den Familien liegt vieles im Argen, und so lõuft die Suche nach Giovannas M÷rder in alle Richtungen: Kriminalitõt im Drogen- und Prostituiertenmilieu, ein von Giovanna aufgedeckter Giftm³llskandal (die Camorra ist mit im Geschõft), Korruption, Auslõnderfeindlichkeit, Globalisierung (die Chinesen kommen, Unternehmen sollen nach Rumõnien ausgelagert werden) - all dies und noch mehr packen die Autoren in ihr Buch. Wõre weniger mehr gewesen?
Als v÷llig ³berraschend eine vermisste Person wieder auftaucht, bekommt der Roman Schwung, und neue Themen, die zur Aufklõrung des Mordfalls dienen k÷nnen, geraten ins Blickfeld.
Das Autorenduo hat mit seinem Buch ein schõbiges, schmutziges Bild von Italien gezeichnet. Nirgendwo darin habe ich meine eigenen vielfach erlebten Eindr³cke eines nicht ganz so hoffnungslos verkommenen Landes finden k÷nnen.
Insgesamt ist dieses Buch durchaus lesenswert, aber meiner Meinung nach ist es eher ein gesellschaftskritischer Roman denn ein Krimi. Jedenfalls sollten Krimi-Fans ihre Erwartungen an einen fesselnden, spannungsgeladenen Krimi nicht zu hoch stecken.
(verfasst am 05.09.2009 · 1.556 Zeichen)
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Sebastian Fitzek: Splitter

Genre: Psychothriller · 376 S. · geb · Droemer · ISBN-13 9783426198476 · 16,95€
Wahnsinn
Dies ist der erste Psychothriller, der mich in einer derart konsequenten, spannenden Abfolge von Ereignissen pausenlos in Atem gehalten hat. Der Protagonist durchlebt viele Formen psychischer Krankheitsbilder: Paranoia, Halluzinationen u. a.. Er stellt sich Fragen, ob er ³berhaupt existiert oder vielleicht in einem geistigen Gefõngnis lebt. Gibt es f³r seinen Zustand eine Erklõrung?
Der Protagonist Dr. Marc Lucas, in Jugendstrafrecht promoviert, und sein Bruder Benjamin sind Kinder aus einer kaputten Beziehung. Beide Elternteile sterben fr³h, der Vater an einer Lebererkrankung im Zusammenhang mit Alkoholmissbrauch. Bruder Benny, psychisch geschõdigt, wird nach einem Suizidversuch von seinem Bruder Marc in eine geschlossene Psychiatrie zwangseingewiesen. Nach seiner Entlassung gerõt er in ein kriminelles Milieu.
Dr. Marc Lucas lernt Sandra Senner, Schauspielerin und Tochter des anerkannten Chirurgen Constantin Senner, kennen und heiratet sie. Als Sandra hochschwanger ist, sterben sie und ihr Baby bei einem furchtbaren Autounfall. Der verletzte Marc - er hat das Auto gelenkt - wird in die Klinik von Professor Senner gebracht. Der diagnostiziert einen winzigen Splitter an der Halswirbelsõule, aber mit Verband und Schmerzmitteln werden die Folgen zu ertragen sein.
Dass Marc den Tod seiner Frau und seines Kindes verursacht hat, belastet ihn so traumatisch, dass er bereit ist, psychologische Hilfe anzunehmen. Er meldet er sich f³r einen freiwilligen Feldversuch in der psychiatrischen Bleibtreu-Klinik an. Dort soll er lernen zu vergessen ...
Doch nach seiner Entlassung beginnt f³r Marc Lucas der wahre Albtraum: Man hat ihm sein Leben genommen. Alles erscheint ihm irreal. Die Absurditõt wird um so schlimmer, als er zu einem spõteren Zeitpunkt seine Frau Sandra wiedersieht - sie lebt.
Wer treibt dieses unmenschliche Spiel mit ihm, und warum?
Der Leser wird derart auf die Folter gespannt, dass er gierig weiterliest, um endlich eine logische Erklõrung zu erhalten, aber der Irrsinn geht immer weiter und weiter ...
Dieses Buch hat mich ³berzeugt.
(verfasst am 26.07.2009 · 1.706 Zeichen)
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Rina Frank: Ich folge Dir mit geschlossenen Augen

Genre: Belletristik · 352 S. · Taschenbuch · List · ISBN-13 9783548608884 · 8,95€
Lovestory - ein Jo-Jo-Spiel
Die 48-jõhrige Rina zieht mit ihrer Tochter Noa, dem Hund und der Katze in eine kleine Wohnung mit Balkon in einen Stadtteil Haifas. Ihr õlterer Sohn Michael f³hrt ein eigenstõndiges Leben. Ihr Lebensabschnittsgefõhrte, Jakob, steht ihr immer treu, geduldig und hilfreich zur Seite.
Rina ist keine Emanze - im Gegenteil: ihre eigene Psyche ist labil, ihr Psychologe hõlt sie f³r zartbesaitet. Ihre Intuition, ihr humorvoller Kontakt zum Gott, den sie wie eine lebendige Person erlebt, die Botschaften ihrer toten Schwester Seffi und die Deutungen des Kaffeesatzes ihrer "Privathexe" Masal helfen ihr bei wichtigen Entscheidungen. Diese Art Lebenshilfe gefõllt mir sehr gut und zeichnet Rinas Charakter weich und liebenswert.
An einem Freitagmorgen zwingen starke Schmerzen im Oberk÷rper Rina zu einer õrztlichen Untersuchung. Die Diagnose ist furchtbar: ein schwer zu operierender Tumor.
Nach ausgiebiger Recherche lõsst sie sich von Dr. Eres Green operieren. Wie eine Prinzessin fordert Rina ein Krankenzimmer f³r sich alleine; die Schwestern sind ihr zu ruppig und nervig - ja, sie st÷ren sie sogar bei ihrer wohlverdienten Ruhe. Jedes Wehwechen muss von ihrem Operateur begutachtet und behandelt werden.
Und so verliebt sie sich wie eine pubertierende 14-Jõhrige in ihren Arzt. Sie schickt ihm ein kindisches Gedicht, und schon wird ihre Liebe von Eres erwidert.
Aus dem Krankenhaus entlassen, vertieft sich die Liebe des Paares. Der treue Jakob verlõsst Rina. Eres erklõrt ihr seine Liebe, und nun wartet sie nur darauf, dass er seine Frau Klara und Tochter Avi verlõsst, um sie zu heiraten. '
Rina verhõlt sich wie ein Dummchen. Wieder und wieder ist sie sauer auf Eres, weil er die Trennung von seiner Familie nicht konsequent durchzieht. Aber mit kleinen Schmeicheleien lõsst sie sich dann doch wieder einlullen.
Mir hat das Buch zu Anfang sehr gefallen, aber die ÷de, langweilige, kitschige und schmalzige Beschreibung der Paarbeziehung hat mich nicht ³berzeugt. Das Verhalten Rinas zu ihrer Umwelt, insbesondere ihre oberflõchliche Schwõrmerei f³r Eres, passt nicht zu den anfangs beschriebenen positiven Eindr³cken. F³r mich ist das Buch ein Flop.
(verfasst am 01.07.2009 · 1.778 Zeichen)
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Pauline Gedge: Der Seher des Pharao

Genre: Historie · 560 S. · Taschenbuch · Piper · ISBN-13 9783492263306 · 9,90€
Zu wenig Spannung - zu viel Philosophie
-gypten zur Zeit Thutmosis III.:
Der vierjõhrige Huy, Sohn einfacher Bauern, darf die Tempelschule in Iunu besuchen, um Schreiben und Lesen zu lernen. Sein reicher Onkel Ker ³bernimmt gro¯z³gig die Kosten.
_ber sein anfõngliches Heimweh kommt er schnell hinweg, da er Thutmosis, Sohn des F³rsten Nacht als vertrauensvollen guten Freund kennenlernt. Zu Fest- und Feiertagen wird er in der Adelsfamilie mit Mutter und zwei T÷chtern wie ein Sohn des Hauses gastfreundlich aufgenommen.
Huy ist ein intelligenter Bursche mit guter Auffassungsgabe. Er wird sowohl von den Priestern als auch von den Mitsch³lern geschõtzt. Bis auf einen: Senefer, ebenfalls Sohn eines Adelgeschlechts. Er ist neidisch auf Huy und mobbt ihn, wann immer er eine Gelegenheit dazu findet. Einmal provoziert er Huy derma¯en - er schimpft ihn einen Sumpfbewohner -, dass es zu einem handfesten Streit kommt und Senefer Huy t÷dlich verletzt.
Huy wird in seine Heimatstadt ins Haus der Toten gebracht. Als die Priester den Leichnam untersuchen und f³r die Bestattung vorbereiten wollen, erwacht Huy zu neuem Leben. Wõhrend seiner Zeit des "Komas" hat er eine Wandlung "durchlebt". Er ist der "Auserwõhlte" der G÷tter, die ihm Gaben mitgegeben haben, die ihn zu H÷herem befõhigen.
Seine Familie, die eher glaubt, er sei von Dõmonen besessen, distanziert sich von ihm. Huy kehrt sehr bald in die Tempelschule zur³ck und darf nun, als Auserwõhlter, die bedeutenden f³nf B³cher Thots studieren.
Bis zu diesem Ereignis hat mir das Buch sehr gefallen. Die Handlung war fesselnd, die Stimmung von Alltagssituationen atmosphõrisch dicht beschrieben. Der Speiseplan lockte zum Probieren.
Und das au¯ergew÷hnliche Ereignis - die Auferstehung Huys von den Toten zur³ck zu den Lebenden - ist glaubhaft und ³berzeugend dargestellt: kein fauler Zauber oder Mystik.
Doch dann folgen ewig lange Seiten philosophischer Gedankengõnge. Ein sehr komplexer Text, den ich trotz wiederholten Lesens kaum verstanden habe. Selbst Huy sagt, dass er "keinen Schimmer von Verstehen" hat und ein "wirres Durcheinander in seinem Geist" herrscht.
Schade, ich bin leider mit einer anderen Erwartungshaltung an dieses Buch heran gegangen und wurde letztlich enttõuscht ...
(verfasst am 24.09.2009 · 1.823 Zeichen)
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Elly Griffiths: Totenpfad

Genre: Forensischer Kriminalroman · 320 S. · geb · Wunderlich · ISBN-13 9783805208741
Da birst das Moor, ein Seufzer geht hervor aus der tiefen H÷hle ...
Ruth Galloway, 40 Jahre alt, unverheiratet, ist Archõologie-Dozentin an der University of North Norfolk, Spezialgebiet Forensik. Zusammen mit zwei Katzen bewohnt sie eines von drei kleinen Hõusern am Rand des Salzmoors. Sie f³hlt sich wohl, ja geradezu hingezogen zu dieser unerbittlichen, trostlosen Landschaft.
Zwei kleine Mõdchen, Lucy Downey und Scarlet Henderson, sind innerhalb von zehn Jahren verschwunden. Detective Chief Inspector Harry Nelson arbeitet mit vollem Einsatz an den Fõllen. Als er dann noch zw÷lf rõtselhafte anonyme Briefe erhõlt, wendet er sich an Ruth. Kann sie vielleicht einige Teile deuten (wir erfahren in diesem Zusammenhang viel ³ber nordische Mythologie) und Hinweise zu den verschwundenen Kindern finden?
Detective Nelson und Ruth fahren ins Salzmoor zum Ort des Knochenfundes - dabei handelt es sich um einen "schmalen Arm mit einem Taufarmband". Sind das die Reste eines Sõuglings? Ist es eine Moorleiche, oder sind es die _berreste der vermissten Lucy? Der Horror ... Was mag noch alles zum Vorschein kommen?
Die Autorin beobachtet Handlungsorte und Personen mit scharfem Auge. Ruths einsames Haus, ihren Arbeitsplatz an der Uni, ihre Beziehung zu Eltern und Kollegen kann sich der Leser gut vorstellen. Die Novemberstimmung im Moor ( "ein gottverlassenes, unwirtliches Sumpfland") und die ihm eigene typische Flora und Fauna fõngt die Autorin mit ihrer einf³hlsamen Beschreibung sehr gut ein und spricht dabei alle unsere Sinne an: Wir sp³ren f÷rmlich die Nõsse, das Undurchsichtige, und die leise wahrgenommenen Gerõusche klingen wie verstõrkt. Unser Schaudern, Fr÷steln und Gruseln erreicht seinen H÷hepunkt, wenn wir erfahren, dass sich an dieser Stelle ein henge befindet - ein steinzeitlicher kreisf÷rmiger Erdwall, der als Kultstõtte f³r Gaben und Opferhandlungen schon in der Eisenzeit diente. Eine perfekte Kulisse f³r einen spannenden forensischen Thriller.
(verfasst am 20.12.2009 · 1.569 Zeichen)
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Joel Haahtela: Sehnsucht nach Elena

Sehnsucht nach Elena oder der Weg zu neuen Lebenszielen
"Gleich kommt sie ..." Obwohl es nicht ausgesprochen wird, sp³rt der Leser, da¯ der Ich-Erzõhler ein Mann sein mu¯. Er fõhrt Stra¯enbahn und verbringt seine Zeit im Park. Also vielleicht ein õlterer Mann im Ruhestand. Erst zum Ende des Buches erfõhrt der Leser Einzelheiten.
Wõhrend der Ich-Erzõhler im Park auf einer Bank sitzt, begegnet ihm ein junges Mõdchen. Er versucht ihre Wege tõglich zu kreuzen und mehr von ihr zu erfahren. Den Namen Elena findet er in ihrem Buch (Dostojewski "Der Idiot"), weil sie es liegenlõ¯t, um ihrer Freundin entgegen zu laufen. Auch ihre Wohnung findet er und beobachtet ihr Zimmer. Er ist von Anfang an s³chtig nach ihr und leidet k÷rperlich, wenn er sie an einem Tag nicht sehen kann.
Haahtela zieht den Leser mit in diese Suche mit Suchtcharakter. Man st³rzt sich von Kapitel zu Kapitel, um mehr zu erfahren, um den Grund zu finden, warum dieser õltere Herr keine Ruhe findet.
Seine s³chtige Abhõngigkeit zieht ihn sogar auf eine Insel. Dort bucht er ein Zimmer in dem Hotel, wo sie jobbt.
Als ein junger Mann allerdings eine Beziehung zu Elena beginnt, kommt der Wendepunkt. Er sp³rt, da¯ seine Sehnsucht nach Elena Ersatz war f³r eine andere Suche. Liegt die Erklõrung in seiner Vergangenheit, seiner Ehe mit Greta ...?
Nun kann er zur³ckschauen, entwickelt Hoffnung und Lebensmut f³r sein zuk³nftiges Leben.
Dieses Buch, welches ohne direkte Rede auskommt, hat mir sehr gut gefallen: die zarte Sprache, die detaillierten Beschreibungen und nat³rlich sein Inhalt, der in seiner Wendung Spannung aufkommen lõ¯t, ist ein Lesegenu¯. Es ist ein kleines Buch, vier Teile mit vielen kurzen Kapiteln, das sich schnell liest, aber volle Konzentration verlangt.
M÷glicherweise spricht es eher Frauen an, weil die Frage nach dem Schmerz der Seele, der reinen Liebe, dem Ende durch Verlust und Tod Themen sind, die nicht jeden Mann interessieren.
Ich finde das Buch ein literarisches Kleinod.

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Bettina Haskamp: Alles wegen Werner

Genre: Belletristik · 240 S. · Taschenbuch · Marion von Schr÷der · ISBN-13 9783547711523 · 12,90€
Wechseljahre - Zeit f³r neue Verhõltnisse
Clara (51) und Werner Backmann (61) sind seit 30 Jahren verheiratet. Sie geh÷ren mit ihrem Haus an der Algarve zur Upper Class. Man spielt Golf, fõhrt einen Land-Rover und ist Mitglied im Lions Club. Ihre Ehe ist nur noch ein Arrangement.
Werner ist immer schon ein arroganter Macho gewesen, der die kostenlose Rundum-Versorgung durch seine Frau f³r selbstverstõndlich hõlt.
In der Íffentlichkeit behandelt er sie despektierlich. Da sie ein "Heimchen" ohne Selbstvertrauen ist, wehrt sie sich nicht gegen seine Unverschõmtheiten. Eine Trennung kommt f³r sie nicht in Frage. Die soziale Absicherung ist ihr immer noch lieber. Sie ertrõnkt ihren Kummer mit Alkohol, Koffein und Nikotin.
Werner fliegt nach Brasilien, wo er seine Traumfrau trifft. Nach seiner R³ckkehr will er sich sogleich von Clara trennen. Statt sich zu freuen, dieses Ekelpaket endlich loszuwerden, fõllt diese noch tiefer in Depressionen.
Auf leisen Sohlen betritt sie langsam ihr neues Leben. Sie bevollmõchtigt einen Anwalt, ihre Forderungen gegen Werner zu vertreten, kauft sich einen VW-Bulli und erwirbt im ÷den Alentejo ein gro¯es Grundst³ck mit einer heruntergekommenen H³tte. Schnell wird sie mit den einheimischen Bewohnern warm, besonders mit Joao (74-jõhrig) und seiner Ehefrau Ana.
Mit Joaos Hilfe renoviert Clara ihre H³tte. Sie wird selbstbewusst. "Ich selbst mochte mich. Und ich mochte das Leben, das ich mir eingerichtet hatte." (S. 196)
Nat³rlich erlebt Clara eine kleine Romanze, und Heike und Celeste, zwei ³berkandidelte Freundinnen, wollen sie gerne "an den Mann bringen" und nerven sie ziemlich.
Mit einem m÷glicherweise unsicheren Zukunftsprojekt endet die Handlung.
Dieser unterhaltsame, leicht zu lesende Roman ist aus Claras Sicht in der Ich-Form geschrieben. Claras Weg zu neuen Verhõltnissen verlõuft langsam. Das Ergebnis - Leben auf dem Lande - entspricht v÷llig ihrem Wesen und Charakter. Immer wieder hõlt Clara inne und reflektiert ³ber sich selbst mit spitzer, ironischer Feder. Das ist am³sant und witzig.
Portugals Alentejo ist eine karge, von Olivenbõumen geprõgte Landschaft; sie ist d³nn besiedelt, nur die õlteren Einheimischen sind geblieben. Diese strahlen eine Herzlichkeit aus, die f÷rmlich ansteckt. Diese Stimmung wiederzugeben ist Barbara Haskamp durch ihre genaue Beobachtungsgabe und die entsprechende Beschreibung sehr gut gelungen.
Wohltuend ist, dass dieser Roman sich von anderen Frauenb³chern absetzt, indem er nõmlich nicht das ³bliche Klischee der Frauen bedient, die nach der Trennung von ihrem Angetrauten endlich im Turbo-Gang abheben, um alles zu erleben, was ihnen bisher versagt war: jede Menge Bubis mit Geld, Auto und Designerklamotten, Sex im Rausch und zusõtzlich noch den Top-Arbeitsplatz, der immer schon auf sie gewartet hat ...
Als interessierte Leserschaft werden sich wohl ³berwiegend Frauen im Alter 40 plus angesprochen f³hlen.
(verfasst am 08.06.2009 · 2.371 Zeichen)
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Gaby Hauptmann: R³ckflug zu verschenken

Genre: Belletristik · 320 S. · Taschenbuch · Piper · ISBN-13 9783492262958 · 8,95€
Bruchlandung ohne Verletzte
Gaby Hauptmanns neuestes Buch "R³ckflug zu verschenken" hat ein sch÷nes Sommercover: Sandstrand, Liegest³hle, blaues Meer und blauer Himmel - eine sch÷ne Postkartenidylle, leider ohne Sonne und leider nicht in Hochglanz - das wõr's gewesen.
Auf dem Cover ist doch tatsõchlich ein Aufkleber "Bestseller". Dies hat mich einen Moment innehalten lassen, aber dann war mir klar, dass diese Auszeichnung kein G³tesiegel f³r literarische Qualitõt ist.
Gaby Hauptmans Schreibstil ist locker, flockig, aber auch seicht und hohl.
Clara, betrogen von ihrem Lebensabschnittsgefõhrten, erhõlt von ihrer Mutter eine Mallorcareise geschenkt: Hier soll sie entspannen und ³ber ihre Zukunft nachdenken. In k³rzester Zeit lernt sie vier Frauen kennen; mit ihnen erlebt sie wie auf einer Achterbahnfahrt die tollsten Abenteuer. Nat³rlich lernt Clara einen Millionõr kennen (obwohl ich schon seit vielen Jahren nach einem suche, war mir bislang noch kein solcher Erfolg beschieden).
Sie stellt sich bei einem Hausverkõufer vor - zwecks Job. Auch die neureichen Russen d³rfen in diesem Buch nicht fehlen. Eine Erpressungsgeschichte bringt noch ein bisschen Spannung ins Handlungeschehen ...
Charaktere und Handlungen sind oberflõchlich und austauschbar. Ein Klischee folgt auf das nõchste. Man gewinnt den Eindruck, dass Gaby Hauptmann mit Textbausteinen arbeitet: neue Personen, neue Handlungsorte, Liebesprobleme, harmloser Schluss - das ganze heftig gemixt, und - flupp - ist ein neues Buch entstanden ...
Das Buch lõsst sich schnell lesen, da man oft ahnt, wie die Handlung weitergeht.
Dieses Buch ist f³r mich wegen seiner inhaltlichen Leere, wegen seiner Klischeehaftigkeit, wegen seiner v÷llig fehlenden Aussage fast ein Kulturschock. Aber sicher m÷gen viele andere Leserinnen dieses Buch, und es sei ihnen geg÷nnt.
Da von diesem Buch keine Gefahr f³r die Menschheit ausgeht, schicke ich es auf die Reise: nach Mallorca und anderen Reisezielen ...
(verfasst am 17.04.2009 · 1.598 Zeichen)
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Sam Hayes: Stumm

Genre: Thriller · 400 S. · Taschenbuch · Ullstein · ISBN-13 9783548280387 · 8,95€
Stumm wie ein Grab ...
Zur Weihnachtzeit besucht Julia mit ihren Kindern Alex und Flora ihre Mum Mary, die auf einer Farm lebt. Ohne erkennbare Ursache ist sie seit einer Woche v÷llig apathisch und spricht nicht mehr. Welcher Schock f³r alle Beteiligten! Ihr Hausarzt Dr. David Carlyle besucht sie regelmõ¯ig.
An einem nebligen Morgen lõuft Julia mit Mums Hund Milo durch die Dezemberkõlte. Pl÷tzlich rei¯t sich der Hund los und f³hrt Julia an den Tatort eines entsetzlichen Verbrechens. Sie finden Grace Covatta, nackt, verletzt durch Messerstiche, auf spr÷dem Gras liegen. Sie lebt noch. Der Rettungsdienst und auch die Polizei sind direkt vor Ort.
Die Aufklõrung dieses Gewaltverbrechens wird sicher das Hauptthema des Krimalromans sein. M÷glicherweise spielen auch die verworrenen Familienverhõltnisse Julias ( "Wenn das Schweigen der Vergangenheit auf die Gegenwart trifft") eine gro¯e Bedeutung f³r den weiteren Handlungsverlauf: Da gab es ein Dreiecksverhõltnis, eine Flucht in die Anonymitõt: ein neuer Wohnort, Konflikte in der Beziehung zwischen Julia und dem Alkoholiker Murray, die Geburt Floras, ihres gesunden Mõdchens: Warum wird auch dieses Mõdchen taub, wie ihre Gro¯mutter ... steckt ein traumatisches Erlebnis dahinter?
Dann beginnt Julia auch noch ein Verhõltnis mit David. Diesem Treiben wird Murray nicht tatenlos zusehen.
Ein Pulverfass mit Lunte, die nur noch gez³ndet werden muss. Es bleiben Situationen und Fragen, deren L÷sungen sich in einem sprachlich fl³ssig und leicht zu lesenden Roman herauskristallisieren werden. Er wird spannend sein und uns bis zum Schluss in Atem halten.
(verfasst am 04.01.2010 · 1.308 Zeichen)
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Louise Jacobs: Gesellschaftsspiele

Genre: Belletristik · 304 S. · geb · Fahrenheit · ISBN-13 9783940813176 · 19,95€
Kunst - eine Hure der Galeristen
Louise Jacobs' Buch "Gesellschaftsspiele" ist ein Roman ³ber die aktuelle Kunstszene.
Leo Becker, 37 Jahre alt, ist der Protagonist. Nach zehn Jahren freiem k³nstlerischen Schaffens wird er entdeckt. Eine Ausstellung seiner Werke in einer Galerie bringt den Durchbruch und Erfolg. Leo erhõlt die einmalige, sensationelle Chance, einige seiner Bilder in New York in der MET auszustellen. Vier Bilder m³ssen noch fetiggestellt werden, aber Leo ist wie gelõhmt; er hõlt den Druck nicht aus und kann seine Arbeit nicht vollenden..
Das Gesellschaftsspiel hat lõngst begonnen, und alles ist auf Leo fokussiert. Er hat sich korrumpieren lassen; nur das Geld zõhlt. Er wird am Marktwert seiner Bilder gemessen. Alle Strategien sind darauf ausgerichtet, den Preis nach oben zu treiben..
Umgeben ist er von vielen Menschen - falschen Freunden -, die wie Statisten zu diesem Spiel geh÷ren. Man trifft sie ³berall, sie wollen dabeisein, sehen und gesehen werden und nichts verpassen. Man begegnet ihnen in Bars, auf Partys und in anderen Ausstellungen. Wenn man ihnen die Maske vom Gesicht z÷ge, so bliebe nur Oberflõchlichkeit und Belanglosigkeit..
Louise Jacobs zeigt in einem - im gesamten Romantext verteilten - Psychogramm, wie sehr Leo in diesem Spiel leidet: Er ist erf³llt von Selbsthass, Leere, Selbstzweifeln, Schuldgef³hlen und vor allem Einsamkeit.
Es gibt nur drei Menschen, die ihm zeitweise etwas bedeuten:
Da ist sein Freund Tobias, der ihm ehrlich seine Meinung sagt ("Du willst ein Held sein und spuckst denen, die dich feiern, ins Gesicht.").
Gl³ckliche Jahre hat Leo mit seiner Frau Rachel verbracht. Sie ist eine Frau mit Minderwertigkeitskomplexen, und erst mit dem Erfolg ihres Mannes wird sie zu seiner ehrgeizigen Managerin. Allerdings steht sie in seiner schlimmsten Lebensphase, als zehn Tage vor dem Beginn der Ausstellung in New York seine Bilder noch nicht fertig sind, nicht zu ihm. Deswegen hõngt Leo v÷llig ab, und Alkohol und Drogen f³hren ihn auf direktem Weg ins Krankenhaus.
Leos dritter und letzter Anlaufpunkt ist seine ehemalige Freundin Ebba. Wõhrend eines gemeinsamen Abends sprechen beide ³ber Leos Arbeit. Er ÷ffnet sich ihr und spricht ³ber seine -ngste und Selbstzweifel. Er hofft diese Beziehung nach seiner Ausstellung in New York wieder aufnehmen zu k÷nnen.
Beide Frauen lieben ihn, aber Rachel wei¯, dass Leo sich schon lõngst von ihr getrennt hat. Ebba hingegen hat f³r sich entschieden, dass sie ihr fr³here Beziehung zu Leo nicht wieder aufnehmen will.
Das Buch beginnt mit einem Prolog: Leos Beerdigung. Ich finde dieses Stilmittel sehr gut, weil man beim Lesen des Romans viel intensiver auf m÷gliche Anzeichen achtet, die auf den Tod hinweisen k÷nnten.
Das Cover gefõllt mir teilweise: Zwei Diagonale schneiden etwas von der Schrift "Gesellschaftsspiele" weg. Ist dies ein Hinweis auf die Zerrissenheit des Protagonisten?
Mein Fazit: Da das Thema K³nstlerszene ³berhaupt keinen Reiz auf mich aus³bt, fand ich das Buch langweilig.
Interessiert habe ich mich allerdings sehr f³r die Psyche des Protagonisten. Er kann ohne das leicht verdiente Geld nicht leben und willigt kurz nach seiner Ausstellung in die Vorbereitung einer Retrospektive seiner Schaffenszeit ein ... Er ist die goldene Spinne in seinem eigenen Netz.
(verfasst am 15.05.2009 · 2.691 Zeichen)
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Franþois Lelord: Hector & Hector und die Geheimnisse des Lebens

Genre: Belletristik · 192 S. · geb · Piper · ISBN-13 9783492051675 · 16,90€
Balsam f³r die Seele
Franþois Lelord, der zunõchst als praktizierender Psychologe arbeitete, bevor er die Schriftstellerei begann, hat schon mehrere internationale Bestseller verfasst (deren Inhalte aber nicht aufeinander aufbauen). Seine Lebensweisheiten, seine Anleitung zum Gl³ck und zu einem erf³llten Leben m÷chte er in seinen B³chern auf am³sante, unterhaltsame Weise weitergeben. So entstand die Idee zu seinem Protagonisten Petit Hector und seinen Erlebnissen. Nun bringt er sein neues Buch "Hector & Hector und die Geheimnisse des Lebens" heraus.
Petit Hector, ein Einzelkind, lebt wohlbeh³tet mit Maman Clara und Vater Hector zusammen. Sie sind die "BestenElternderWelt". Papa ist Psychiater, Maman arbeitet als Schriftstellerin. Sie geh÷ren zur Upper class.
Petit Hector ist ein Kind wie aus dem Bilderbuch: sensibel, angepasst, einsichtig und klug.
In dieser Familie spricht man viel miteinander. Dabei ist alles auf den kleinen Jungen zentriert, der seinen Alltag sehr bewusst erlebt und seine Beobachtungen den Eltern mitteilt. Zu allen Unbilden des Lebens finden sie Hilfen, und sie vermitteln ihrem Kind reichlich Lebensweisheiten. Am Ende jedes Kapitels fasst Petit Hector sie (kursiv gedruckt) zusammen.
Besonders nett ist der Waldspazierung von Vater und Sohn. Letzterer er÷ffnet seine f³r ihn schweren Sorgen und kommentiert drastisch: "Mir reicht das mit den Sorgen."
Phantasievoll beschrieben wird auch, wie Maman und Petit Hector den Zoo besuchen. Dort entdecken sie, dass die Lebensweisheit, dass man immer die guten Seiten des Lebens zu sehen versuchen solle, auch f³r L÷wen gelten kann. Das ist eine am³sante, ungew÷hnliche - und ³berzeugende Beobachtung.
Die Beschreibungen der kindlichen Erlebnisse - Zoobesuch, Schummeln in der Schule, Fu¯ballspiel mit Freunden und Amandine, das einzige Mõdchen, das Petit Hector interessiert - erinnern mich sehr an die liebenswerten Bestseller von RenÚ Goscinny mit Illustrationen von J. J. SempÚ aus den Sechziger Jahren: Le petit Nicolas (Der kleine Nick).
Diese B³cher werden von Gro¯ und Klein gelesen, und wenn man sich in sie verliebt hat, kann man sich nicht mehr davon l÷sen. Man will sie nicht nur lesen, sondern auch besitzen. So erhalten sie einen besonderen Platz im B³cherregal.
(verfasst am 12.08.2009 · 1.843 Zeichen)
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Clemens Lindner: Wei¯er Mohn

· 166 S. · kartoniert/broschiert · Skarabaeus · ISBN-10 3708232615 · ISBN-13 9783708232614 · 19,90€
Sebastian Hauser, der Wahn, die getriebene Unruhe, das Ende
Clemens Lindner wurde 1965 in Hall geboren. Er ist Stipendiat und lebt sowohl in Tirol als auch in Tokio. Dieses Buch entstand mit Unterst³tzung der Kulturabteilung des Landes Tirol.
Lindner zeichnet in seinem Roman das Psychogramm des Au¯enseiters Sebastian Hauser. Viele Begebenheiten sind ganz offensichtlich Parallelen zum Leben des Dichters Georg Trakls.
Obwohl Trakls Leben und Werk nicht direkt Inhalt dieses Romans sind, m÷chte ich zum besseren Verstõndnis einen kurzen Abriss zu Trakl voranstellen.
Georg Trakl wurde am 3. Februar 1887 in Salzburg geboren. Er wuchs in einer intakten Familie als viertes von sechs Kindern auf. Seine Schullaufbahn war von Versagen geprõgt (zwei Nichtversetzungen). Nach dem Studium der Pharmazie (ab 1908 in Wien) arbeitete er als Apotheker und lebte abwechselnd in Salzburg, Wien und Innsbruck.
Seine ersten literarischen Werke wurden in der Zeitschrift "Der Brenner" ver÷ffentlicht.
Trakl war depressiv, nahm Drogen und hatte eine enge inzesti÷se Beziehung zu seiner Schwester Margarethe. Deren Heirat war ein prõgender Schock f³r Trakl; er inspirierte ihn so stark, dass in dieser Zeit seine besten Werke entstanden. Sie sind geprõgt von Depressionen.
Trakl starb fr³h - im Alter von 27 Jahren - an einer Kokainvergiftung. Seine Schwester Margarethe erschoss sich drei Jahre spõter.
Sebastian Hauser, der Protagonist in Clemens Lindners Roman, weist frappierende -hnlichkeiten mit Trakl auf: die sexuelle Liebe mit seiner Schwester Judith; beide wõhlen f³r sich den Freitod; Hauser ist drogenabhõngig und schwerm³tig; er zieht sich in seine eigene Welt zur³ck.
Aber Hauser ist ein eigenstõndiger Mensch. Seine Individualitõt ist durch unsere moderne globale Welt geprõgt. Er muss kein Kriegserlebnis verarbeiten. Sein krankhaftes, unruhiges Leben mit der Obsession Orte, Dinge und anderes zu sammeln, haben andere Ursachen, die nichts mit Trakl zu tun haben.
Das erste Kapitel beginnt mit dem Satz "Georg Fischer erhielt spõt nachts einen Anruf ..." Weitere nõchtliche anonyme Arufe erzeugen Spannung wie in einem Krimi.
Aber dann meldet sich Fischers Exfrau Karla und spõter sein ehemaliger Mitsch³ler Sebastian Hauser. Der Anruf Hausers veranlasst Fischer, in seiner Vergangenheit zu forschen. Im Jahresheft des Maturajahrgangs 1986 f. indet Fischer ein Klassenfoto, auf dem alle handlungsrelevanten Personen abgebildet sind: Georg Fischer und seine Frau Karla, Sebastian Hauser und seine Schwester Judith. Diese vier Personen verbindet etwas, z. T. lose Frundschaft, sexuelle Beziehunen, einschlie¯lich mehrerer Vergewaltigungen.
Georg Trakls Werk, seine Geburt am 3. Februar und sein Selbstmord sind ein gemeinsames, verbindendes Interessensfeld der vier Personen.
Ab dem vierten Kapitel konzentriert sich Lindner zunehmend auf die Person Sebastian Hauser. Das Kapitel beginnt mit dem Satz "Sebastian Hauser ging mit gedankenvoller Miene ...". Hauser ist Einzelgõnger, Atheist, schwarz gekleideter Grufti und Mutters÷hnchen. Hauser sieht sich selbst als "Alter Ego von Georg Trakl". Seine Einstellung zu Mitsch³lern und Lehrern ist von Arroganz geprõgt. Handlung und Ereignisse reduzieren sich mehr und mehr. Zunehmend erleben wir Sebastian Hauser als Drogenabhõngigen, umgeben von einer Randgruppen-Gesellschaft.
Durch seine Spleens ist er fremdbestimmt und kann sich diesen S³chten nicht entziehen: Er treibt sich auf Friedh÷fen herum, sammelt Grõber von Dichtern und Pers÷nlichkeiten aus der Film-, Theater- und Musikwelt.
Der B³cherwahn jagt ihn durch viele Buchhandlungen. Dabei schreckt er nicht vor systematischem Diebstahl zur³ck. Widersinnigerweise sehnt er sich danach, ertappt zu werden ...
Unerwartet f³r den Leser beschreibt Clemens Lindner eine absurde, kafkaeske Situation (am 3. Februar 1986): Ein Clown sitzt in einem engen Raum, durchlebt Halluzinationen. Nach der langsamen Verbesserung seines krankhaften Zustandes darf er den Raum wieder verlassen. Was hat es damit auf sich? Aufschluss ³ber derlei Rõtsel gibt der Autor mit einem besonderen Stilmittel:
Immer wieder sind in den Text des Romans deutlich anders gesetzte Zeilen eingef³gt. Sind es Verse aus Trakls Werk? Sind es Verse aus Hausers eignenen literarischen Versuchen? Oder sind es einfach nur kommentierende Einsch³be? Auch nach der Clown-Szene folgt eine solche Sentenz: "Dõmonen durch die kranke Seele gehen". Manche dieser Kommentare sind schwer verstõndlich, andere erhellen Zusammenhõnge.
Im Sommer 1991 zieht der ruhelose Hauser nach New York. Er lernt eine Japanerin kennen, die er spõter in Japan besucht.
Hausers permanente Unruhe lõsst den Leser nicht unber³hrt. Lindner ersetzt die direkte Rede durch gesprochene Gedanken, die nur so hin und her jagen. Sinnlose Sõtze wie z. B. "Spiderman hat Urlaub" hõufen sich.
Ab Kapitel 9 setzt Lindner ein neues sprachliches Stilelement ein: Dominique, eine Transsexuelle, schreibt Briefe an Hauser: f³nfzehn St³ck.
Der letzte psychotische Wahn lõsst Hauser auf der Suche nach ÷ffentlichen Telefonen und fremden Telefonnummern durch New York rennen.
Im vorletzten Kapitel stellt Lindner noch einmal sein kriminalschriftstellerisches Talent unter Beweis: Er beschreibt einen brutalen Mord, dessen Aufklõrung und die Festnahme des M÷rders.
Eine gelungene Abrundung des Buches ist das letzte Kapitel. Hier treffen sich die Protagonisten wieder. Ihre Beziehungs- und Liebespaarungen klõren sich. Der 3. Februar spielt eine katastrophale Rolle.
Christoph Lindners Buch wirkt puristisch - auf dem kargen Deckblatt finden sich nur drei Sõtze; Informationen zu Autor und Inhalt fehlen v÷llig.
Dieses Buch wird wahrscheinlich nur eine kleine Leserschaft finden. Das finde ich schade, denn es verdient Aufmerksamkeit und Anerkennung.
(verfasst am 13.04.2009 · 4.704 Zeichen)
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Charles Martin: Wohin der Fluss uns trõgt

Der Fluss, das Leben, eine Fahrt ins Ungewisse
Die Diagnose Krebs bedeutet f³r die meisten Menschen: mir bleibt nicht mehr viel Zeit zum Leben, der Tod steht vor der T³r.
In dem Roman "Wohin der Fluss uns trõgt" trifft diese t÷dliche Diagnose Abbie. Nach 10 gl³cklichen Ehejahren hat sie Brustkrebs.
Abbies Kindheit und Jugend war eingebettet in einer sehr reichen S³dstaatendynastie. Ihr Vater war Senator. Ihre Mutter starb leider sehr fr³h. Gegen dieses beh³tete und sorgenfreie Elternhaus hat sie rebelliert und opponiert. Das hat ihren starken und individualistischen Charakter gebildet. Bei der Wahl ihres Berufes kann sich der Wille ihres Vaters nicht durchsetzen: sie wird Model.
Au¯erdem heiratet sie Chris. Er stammt aus õrmsten Familienverhõltnissen mit sozialen Problemen. Sein Stiefvater misshandelt ihn. Seine Mutter verdient ihr Geld als Prostituierte.
Chris und Abbie, von Krankheit gezeichnet, beschlie¯en, die noch verbleibende Zeit mit sch÷nen Erlebnissen zu f³llen. Sie stellen einen 10-Punkte-Plan auf. Dieser soll sie von Schmerzen und Todesgedanken ablenken. Abbie ist eine starke Kõmpferin. Das ist eine gute Voraussetzung, um gemeinsam mit ihrem Mann gegen alle Hindernisse ihre Reise durchzuf³hren. Sie starten eine Flussfahrt. Wõhrend dieser Reise ³ber den Fluss und durch die Landschaften erzõhlt Chris in Zeitspr³ngen ³ber ihre Ehejahre und den Ausbruch der Krankheit.
Das gr÷¯te Hindernis ist Abbies Vater, denn er will dieses letzte Abenteuer der beiden Liebenden nicht unterst³tzen, sondern im Gegenteil unterbinden. Er schaltet Polizei und Medien ein. Er verdõchtigt seinen Schwiegersohn, den er noch nie leiden konnte, seine Tochter entf³hrt zu haben. Man soll die beiden m÷glichst schnell finden und Abbie nach Hause holen.
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, weil es das Thema Leben und Sterben mit einer unheilbaren Krankheit sehr feinf³hlig beschreibt. Ch. Martin verfõllt nicht in R³hrseligkeit und Gef³hlsduselei, sondern gibt Kraft, Hoffnung und Optimismus ...

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Christian M°rk: Darling Jim

Genre: Krimi · 352 S. · geb · Piper · ISBN-13 978-3-492-05256-6 · 19,95€
Sex and Crime, Mystery und Psycho
Christian M°rk beginnt sein Buch mit einem grausamen Mord in einem Haus in Dublin: "Sklavenschwestern von eigener Tante ermordet". Er erzeugt gruselige Spannung und legt hier Handlungsstrõnge, die viele L÷sungsungen erm÷glichen und H÷chstspannung ausl÷sen.
Danach sackt der Leser in ein literarisches Loch.
Im Ort taucht ein ausnehmend h³bscher Mann auf, der ein auffõlliges rotes Motorrad fõhrt. Er wird zum Anziehungspunkt aller Frauen einschlie¯lich der Zwillingsschwestern und der Tante.
"Darling Jim", so nennt ihn eine Geliebte, erzõhlt in den ÷rtlichen Lokalen Geschichten. M°rk beschreibt das -u¯ere Jims mit den Attributen eines Wolfs. Diese geben Jim den Charakterzug eines rei¯enden Tieres.
Die Gruselgeschichte, die Jim zum Besten gibt fasziniet die Frauen. Der begehrte Jim nutzt seine bevorzugte Situation voll aus, indem er sich mit allen Frauen, die sich ihm freiwillig anbieten, sexuell vergn³gt; manche t÷tet er sogar. Auch mit Fiona, eine der Nichten treibt er es, und ihre Schwester Aoife vergewaltigt er.
Dieser Teil des Buches zieht sich ³ber ca. 150 Seiten hin. Teilweise hat mich die Handlung nicht sonderlich interessiert, teils hat mich die sprachlich niveaulose, manchmal ordinõre Wortwahl ange÷det.
Da mich das Buch aber am Anfang so fasziniert hatte, hielt ich mir vor Augen, dass Christian M°rk ja doch irgendwie gut und spannend schreiben kann, und hoffte, dass es vielleicht irgendwo wieder besser werden w³rde. Also weiter lesen ...
Und tatsõchlich wir erfahren, warum die Nichten bei ihrer Tante im Haus leben und wie es zu dem entsetzlichen Blutbad kommen konnte.
Diesen Teil des Buches hat M°rk sprachlich besser und spannend ausgestaltet. Die logische Handlung um die drei Schwestern, die Jim t÷ten, ist stimmig.
Wir sind wieder im Mordhaus
Hier rundet sich der Krimi und nimmt den Spannungsbogen und die Handlungsstrõnge des Anfangs gekonnt wieder auf. Die Erwartungen an einen mitrei¯enden Krimi. erf³llen sich doch noch.
Schlie¯lich gelingt es Christian M°rk im letzten Teil, "Der gelõhmte Prinz", Fantasy und Reality zu verkn³pfen - und das sehr ³berzeugend und glaubw³rdig.
(verfasst am 8.2.2009)
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Jo Nesb°: Leopard

Genre: Kriminalroman · 704 S. · geb · Ullstein · ISBN-13 9783550087745 · 21,95€
Das unvorstellbare Verbrechen
In Oslo hat ein Serienm÷rder zwei Frauen bestialisch get÷tet. Dabei folgte er dem Muster des legendõren "Schneemanns". Die Mordermittlerin, Kaja Solness, fliegt nun nach Hongkong, um Kontakt mit Harry Holes aufzunehmen, dem Einzigen, der sich mit dieser Art Serientõtern auskennt und der auch den "Schneemann" gefasst hatte. Schlimmer noch: Er war damals sogar pers÷nlich involviert, denn seine Ex-Lebensgefõhrtin Rakel und ihr Sohn Oleg waren in die Fõnge des verr³ckten M÷rders geraten. Heute ist er ein menschliches Wrack: Abhõngig von Drogen und Alkohol, belastet von Wettschulden, bedroht durch die Mafia, lebt er als Underdog in den Slums von Hongkong. Dort findet ihn Kaja zwar, doch gelingt es ihr nicht, ihn, mit Pass und Flugticket ausgestattet, nach Oslo zur³ckzuholen.
Einen kleinen Vorgeschmack auf die kriminelle Phantasie des Autors erhõlt der Leser direkt zu Buchbeginn: Eine Frau sitzt gefangen in einem kalt-feuchten, dunklen Betonverlies. In ihrem Mund befindet sich ein Fremdk÷rper, eine Kugel mit einem roten Draht. Sie wei¯, was ihr Peiniger, der Leopard, gesagt hat: "R³hr den Draht nicht an." Aber sie kann nicht anders, und was nun folgt, ist, in der hier beschriebenen Grausamkeit, das pure Entsetzen.
In einem kursiv gedruckten Textteil philosophiert eine Ich-Figur ³ber die Frage, warum ein Mensch zum M÷rder wird. Ist es eine angeborene _berlebensstrategie, rationeller Wahnsinn oder was ...? Dabei betrachtet er Zeitungsausschnitte mit bluttriefenden Details einzelner Leichenfunde.
Jo Nesb° hat mit brilliantem literarischem Verm÷gen handelnde Personen mit ihren Gef³hlen, Gedanken und Charakteren kreiert. Dabei wird besonders Harry Holes zur Zentralfigur des Lesers werden. Wie kann er als Kontaktmann, trotz - oder gerade wegen - seiner kriminellen Verflechtungen, bei der Aufklõrung der Morde behilflich sein?
Der bisher beschriebene Handlungsort Hongkong verspricht einen unersch÷pflichen Rahmen f³r jede Art von Kriminalitõt. Es ist ein riesiger Moloch, ein melting pot. Menschen aller Hautfarben, Nationalitõten und Religionen treffen hier aufeinander. Sie leben in gigantischen Hochhõusern, Marmorpalõsten - oder in Packkartons und Kõfigen. Der kriminelle Sumpf ist uferlos. "Leopard" - ein Topthriller, den man nicht so leicht vergisst.
(verfasst am 28.12.2009 · 1.877 Zeichen)
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Sven Pl÷ger: Gute Aussichten f³r morgen

Genre: Sachbuch · 288 S. · geb · Westend · ISBN-13 9783938060261 · 19,95€
Das Wetter: heute so - morgen so
"Ne, was hatten wir dieses Jahr f³r einen heftigen und lang andauernden Winter. Selbst in den Mittelgebirgen lag so lange Schnee wie seit Jahren nicht mehr." Nat³rlich k÷nnen solche im Supermarkt vorgetragene Thesen nicht unbedingt ³ber viele Jahre hinweg bewiesene G³ltigkeit beanspruchen. Aber beim Allerweltsthema Wetter wollen wir alle mitreden, und an diesem zwischenmenschlichen Kommunikationsbed³rfnis setzt Sven Pl÷ger an:
Sein Buch ist ein allumfassendes, sehr informatives und stets wissenschaftlich untermauertes Sachbuch - keine leichte Kost; das Lesen erfordert schon volle Konzentration. Dennoch wird jedermann in der Lage sein, es zu lesen, denn es erfordert weder Vorwissen noch schwingt es sich zum Niveau eines Studiums der Meteorologie auf. Ich habe mir die klare Struktur des Buches zu Nutze gemacht (drei Teile mit vielen Unterkapiteln) und mir meine Lekt³re entsprechend portioniert: So konnte ich mich auf angenehme Weise nach und nach mit dem gesamten Inhalt auseinander setzen. Besonders hilfreich fand ich in diesem Zusammenhang "Das Buch im Buch", in dem man sehr kompakt noch mal einen _berblick erhõlt.
Kapitel 1 hei¯t: "Den Klimawandel verstehen". Hier stellt Sven Pl÷ger die Kategorien "Wetter" und "Klima" gegen³ber und beschõftigt sich mit den Faktoren, die unser Klima beeinflussen, wie etwa dem Treibhauseffekt.
Kapitel 2 widmet Pl÷ger den "Stimmen der Interessengruppen", denn Medien, Forscher, Regierungen - alle wollen geh÷rt werden, wenn es um das Klima geht.
In Kapitel 3 - "Die Chancen f³r morgen" - stellt der Autor dar, dass die Problematik des Klimawandels eine globale ist: Die Abschmelzung der Pole, die Erwõrmung der Weltmeere, der FCKW-Aussto¯ usw. betrifft alle Kontinente, alle Staaten, alle Wirtschaftssysteme, alle Menschen. Deshalb m³ssen wir alle uns verstõndigen und versuchen, einen Konsens zu finden. Dabei darf man nicht ³bergehen, dass jedes Land seine berechtigten eigenen politischen Schwerpunkte hat; die heftigsten Auswirkungen des Klimawandels - Unwetter, _berschwemmungen, St³rme, Tornados - erleben ja ausgerechnet die õrmsten Lõnder, die gerade kein Geld haben, um zu ihrem eigenen Schutz aufwõndige und langfristige Strategien zu initialisieren, z. B. das Investment in alternative Energiequellen. Die Verantwortung bleibt also bei den reichen Lõndern.
Und gerade in diesem Zusammenhang fand ich das Unterkapitel "Was kann ich selbst tun" besonders informativ, denn auch ich, so habe ich gelernt, kann mit meinen M÷glichkeiten, im Kleinen zu handeln (etwa Energie einzusparen), zu einem besseren Klima beitragen.
Fazit: Dies war das erste Sachbuch, das ich gelesen habe. Es war eine ungewohnt anstrengende Lekt³re. Auch wenn Pl÷gers Aussagen nicht unbedingt neu sind und selbst ich als Laie vieles schon vorher einmal geh÷rt hatte (man schõtzt ja schlie¯lich auch Sven Pl÷gers ausschweifende Erlõuterungen im Anschluss an die Tagesthemen), so kann ich sagen, dass das Buch die Lekt³re lohnt. Bemerkenswert fand ich auch, dass Sven Pl÷ger insgesamt eine weniger pessimistische Perspektive einnimmt, als ich es bisher getan hatte; zumindest in meinem Fall hatte das Buch also sogar eine gewisserma¯en entspannende Wirkung.
(verfasst am 23.03.2009)
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Alois Prinz: Mehr als Du denkst

Zehn Blicke zur T³r hinaus
Ich habe das Buch "Mehr als du denkst" von A. Prinz in einem Rutsch gelesen. Das Buch stellt uns 10 verschiedene Pers÷nlichkeiten - Frauen und Mõnner, die in unterschiedlichen Zeitepochen lebten - vor. Allen gemein ist ihr starker Charakter, der von Eigenstõndigkeit und Unabhõngigkeit geprõgt ist. Brauchen sie wirklich den Halt der Religion?
Was alle verbindet ist die Sinnsuche.
Das Buch beginnt mit der Kurzbiografie des Jesus von Nazareth und verstõrkt die bewusste Themenkonzentration: Wendepunkte im Leben, Bewõltigung von Lebenskrisen durch die Hinwendung zu Gott. Die 2. Geburt wird als Beginn eines religi÷sen Lebens dargestellt.
Einige der hier im Buch vorgestellten Pers÷nlichkeiten waren mir unbekannt. Es war sehr lehrreich, etwas ³ber deren Leben zu erfahren.
Etwas enttõuscht hat mich die Kurzbiografie des heiligen Franz von Assisi.
Wir waren im Herbst 2008 in Assisi und haben die ihm zu Ehren errichtete Kirche besichtigt. Diese ist ³ber und ³ber geschm³ckt mit Fresken, die das Alte und Neue Testament abbilden, aber auch den Lebensweg des Franziskus. Sein Lebenswendepunkt wird in einem Fresko dargestellt: Er trennt sich von seiner reichen Familie. Er legt seine Kleidung ab und will von nun an in Armut leben. Das Buch kann die Ernsthaftigkeit und Macht seiner Entscheidung, die mich in Assisi emotional ³berwõltigt haben, nicht annõhernd wiedergeben. Im Gegenteil, ich finde die Beschreibung des Franz als verw÷hntem jungen Mann, der auf der Suche nach aufregenderen Erlebnissen ist, geradezu unpassend.
Da ich mich nicht als religi÷s bezeichne, war dieses Buch zunõchst ein Angang, aber im Nachhinein verdient es seinen Platz im B³cherschrank.
Vielleicht sollte man sich das Buch ab und zu vornehmen, um einzelne Biografien, die man in freier Reihenfolge wõhlen kann, zu lesen. Man wird zum Nachdenken angeregt.
Der Bucheinband ist unscheinbar. Er zeigt in blassem Blau eine ge÷ffnete Zimmert³r. Aber die Symbolik gefõllt mir, trotz ihrer Unscheinbarkeit. Die historischen Pers÷nlichkeiten werden in Situationen dargestellt, in denen sie in ein neues Leben hinaustreten, und der Leser des Buchens darf bei der Lekt³re in ihr Leben eintreten. Vielleicht hat er dabei selber das Gl³ck, hinter der T³r einen neuen Sinn im Leben zu finden. Denn es gibt ja in unserer Welt "mehr als du denkst" ...

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Thomas Raab: Der Metzger geht fremd

Genre: Krimi · 368 S. · geb · Piper · ISBN-13 9783492053082 · 18,95€
Krimi voller Esprit und Bonmots
Thomas Raab erhielt 2008 f³r sein erstes Buch "Der Metzger muss nachsitzen" den Glauser-Preis in der Sparte "Deb³t". Au¯erdem wurde er f³r den LITERAturpreis f³r Belletristik (2008) nominiert.
Mit seinem dritten Buch "Der Metzger geht fremd" beweist Thomas Raab erneut sein K÷nnen.
Im landschaftlich unber³hrten Schwabenlõndle lõsst es sich Danjela Djurkovic im Kurhotel Sonnenhof gut gehen. Als ihr Lebensabschnittsgefõhrte, der Restaurator Willibald Adrian Metzger, einen Anruf von ihr erhõlt, in dem sie ihm von einer nackten Leiche im Schwimmbad berichtet, macht er sich sofort auf den Weg. Da nicht im Besitz eines F³hrerscheins, ist er auf Busse und Bahnen angewiesen. F³r die nõchsten Tage wird die Pension Regina seine Unterkunft; diese liegt leider f³nf Kilometer vom Kurbad entfernt. Immerhin: Um seine Geliebte Danjela zu besuchen, darf er das Fahrrad des Hausherrn benutzen. So rast Metzger alsbald unter Lebensgefahr bergab (denn es ist ein Rad mit 21 Gõngen ohne R³cktrittbremse, und er selbst ist wohlbeleibt ...). Zunõchst hõlt er sich, "den K÷rper in Abfahrtsposition", doch schlie¯lich landet er "im fl³chtigen Handstand" in einem Heuhaufen.
Derweil lõdt Prof. Dr. Winfried Berthold alle Gõste und Angestellte des Sanatoriums in den Speisesaal. In einer nie gekannten Art weist er seine disziplinlosen Patienten zurecht: Er besteht auf Einhaltung der Hausordnung. Nur bei strikter, p³nktlicher Anwendung der Therapien k÷nnten sie gesund und erholt nach Hause kommen. Und nicht tot, wie leider Herr August David Friedmann ...
In diesem Kurbad erlebt man mehr Freud denn Leid. Hier treibt's jede mit jedem; sogar der Professor ist kein "Kostverõchter", sondern ein "Lustmolch". Der Eindruck, eher in einem "Swingerclub" als in einem Kurhaus zu sein, verdichtet sich bei Adrian Metzger schnell, und deshalb w³rde er seine Geliebte gern mit nach Hause nehmen. Sie aber m÷chte lieber dreist herumschn³ffeln, um Beweise f³r ihre Mord- und Totschlagtheorien zu finden. Nach einer abenteuerlichen Kletterpartie ³ber die benachbarten Balkone dringt sie in das Zimmer des Toten August David Friedmann ein und findet unter dem Bett einige fragw³rdige Gegenstõnde ...
Ein paar Leichen, abgeschnittene Finger, Eheringe, die man nicht sogleich zuordnen kann, undurchschaubare Verhõltnisse in der Familie Friedmann - all dies gibt dem Roman einen kriminalistischen Touch. Zwei Nebenschauplõtze, die auch optisch (drucktechnisch) abgetrennt sind, bleiben dagegen inhaltlich lange unklar. So ist dieses Buch kein spannender Krimi, der nur so voll abstruser Gewaltszenen strotzt, sondern er brilliert mit anderen Qualitõten:
Es ist das artistische Spiel des Autors, mit Worten und Sõtzen zu jonglieren. Er bringt nahezu auf jeder Seite den Leser zum Lachen. Das schafft kaum ein Kom÷diant wõhrend seiner Abendveranstaltung. Ob es sich um die Beschreibung der Landschaft, des Fr³hst³ckbuffets, des zickigen Verhaltens der Damen handelt - nahezu alles ist ein wenig komisch beschrieben, ohne dabei lõcherlich zu wirken. Verdrehte Redewendungen oder Vergleiche sind nicht zu toppen.
Diesen Roman sollte man wie ein Dessert genie¯en: langsam lesen und jedes Wort auf der Zunge schmelzen lassen. Viel Vergn³gen!
(verfasst am 09.09.2009 · 2.644 Zeichen)
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Ferdinand von Schirach: Verbrechen

Genre: Krimi · 208 S. · geb · Piper · ISBN-13 9783492053624 · 16,95€
"Stories" - Geschichten, die das Leben schreibt
Ferdinand von Schirach hat ein Buch mit elf Geschichten ver÷ffentlicht, die er selbst erlebt hat - als Verteidiger in Strafprozessen. Gebunden an seine Schweigepflicht, wird er die Ereignisse verõndert haben, um den Schutz der realen Personen zu wahren. Als Verteidiger ist er parteiisch und steht auf der Seite seines Mandanten. Als Erzõhler ist er frei.
Von Schirach hat mit seiner Auswahl f³r den Leser ein Kaleidoskop unterschiedlichster Straffõlle ausgewõhlt. Wir lesen von einer Ehe mit t÷dlichem Ende, von dem Diebstahl einer wertvollen Teeschale, einem Kannibalen, Kriminalitõt im Drogen- und Prostituiertenmilieu und anderen Taten.
Gemeinsamkeiten aller dargestellten Fõlle sind ihre absolut unerwarteten Verlõufe, die psychischen Verõnderungen der handelnden Personen und eine unbeschreibliche Brutalitõt.
Manche Fõlle verlaufen "im Sande". So entlastet ein Mann seinen angeklagten kriminellen Mitbruder durch eine geschickte Zeugenaussage. Ein anderer Mann mit eindeutigem Hang zum Kannibalismus entzieht von Schirach sein Mandat.
Wõhrend man die meisten Geschichten mit Distanz lesen kann, sind andere dabei, denen man sich gef³hlsmõ¯ig nicht entziehen kann. Das Leid ist manchmal so stark, dass man es selbst sp³ren kann.
Wir erleben die nach au¯en hin intakte Ehe eines anerkannten Mediziners, der nach 48 Jahren physischer und psychischer Dem³tigung seinen Lebenszustand nicht mehr aushõlt und seine "geliebte" Ingrid umbringt. Da von Schirach gemõchlich und prõsise beschreibt, wie es zu der Tat kommen konnte, wird sie zu einer zwingenden, nicht mehr abwendbaren Konsequenz. Auch diese ³berzeugende Erzõhlweise ist allen beschriebenen Fõllen zu eigen.
Furchtbar zu lesen ist, wie zwei Kinder in einer mutterlosen Familie aufwachsen: Ein liebloser, strenger Vater verlangt von ihnen bedingungslose Disziplin und Verzicht. Obwohl Verm÷gen vorhanden ist, m³ssen die Kinder sich ihr Taschengeld erarbeiten, z. B. indem sie L÷wenzahn ausstechen.
An manchen Stellen klõrt von Schirach den Leser sehr kurz, aber ausreichend informativ ³ber das deutsche Rechtssystem, insbesondere den Prozessverlauf auf.
Auch die immer wieder diskutierte Frage nach dem Sinn von "Strafe" spricht er an und er÷rtert das rechtsphilosophische Problem (vgl. S. 17).
Das Buch liest sich sehr schnell. Von Schirachs Sprachstil ist klar; seine Sõtze sind meist kurz und einfach.
Sicher lesen wir tagtõglich von neuen kriminellen Geschehnissen, aber so stark, wie von Schirach seine Erzõhlungen aufbereitet hat, indem er uns ins Innerste der Handelnden schauen lõsst, bleibt Nachdenkenswertes hõngen. Sind wir parteiisch geworden? Stehen wir mehr auf der Seite des Kriminellen als auf der der Opfer?
Bilden Sie sich selbst ein Urteil, indem Sie dieses Buch lesen.
(verfasst am 25.08.2009 · 2.268 Zeichen)
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Wolfgang Schorlau: Das M³nchen-Komplott

Genre: Krimi · 335 S. · Taschenbuch · KiWi · ISBN-13 9783462041323 · 8,95€
Was geschah wirklich am 26.9.1980?
2009: Der jetzige Prõsident des BKA wendet sich an den ehemaligen Zielfahnder Georg Dengler, der nach 10-jõhriger Tõtigkeit seinen Dienst frustriert verlassen hat. Dengler soll die Akten zum gr÷¯ten Attentat in der Geschichte der BRD, den Bombenanschlag vom 26. 9. 1980 auf dem M³nchner Oktoberfest, noch einmal untersuchen. Er erhõlt Einsicht in alle Akten, und mit Hilfe seines Freundes, des Journalisten Leopold Harder, kann er auch in Zeitungsartikeln aus dem Jahr 1980 recherchieren. Doch je mehr Informationen er sammelt, desto undurchdringlicher werden die Geschehnisse. Dengler fragt sich, warum man ausgerechnet ihm den Fall anvertraut hat, und warum ausgerechnet jetzt? Der Fall war doch eigentlich schon abgeschlossen und in der Versenkung verschwunden.
Wie brisant das Attentat ist, wird Dengler immer bewusster. Was geschah da 1980 auf den nationalen und internationalen Ebenen der Politik? Konnte der Anschlag etwa f³r manchen Politiker oder manche Partei Gewinn bringend sein?
Hinter Denglers R³cken laufen unfassbare Aktionen, von denen er selbst nichts ahnt - hier sind wir als Leser im Vorteil.
Der Verfassungsschutz bildet ein Arbeitsteam.
Gleichzeitig f³hlt sich die parlamentarische Staatssekretõrin Charlotte von Schmolke - dank ihres bedeutungsschweren Namens konnte sie die Karriereleiter nur herauffallen - unter Druck. Die Wahlen stehen vor der T³r. Íffentlichkeitsheischend, gleichzeitig total frustriert von ihrer Arbeit (denn man hat sie wie eine "Puppe" benutzt und ihr alles vorgekaut) muss und will sie etwas õndern ...
Das Buch ist in vielen kurzen Textsequenzen strukturiert. Orte und Personen õndern sich; dennoch verliert der Leser nie den Handlungsfaden, weil der Autor mit seinem klaren, direkten, n³chternen Schreibstil immer wieder Ankn³pfungspunkte bietet. Der journalistisch berichtende Handlungsverlauf, der zeitnahe Geschehnisse wie Weltwirtschaftskrise, die Wahl Barack Obamas, ja sogar die Schweinegrippe mit einbezieht, bewirkt, dass der Leser immer mittendrin ist. Was Wolfgang Schorlau schreibt, ist prõzise dokumentiert: Das kann alles nur wahr sein (also: Fiktion vom Feinsten).
Und es ist unfassbar. Denn internationale Machenschaften, die gegenseitige Infiltration von Politik, Geheimdienst und globaler Wirtschaft haben nur das eine Ziel: Jeder will seine eigenen Interessen durchsetzen, und dazu ist jedem jedes Mittel recht.
Ein beeindruckender POLIT-THRILLER: Absolut lesenswert, spannungsgeladen von der ersten bis zur letzten Zeile. TOP!
(verfasst am 22.11.2009 · 2.020 Zeichen)Zeichen)
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Sybille Schr÷dter: Die Lebk³chnerin

Genre: Historischer Roman · 464 S. · Taschenbuch · Piper · ISBN-13 9783492254472 · 8,95€
Lebkuchen zur Adventszeit
N³rnberg 1387: Agnes und Benedicta leben unfreiwillig im Kloster Engelthal, dem der Ruf voran eilt, ein Ort der wahrhaftigen Engel zu sein. Gebete, Gebote, Verbote, Demut und Unterwerfung werden von den Nonnen verlangt. Beide sehnen sich nach der Welt au¯erhalb der Klostermauern.
Julian, der Neffe der Priorin, begegnet bei seinen hõufigen Besuchen im Kloster Benedicta, und beide empfinden sofort gegenseitige Zuneigung. Nun ist es um Benedicta geschehen. Sie will raus aus diesem Gefõngnis. Doch sie ist Nonne, sie hat einen heiligen Eid geschworen ...
Alljõhrlich zur Fastenzeit backt das N³rnberger Predigerkloster Pfefferkuchen. Da aber das gesamte K³chenpersonal erkrankt ist, soll nun das Kloster Engelthal einspringen.
Hier kommt die gro¯e Chance f³r Benedicta und Agnes: Sie kennen ein Lebkuchenrezept. Damit gewinnen sie allgemeine Anerkennung.
Julian und Benedicta gestehen ihre Liebe der Priorin. Sie hilft ihnen zu einem neuen Leben au¯erhalb der Klostermauern. Doch leicht ist das Leben wahrhaftig nicht. Viele unerwartete Ereignisse brechen ³ber Benedicta und Agnes herein ...
F³r den Leser entwickelt sich das alles fesselnd und unterhaltsam zugleich.
Die Erzõhlweise ist locker, klar und leicht verstõndlich. Manche Passagen sind am³sant und humorvoll. Worte aus dem Mittelalter, z. B. "Zelter" f³r "Pferd", vermitteln dem Leser den Zeitgeist. Der Handlungsverlauf flie¯t schnell. Immer neue, z. T. v÷llig unerwartete Handlungsperspektiven spulen sich ab. Langatmige detaillierte Ortsbeschreibungen fehlen v÷llig. Die vielen Dialoge - manche sind spitz und schnippisch - treiben das Geschehen vorwõrts. Man will dran bleiben. Zusõtzlich hat die Autorin Sybille Schr÷dter manchen Personen einen Schleier unausgesprochener Geheimnisse ³bergeworfen. Die Neugierde ist geweckt.
"Die Lebk³chnerin" ist ein ansprechender, netter, unterhaltsamer Roman - ganz passend zur Vorweihnachtszeit.
(verfasst am 25.10.2009 · 1.566 Zeichen)
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Lionel Shriver: Liebespaarungen

· 592 S. · geb · Piper Verlag · ISBN-13 978-3-492-05096-8 · 19,95€
Parallelwelten aus Zuckerwatte
Lionel Shrivers Buch Liebespaarungen dreht sich um drei Hauptfiguren: Lawrence, der intellektuelle und politische Mann, lebt seit mehreren Jahren mit Irina in einem eheõhnlichen Zustand. Die dritte Person ist der etwas d³mmliche Snookerspieler Ramsey.
Irina f³hlt sich zu beiden Mõnnern hingezogen. Bei Ramsey allerdings ist die sexuelle Anziehungskraft stõrker. Mit ihm sucht sie den ultimativen Kick. Es soll keine romantische, zartf³hlende Beziehung sein.
Um das zu verdeutlichen, gebraucht Lionel Shriver in diesen Passagen ein - nach meinem Empfinden - ekliges, absto¯endes und Frauen entw³rdigendes Vokabular.
Wenn man dar³ber hinweglesen kann und das Buch hier nicht zur Seite legt, so gewinnen Inhalt und literarischer Wert. In kurzen abgeschlossenen Episoden beschreibt Shriver das weitere Leben der drei Personen.
Irina, die mittlerweile kurz und schmerzlos Ramsey geheiratet hat, lebt mit diesem ein Leben, das durch das Snookerspiel diktiert wird.
Es steht im Gegensatz zu ihrem Alltagsleben mit Lawrence.
Beide Welten bleiben bestehen und verlaufen parallel, aber doch mit feinen, zum Teil kontrõren Unterschieden.
Lionel Shriver springt zwischen den beiden jetzt erschaffenen Partnerschaften hin und her, wie ein Windows-Anwender zwischen den verschiedenen ge÷ffneten Anwendungen seines Computers mit den Tasten ALT+TAB hin und her switcht.
Die Autorin baut ein õu¯eres Handlungsger³st, das f³r beide Parallelwelten gleich ist. Innerhalb dieser Rahmen k÷nnen die hier beschriebenen Personen sich v÷llig unterschiedlich verhalten. Auch õu¯ere Bedingungen k÷nnen sich verõndern. In der einen Welt stellen sie ein belastendes Problem dar, in der anderen Welt verlõuft die Handlung darin hingegen reibungslos.
Der Leser kann nicht mehr unterscheiden, welche der beiden Welten der Phantasie entsprungen ist und welche eine wirkliche Realitõt darstellen k÷nnte.
Beide Schicksale sind m÷glich. "Es gibt keinen richtigen Weg, gegen den alle anderen Wege nichts taugen" (S. 424).
(verfasst am 15.02.2009)
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Daniel Silva: Das Moskau-Komplott

Genre: Politthriller · 480 S. · geb · Pendo · ISBN-13 9783866122482 · 19,95€
Big Brother ist ganz nah!
Kurz vor Silvester befindet sich der exclusive franz÷sische Skiort Courchevel vollstõndig in russischer Hand. Alles, was Geld hat, findet sich ein, die CrÞme de la crÞme Moskaus will sich zeigen und gesehen werden. Nur das vornehme Grandhotel weigert sich, Reservierungen dieser dekadenten neureichen Klientel anzunehmen. Aus Unkenntnis hat Nadine, die Neue an der Rezeption, eine Anfrage des unabhõngigen Journalisten Aleksandr Viktorowitsch Lubin angenommen. Nun wollen die Angestellten ihn aus dem Haus vergraulen und richten das Zimmer daher m÷glichst ungem³tlich ein. Die Koffer werden ihm nicht aufs Zimmer gebracht. Doch dann klopft es endlich, und Aleksandr ÷ffnet seinem M÷rder die T³r ...
In der Unterkirche des heiligen Franziskus zu Assisi beraten sich Uzi Navot und Gabriel Allon. Dieser soll in Rom den russischen Chefredakteur Boris Ostrowskij treffen. Er hat gerade in Courchevel seinen Reporter Lubin durch einen Profikiller verloren.
Nach sorgfõltiger Vorbereitung wird das Treffen im Petersdom in Rom arrangiert. Als Gabriel den toten Boris Ostrowskij vor der Skulptur Pius' XII kniend findet, wei¯ er sofort, dass der Russe vergiftet wurde.
Ein superspannender Politthriller, der uns Einblicke in einen _berwachungsstaat gibt. Wie nah sich der Thriller an der Realitõt befindet, beweist die Ermordung Alexander Litwinenkos oder Anna Politkowskajas.
Daniel Silvas Thriller ist top-aktuell. Im Fernsehen sehen wir tõglich, was im Nahen Osten, in Russland und anderen Staaten abgeht: Terror, Mafia, Spionage, kriegsõhnliche Zustõnde, alte Seilschaften, die sich befl³geln, um an die Macht zu kommen und dort zu bleiben.
Die Erwartungshaltung an Daniel Silvas neuen Thriller ist sehr hoch - ich bin mir sicher: Er wird uns nicht enttõuschen!
(verfasst am 12.01.2010 · 1.448 Zeichen)
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Richard Stark: Das Geld war schmutzig

Genre: Krimi · 256 S. · Taschenbuch · Zsolnay · ISBN-13 9783552054790 · 16,90€
Ohne Geld lõuft gar nichts!
Unter F³hrung des Protagonisten Parker ³berfõllt eine kleine Gruppe Gangster einen Geldtransport in Massachusetts. Da die Polizei schnell vor Ort ist, m³ssen sie den gr÷¯ten Teil ihrer Beute verstecken und fliehen. Presse und Fernsehen berichten ausf³hrlich von diesem Aufsehen erregenden Verbrechen.
Dann trennen sich die Wege der Mõnner - aber alle wollen sie nur m÷glichst rasch das Geld holen.
McWhitney arbeitet wieder in seiner Bar.
Nick Delesia wird von der Polizei verhaftet, als er mit einem "schmutzigen" Schein bezahlt (denn die Seriennummern aller Scheine waren registriert). Nachdem er einen Marshall erschie¯t, kann er aus dem Gefõngnis entfliehen.
Parker plant mit seiner Freundin Claire, getarnt als Ehepaar Willis, einen Kurzurlaub in der Nõhe des Tatortes. Hier m÷chte er die Situation auskundschaften.
Aber nicht nur die Gangster zieht es an den Tatort:
Die Polizei startet einen Gro¯einsatz und kontrolliert mit Stra¯ensperren die Bev÷lkerung.
Auch Sandra Lozcalzo, eine Kopfgeldjõgerin, ist zur Stelle. Sie gibt aber keineswegs der Polizei Hinweise, sondern verspricht sich gr÷¯eren Profit, wenn sie sich an Parker hõngt.
Zeitweise wird die urige Fr³hst³ckspension Bosky Rounds zum turbulenten Hauptschauplatz, denn bei der geschwõtzigen Mrs. Bartlett findet sich der harte Kern der Akteure ein. Hier laufen Polizisten, Sandra Lozcalzo, das Ehepaar Willis und andere einander ³ber den Weg, ohne sich zu begegnen - geschweige denn zu erkennen.
Dieser Krimi ist ein Lesegenuss. Er kommt ohne Blut und Folter aus. Das Plot-Konzept - _berfall auf einen Geldtransport - ist zwar nicht gerade neu, sondern schon oft literarisch und filmisch variiert worden. Aber Richard Stark gestaltet es auf originelle, den Leser fesselnde Weise. Im Vordergrund seines Erzõhlens stehen die Charaktere der Gangster: Keiner traut dem anderen, jeder m÷chte alleine "Kasse machen" - und dennoch kommen sie wieder zusammen. Dabei scharen sie immer mehr Personen um sich, die ihnen bei ihrem Coup helfen sollen. Sie schmieden Plõne - aber irgendwie kommt es immer anders als vorhergesehen. Und: Ohne Geld lõuft gar nichts ... Das ist alles sehr reizvoll zu lesen.
Bei manchen Textpassagen hat man den Eindruck, dem Autor (und dem _bersetzer) sitze der Schalk im Nacken. So wird Mrs. Bartlett von ihren Gõsten im Stillen liebevoll "Mrs. Apfelkuchen" und ihre Pension "Quartier f³r Hõnsel und Gretel" genannt. "Laubgucker" hei¯en die Touristen ... und es gibt noch viele weitere solch witzige Einfõlle zu beschmunzeln.
(verfasst am 22.07.2009 · 2.074 Zeichen)
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Julia Talbot: Dõmonenherz

Genre: Belletristik · 416 S. · geb · Marion von Schr÷der · ISBN-13 9783547711653 · 16,95€
Freundschaftsdienste
Anna Sternberg nimmt f³r ihre alte Klassenkameradin Sandrine Beaufort einen PR-Job an - eine Galerieer÷ffnung. Sie hat Sandrine nie gemocht: ein Mistst³ck, die alle um den Finger wickelt, um Profit daraus zu schlagen. So hat sie Karriere gemacht und ist Milliardõrin geworden. Aus Amerika kehrt sie nach Wiesbaden zur³ck. F³r ihren Job rechnet Anna mit einem guten Lohn. Aber wer redet von Geld, wenn es um eine Chance und zugleich einen Freundschaftsdienst geht?
Im CafÚ im Kurpark trifft Anna ihre Geschõftspartnerin Vicky. Sie bedauert ihre Verhandlungsschwõche.
Zeitgleich findet der Internationale Wirtschaftsgipfel statt. Carl Weller, einem der Teilnehmer, eilt der Ruf eines "bad boy" voraus: Er sei "das gr÷¯te Chamõleon der globalen Marktwirtschaft". Dieser Mann von Welt betritt das Cafe, in dem sich Anna und Vicky gerade unterhalten. Ein unverschõmter Fotograf betritt die B³hne, schie¯t Bilder von Weller, dieser entrei¯t ihm die Kamera, schleudert sie zu Boden. Anna taxiert Weller als "eiskalten, zynischen, v÷llig abgehobenen Vollidioten". Gleichzeitig aber ist er "der sinnlichste Mann, der ihr jemals begegnet ist". Ein Hauch von Ber³hrung wirkt auf sie wie ein Elektroschock: "Kaskaden von Gef³hlswallungen" durchstr÷men sie. Anna, voller Selbstbewusstsein, wirft sich ins Zeug, um f³r Waller die peinliche Situation mit dem Fotografen zu regeln.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie sich noch heute ... Halt ein Frauenroman, mit allen typischen Accessoires geschm³ckt - und nicht nach meinem Geschmack.
(verfasst am 13.01.2010 · 1.267 Zeichen)
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Michaela Vieser: Tee mit Buddha

Genre: Belletristik · 304 S. · geb · Pendo · ISBN-13 9783866122109 · 19,95€
"Dem Leben nõher kommen"
Michaela Vieser hat einen herzerfrischenden Roman ³ber ihren (sicherlich au¯ergew÷hnlichen) einjõhrigen Aufenthalt in einem japanischen Kloster geschrieben.
Sie hat den Roman aus ihrer Perspektive (Ich-Form) geschrieben, allerdings nicht in der zeitlichen Abfolge ihres Aufenthaltes, sondern nach den Erlebnissen, die wõhrend des ganzen Jahres zu ihrem Alltag geh÷rten.
Ihr Schreibstil ist fl³ssig, mit viel indirekter Rede und handlungsorientierten Beschreibungen. Diese sind klar und gut verstõndlich.
Ihre Darstellungen der f³r sie v÷llig unbekannten Menschen in ihrem Umfeld, das eigene Verhalten und Einleben in diesen Lebenskreis sind sehr feinf³hlig,oft sogar mit einem kleinen Augenzwinkern beschrieben. Das erheitert den Leser.
Gleichzeitig gewinnt er den Eindruck, dass Michaela selber mit dem ehrf³rchtigen, respektvollen Verhalten, das stets von ihr eingefordert wurde, entspannt umgeht. Sie selber ergreift oft die Initiative und m÷chte Lehren des Buddhismus kennenlernen und typische Rituale ein³ben. Dabei bringt sie sich selber auch ein, indem sie z. B. Englischunterricht f³r die japanischen Kinder des Klosters anbietet.
Gut vorbereitet durch Sprach- und Kulturstudium reist Michaela nach Japan. Doch sie stellt sehr schnell fest, dass es an sprachlichen Feinheiten fehlt. Das f³hrt zu Missverstõndnissen. So fragt sie z. B. nach der Toilette und wird zum Tempel geschickt.
Im Kloster selbst leben nur vier M÷nche (drei mit Familie), ansonsten Mõnner, Frauen und Kinder, die hier dem Glauben nõher sein m÷chten. Sie leben im Einklang mit Gebet und Arbeit innerhalb eines festen Tagesablaufs, der nat³rlich auch f³r Michaela gilt.
Ein Besuch im Klosterb³ro, in dem Wado, einer der M÷nche, seiner Arbeit nachgeht, r³ckt auch ihr Bild von R³ckstõndigkeit zurecht. Die M÷nche sind mit allen modernen Arbeitmaterialien ausger³stet. Wado stehen Computer, Internet, Fax etc. zur Verf³gung.
Kalligraphie, Schwertkampf, Teezeremonie, Ikebana u. a. sind Michaela v÷llig neu, und sie erarbeitet sich, mit Unterst³tzung der japanischen Meister, m³hselig ein kleines Wissen. Besonders reizvoll sind die Reisen, die ihr die M÷nche erm÷glichen. So besucht sie andere Kloster in Kyoto und Tokio.
Der H÷hepunkt ihres Aufenthaltes ist sicher die Begegnung mit dem Zen-Meister, der sie in die Meditation einf³hrt.
Die Erkenntnisse, Erfahrungen und eigenen Verhaltensõnderungen, die Michaela aus ihrem Japan-Jahr mit nach Hause nimmt, vermittelt sie dem Leser sehr gut: Alles dient dem Ziel, eine Gesellschaft auf der Basis von Demokratie, Gleichheit und Frieden zu schaffen.
-u¯ere Lebensziele sind unwichtig; dagegen sind Dankbarkeit, Harmonie, Respekt und Mitgef³hl von gro¯er Bedeutung. Diese Tugenden hõlt ja nicht nur der Buddhismus hoch, sondern sie geh÷ren auch zu den Grundwerten des Christentums.
Die Lekt³re dieses Buches halte ich f³r sehr lohnend, ÷ffnet sie uns doch auch die Augen angesichts des westlichen Werteverfalls.
(verfasst am 27.03.2009 · 2.419 Zeichen)
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Manfred Wieninger: Rostige Fl³gel

Genre: Krimi · 228 S. · geb · Haymon · ISBN-13 9783852185590 · 18,90€
Melange mit Esprit
Manfred Wieningers Roman "Rostige Fl³gel" ist ein weiterer Marek-Miert-Krimi. Er setzt sich bewusst von den aktuellen Krimis ab. Sein Inhalt ist nicht angef³llt mit "literarischer Blutsõuferei" (S. 47).
Die Handlung wird aus der Sicht des liebensw³rdigen, kauzigen Privatdetektivs Marek Miert erzõhlt. Er wohnt, wie gehabt, in einem abrissreifen Haus im Rotlicht- und Migrantenmilieu in der fiktionalen ÷sterreichischen Kleinstadt Harland. Der Autor charakterisiert Marek Miert (wie auch alle weiteren handlungsbezogenen Personen - alles Individuen, die nicht irgend welchen Trends folgen) detailliert, wenn nicht sogar pingelig, wobei er zunõchst die k÷rperliche Erscheinung und die Bekleidung betont. Privatdetektiv Miert kommt erst in die Gõnge, wenn er des Morgens seine Melange konsumiert hat; des Tages Arbeit beschlie¯t er mit einem Quantum Rotwein.
Weitere beispielhafte Attribute f³r den kultigen Marek Miert sind "Hõnde wie Klodeckel", "Anzuggr÷¯e Minivan", "italienische Importschuhe, handgefertigt aus Lederimitat und einem bisschen Spucke" usw.
Doch nicht nur hierbei kann der Leser sich an Wieningers Sprachverm÷gen erg÷tzen. Immer wieder spielt er mit einem anderen sprachlichen Stilmittel, nõmlich dem Paradoxon. Wer kennt nicht die absurde Ballade vom Auto, das, als es dunkel war, aber der Mond helle schien, blitzeschnelle langsam um die Ecke fuhr? Und diese Klaviatur beherrscht auch Manfred Wieninger perfekt und virtuos: "Stille, laut wie Weihnachten", "Meeresschildkr÷te ohne Flossen"; dazu witzige Wendungen wie "ein Ende mit Schnecken", "mit der Kirche ums Kreuz fahren".
Es ist Februar, der Monat der Depressionen und anderer Katastrophen, als Marek Miert, der eigentlich immer pleite ist, zwei Arbeitsauftrõge erhõlt.
Bei dem ersten verfolgt er Herrmann Frischauf, einen Buchhõndler. Er pirscht ihm in den Auen bei Harland nach, bis beide etwas ungeschickt und von Marek Miert unbeabsichtigt zusammensto¯en. Frischauf hõlt sich schon ³ber einen lõngeren Zeitraum in diesem Gebiet auf, wo er die _berreste eines Zwangsarbeiterlagers entdeckt hat.
Der zweite Fall verwickelt Marek Miert in eine Pr³gelei, die ihn auf direktem Wege in die Untersuchungshaft bringt. In seiner Zelle lernt er den Afghanen Dr. Achmed Adin kennen. Dies gibt dem Autor die Gelegenheit, ausgiebig zu politisieren und Ísterreichs Asylpolitik zu kritisieren. Ich pers÷nlich finde so einen Krimi keine passende Plattform daf³r - das vorherige Lachen bleibt mir im Halse stecken -, verstehe aber des Autors Anliegen.
Trotz dieses kleinem pers÷nlichen Missfallens m÷chte ich dieses Buch weiterempfehlen. Es wird allen Lesern, die Spa¯ an ironischen, alternativen, regional gefõrbten Krimis haben, gefallen.
(verfasst am 17.05.2009 · 2.097 Zeichen)
Vom selben Autor: Der Engel der letzten Stunde. Lesen Sie meine Rezension hier ...
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Manfred Wieninger: Der Engel der letzten Stunde

Genre: Krimi · 187 S. · geb · Haymon · ISBN-10 3852184894 · 17,90€
Melange mit Chilli
Der Kriminalroman von Manfred Wieninger beginnt irrwitzig, komisch, endet aber ernst mit einem Hoffnungsschimmer.
In Harland, einem kleinen ÷sterreichischen Kaff, wird Privatdetektiv Marek Miert in das barocke Jagdschloss des Kommerzialrats Schieder gebeten. Der todkranke 92-jõhrige Mann hat einen Auftrag f³r Miert. Er soll die verschwundene 11-jõhrige Helene Kafka finden. Welche Veranlassung der Kommerzialrat f³r diese Suche hat, bleibt bis kurz vor dem Buchende unklar.
Miert nimmt schnell Kontakt mit Helga Kafka, Helenes Mutter auf. Sie ist Alkoholikerin und lebt mit Freund Willi zusammen. Es drõngt sich der Verdacht auf, dass Helene durch die Mutter und ihren Lebenspartner zur Prostitution gezwungen wird.
Der Roman ist aus der Perspektive des Privatdetektivs Miert in der Ich-Form geschrieben.
Was den Roman so lesenwert macht, sind seine ungew÷hnlichen Beschreibungen. Viele Textpassagen, ergõnzt mit Ironie, lassen den Leser innerlich lachen. Vergleiche, wie z. B. "auf einem H³gel liegt die Villa, dieser Alptraum einer ganzen Architektengemeinschaft", verstõrken diese Intention.
Sehr skurril ist die ausf³hrliche Beschreibung des Krankenzimmers, in dem Kommerzialrat Schieder in seinem Bette liegt: Auf seiner "Matratzengruft" - das Wort hat Wieninger bei Heinrich Heine ausgeliehen - ist er mit Schlõuchen an alle zur Verf³gung stehenden medizinischen Hightech-Apparaturen angeschlossen.
Abgerundet wird der Lesegenu¯ durch nicht enden wollende Aufzõhlungen - z. B. sõmtlicher Arzneimittel, die Schieder einnehmen mu¯, von Nitroglycerin bis zu Verapamil. Wie mit einem Zoom holt der Autor die kleinsten Details heran, um sie dann pingeligst wiederzugeben.
Das gilt auch f³r den Protagonisten, Privatdetektiv ("Diskontdetektiv") Marek Miert, der Anzuggr÷¯e XXL ("Bagger") trõgt. Er lebt allein in einem abrissbedrohten Haus und fõhrt einen uralten Ford Granada. Niemals w³rde er in Urlaub fahren, weil er in keinem anderen Land Wasser aus der Leitung trinken w³rde ...
In der Mitte des Romans wird der Inhalt ernsthafter. Da geht es dann um Judenverfolgung und Auslõnderproblematik in Ísterreich.
Ein unterhaltsamer, absolut lesenswerter Kriminalroman!
(verfasst am 17.03.2009)
Vom selben Autor: Rostige Fl³gel. Lesen Sie meine Rezension hier ...
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Gabriele Wolff: Ein dunkles Gef³hl

Genre: Krimi · 250 S. · geb · Haymon · ISBN-10 3852184983 · 19,90€
Kein Krimi zum F³rchten
Der Krimi von G. Wolff ist ein ruhiger, leiser Roman.
Er erzeugt seine Spannung nicht durch eklige Beschreibungen blutr³nstigen Abschlachtens, grausamer Folterungen, widerlicher Vergewaltigungen der Akteure. Auch lebt er nicht in der z. Zt aktuellen Vampir- und Werwolfmanie.
Das hat mir sehr gut gefallen.
Der Sprachstil der Autorin ist gekennzeichnet durch sehr detaillierte, mit Adjektiven angereicherte Beschreibungen der handelnden Personen, der Tatorte, der Arbeitssplõtze - hier die Kommissariate - oder der Umgebung. Dieser Stil wird nie durchbrochen, selbst in den Beschreibungen der kriminellen Handlungen und der daraus resultierenden Konsequenzen.
Das Buch ist in tõgliche Zeitraster eingeteilt, d. h. es beginnt am "Sonntag, 1. Mai" und endet am "Freitag, 13. Mai". Dies ist eine sehr schnelle Sachbearbeitung. Aber f³r den Leser flie¯t die Zeit langsamer dahin.
Friederike Weber, Kriminaloberkommissarin, untersucht zunõchst die Ursachen, die zum Tod eines jungen Mannes, Markus Vierling, gef³hrt haben. Man findet ihn leblos in seinem Zummer. Er hatte zuletzt Kontakt mit Mira, die von ihm Nachhilfestunden erhielt. Seine letzte Begegnung soll er allerdings mit der geheimnisumwitterten und nicht auffindbaren Jessica gehabt haben ...
Friederike Weber wird aber dann von diesem Fall abgezogen und ins Kommissariat f³r Sexualdelikte versetzt.
Ihr neuer Fall: die dreizehnjõhrige Jenny, die ihren Stiefvater angezeigt hat. Er soll sie vergewaltigt haben ...
Diese beiden Handlungsstrõnge verlaufen zunõchst parallel, ber³hren sich dann aber wõhrend der Beerdigung des Markus Vierling. Auf dem Friedhof glaubt Friederike, Jessica gesehen zu haben ...
Der eigentliche Showdown, die Aufklõrung beider Fõlle, vollzieht sich auf den letzen ca. 30 Seiten. Beide Fõlle geh÷ren zwangslõufig zusammen. Die Aufl÷sung wirkt nicht schriftstellerisch konstruiert.
(verfasst am 10.03.2009)
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Rafael Yglesias: Gl³ckliche Ehe

Genre: Belletristik · 427 S. · geb · Klett-Cotta · ISBN-13 9783608937077 · 22,90€
Unheilbarer Krebs - welch ein Martyrium!
" Lieferservice" - Kapitel eins des Romans "Gl³ckliche Ehe"
Die Betitelung passt perfekt zum anschlie¯enden Inhalt. In flapsigem Schreibstil stellt uns der Autor Rafael Yglesias die beiden Freunde Bernhard Weinstein, 25 Jahre, und Enrique Sabas, 21 Jahre, vor. Sie sitzen zusammen in einer Kaffeebar. Bernhard schwõrmt von Margaret Cohen, einem h³bschen Mõdchen mit au¯ergew÷hnlichen Qualitõten. Enrique traut Bernhard nicht so recht; er hõlt die Existenz Margarets f³r Fiktion. Doch ein Treffen wird arrangiert: "auf seine Bestellung erscheint die Traumfrau, von der er gar nicht gewusst hatte, dass er von ihr trõumt". Locker-leicht liest sich der Text.
"Ahnung" ist - nach dem federleichten ersten Kapitel - ein d³steres und ernsthafteres. Margret und Enrique sind nun 27 Jahre gl³cklich verheiratet. Sie haben zwei Jungs, Gregory und Max (16 Jahre alt). Die Familie geh÷rt zur oberen Mittelklasse New Yorks und kann ihr Leben sorglos genie¯en.
Doch drei Jahre zuvor hat das Schicksal in aller Hõrte zugeschlagen: Bei Margaret wurde Blasenkrebs diagnostiziert. Seit einem halben Jahr kann sie keine Nahrung mehr aufnehmen. Alle medizinischen Ma¯nahmen und technischen M÷glichkeiten sind ersch÷pft. Nichts kann mehr helfen.
Rafael Yglesias beschreibt den Krankheitsverlauf in aller Hõrte und brutaler Offenheit. Wir sehen Margaret nackt und abgemagert vor uns; ihr K÷rper ist durchl÷chert von den Versorgungsschlõuchen. Wir lesen von den vielen Operationen, dem pers÷nlichen Einsatz Enriques, der nahezu rund um die Uhr bei seiner Frau ist. Er hat sie zeitweise gepflegt; nun kann er sie nur noch "in den Armen halten, ermutigen, tr÷sten, aufheitern und lieben". Dabei empfindet er Furcht wie noch nie zuvor.
Die zeitlebens aktive Margaret nimmt ihre Erkrankung anfangs an. Sie kõmpft mit all ihrer Kraft dagegen an. Als alles aussichtslos erscheint, fordert sie Operationen, die die -rzte kaum noch f³r sinnvoll erachten. Aber nun am Ende kann sie nicht mehr. Sie bittet ihren Mann: "Ich will sterben. Du musst mir dabei helfen."
In den "Erinnerungen" setzt sich inhaltlich das vorsichtige Kennenlernen der Beiden bis zur ersten Verabredung fort. So alternieren die weiteren Kapitel: Fokussierung auf den weiteren Leidensweg Margarets im Wechsel mit der weiteren Entwicklung der Beziehung. Diese thematischen Kapitel fand ich zwar teilweise langatmig, aber sie sind wohl als bewusst eingesetztes Stilmittel des Autors zu verstehen: Der Leser kann Luft holen, er kann das Gelesene verarbeiten, Kraft tanken und wieder zu Margaret zur³ckkehren.
Das Buch kann man nicht so leicht absch³tteln. Es fordert Aufmerksamkeit und Respekt. Da der Tod unausweichlich ist, wird das Lesen f³r manchen zu einer seelischen Belastungsprobe werden. Ein mutiges Buch.
(verfasst am 10.01.2010 · 2.268 Zeichen)
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William Paul Young: Die H³tte - ein Wochenende mit Gott

Genre: Religion · 304 S. · geb · Allegria · ISBN-13 9783793421665 · 16,90€
Eine Chance zum Glauben an Gott
Als ich das Buch "Die H³tte - ein Wochende mit Gott" in Hõnden hielt, hatte ich ein DÚja-Vu: Es klingelt an der T³r - ich ÷ffne - drau¯en stehen Zeugen Jehovas - ich h÷re ihnen freundlich zu, beende ihren Vortrag m÷glichst schnell - schlie¯e die T³r wieder.
Genauso f³hlte ich mich mit diesem Buch: ein bisschen lesen, aber mich nicht wirklich in meinem gewohnten Alltag ber³hren lassen. Aber dann hat mich ein Satz auf Seite 16 geraderzu herausgefordert, das Buch zu lesen: "Falls Sie auf diese Geschichte sto¯en und sie schrecklich finden, soll ich Ihnen von Mack ausrichten ... 'Tut mir leid ... aber sie wurde nicht in erster Linie f³r Sie aufgeschrieben'."
Mack lebt mit seiner tiefglõubigen Frau Nan und seinen Kindern in Oregon. Am Labor Day-Wochenende geht er mit seinen drei j³ngsten Kindern campen. Am Tag der Heimfahrt geschehen zwei entsetzliche Unfõlle: Sein Sohn Josh kentert mit dem Kanu und ertrinkt fast, und seine Tochter Missy wird wõhrend seiner Abwesenheit von einem Serienkiller entf³hrt. In einer H³tte findet das FBI klare Beweise f³r ihre Ermordung.
Mack kann mit der Frage, welche Schuld er trage, warum er nicht besser auf Missy aufgepasst habe, nicht umgehen und fõllt in tiefste Depressionen. Die Frage "Wie konnte Gott das zulassen?" verstõrkt seine Hassliebe zu Gott.
Im tiefsten Winter erhõlt Mack einen unfrankierten Brief mit der Einladung, zu einem Treffen zu kommen - ausgerechnet in die H³tte, in der Missy starb. Der Absender lautet "Papa", und dabei denkt Mack zunõchst an einen makabren Scherz, dann aber, dass es ein Brief von Gott sein k÷nnte (Auf diese Idee wõre ich in meinem ganzen Leben nicht gekommen ...). So macht er sich auf den Weg.
Als er sich der H³tte nõhert, geschieht ein Wunder: Der Schnee schmilzt, die H³tte verwandelt sich zu einem gepflegten Blockhaus, die Umgebung wird schlagartig zum Paradies. (Hier strõuben sich meine Nackenhaare.)
Die T³r wird aufgerissen, eine dicke Frau "schloss ihn in die Arme. Sie hob ihn in die H÷he und wirbelte ihn herum wie ein kleines Kind." Nun lernt Mack drei Personen kennen, die mal als Mensch, mal als Gott auftreten. Elouisa ist zugleich Frau, Papa und der wirkliche und wahrhaftige Sch÷pfergott. Sarayu ist eine kleine asiatische Frau, die Trõnen sammelt (!), aber gleichzeitig auch der Heilige Geist. Die dritte Person ist ein Handwerker - und manchmal Jesus. Alle zusammen verk÷rpern sie Gottes Dreifaltigkeit. Wõhrend Mack sich mit ihnen unterhõlt, wechselt ihr Geschlecht bisweilen innerhalb eines Satzes ("er" ... "sie").
Da sie allwissend sind, kennen sie auch Macks Lebensgeschichte. Jedoch wollen sie nicht zeigen, dass sie damit den Menschen ³berlegen sind.
Es bereitet ihnen gro¯e Freude, Macks Darstellungen zuzuh÷ren. Die Diskurse drehen sich um Theologie, Mythologie, Zusammenhõnge zwischen Liebe und Vertrauen, Gut und B÷se, Wahrheit und Freiheit. Ich finde den Text dadurch thematisch stark ³berfrachtet: "Mack hatte gro¯e M³he, das zu begreifen, was er da h÷rte" (S. 116) - so erging es mir auch. Alles drehte sich in meinem Kopf, ich f³hlte mich dizzy.
Ich habe dieses Buch mit gro¯em Respekt vor dem Autor William Paul Young gelesen. Im letzten Kapitel "Die Geschichte hinter DIE H_TTE" erfahren wir von seiner grausamen Kindheit und Jugendzeit. Er hatte keine guten Voraussetzungen f³r sein Leben. Und so stand er dem letzten aller Abgr³nde sehr nahe: dem Selbstmord. Mit der Idee, ein Buch f³r seine Kinder zu schreiben, hat er den Weg zum Leben wiedergefunden.
Das Buch findet bei den Amerikanern riesengro¯es Interesse. Viele von ihnen, v. a. im ber³hmten "Bible Belt", leben ihre Religion aktiv. In Deutschland dagegen steigt die Zahl der Kirchenaustritte.
Ich bin ein zu rationaler Mensch, um an Phõnomene zu glauben, die man weder sehen noch wissenschaftlich beweisen kann. Wer will, mag das f³r ein oberflõchlich-vordergr³ndiges Weltbild halten, aber eben in dieser Sichtweise unterscheiden sich Glõubige von Unglõubigen. F³r alle die Menschen, die in Gott ihren Ansprechpartner haben, der ihnen Trost und Halt geben kann, freue ich mich.
Dies Buch wurde vielleicht auch als Ansporn ver÷ffentlicht, beim Leser Glauben anzusto¯en, aber ich hatte kein Erweckungserlebnis ...
(verfasst am 19.05.2009 · 3.462 Zeichen)
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Leseeindr³cke
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Jussi Adler-Olsen: Erbarmen

Genre: Thriller · 420 S. · geb · dtv · ISBN-13 3423247511 · 14,90€
Folterqualen ohne Erbarmen!
Der Leser wird mit den ersten Sõtzen schonungslos an den grausamen Ort und die Behandlung der leidenden Merete Lyngaard versetzt. Sie wird in einem dunklen Verlies unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten. Auf eiskaltem Betonboden harrt sie seit 126 Tagen aus und wei¯ nicht, warum man sie gekidnappt hat. Der Autor zieht uns zu ihr hinab, und wir teilen ihre Klaustrophobie.
Nun kommt der 6. Juli: Merete hat Geburtstag. Ihre sadistischen Aufpasser schenken ihr Licht, ein Jahr lang ununterbrochen eingeschaltet - eine Folter, die ein Mensch kaum aushalten kann, ohne verr³ckt zu werden. Merete soll auf die Frage "Warum haben wir dich in diesesVerlies gesperrt?" eine Antwort geben. Da sie absolut nichts dazu zu sagen wei¯, drohen ihr noch schlimmere Sanktionen ...
In einem zweiten Handlungsfaden wird die Arbeit des Kommissariats um Carl Mork und sein Team beschrieben. Die Akte ³ber das Verschwinden von Merete Lyngaard, der designierten Parteivorsitzenden der Demokraten, haben sie lõngst geschlossen. "Selbstmord" lautete das abschlie¯ende Untersuchungsergebnis - obwohl man die Leiche nie gefunden hatte.
Doch nach f³nf Jahren erinnern sich zwei Polizisten an diesen kriminalistisch unaufgeklõrten Unfalltod, und der Fall wird wieder aufgerollt. Der Leser erfõhrt nun vieles aus Meretes Privatleben. Wer und was k÷nnte einen Bezug zum Verbrechen haben, und welchen?
Spannung pur gemischt mit viel Psycho - eine optimale Voraussetzung f³r einen Thriller, den wir Leser sicher ganz vorne bei den Bestsellern finden werden.
(verfasst am 14.09.2009 · 1.270 Zeichen)
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Linwood Barclay: In Todesangst

Genre: Krimi · 448 S. · Taschenbuch · List · ISBN-13 9783471350171 · 16,90€
"Syd, Syd - bitte melde Dich!!"
Tim Blake, ein Loser, der sein Erbe in den Sand gesetzt hat, ist von seiner Frau Susanna geschieden. In diesem Sommer ist seine 17-jõhrige Tochter Sydney, genannt Syd, bei ihm zu Besuch.
Er verw÷hnt sie und versorgt sie rundum. Ihre Freizeit und den Umgang mit Freunden und Freundinnen will er weitestgehend kontrollieren. Schlafen kann er erst, wenn er Syd am Abend sicher zu Hause wei¯.
Sydney arbeitet in diesem Sommer in einem Hotel namens "Just Inn Time".
Eines Abends kommt Sydney nicht nach Hause. Tim ist in gr÷¯ter Sorge und Unruhe. Als erstes erkundigt er sich an ihrem Arbeitsplatz. Doch dort kennt niemand seine Tochter! Was hat sie in den zwei Wochen gemacht, in denen sie angeblich im "Just Inn Time" gejobbt hat?
Er bittet die Polizei um Mithilfe. Jeff, ein guter Freund Tims, richtet eine Website mit Sydneys pers÷nlichen Daten ein, welche er mit Seiten ³ber Ausrei¯er und verschwundene Jugendliche verlinkt.
Das Handlungsgeschen in dieser Leseprobe erschlie¯t sich zum gr÷ten Teil aus Dialogen der handelnden Personen. Dadurch liest sich der Text leicht und schnell.
Wie die Handlung im Buch im weiteren verlaufen wird, kann man kaum aus dieser Leseprobe erschlie¯en.
Ein winziges Detail, ein kleines Mosaiksteinchen, das spõter wichtig sein k÷nnte, ist eine Email, die Tim erhõlt. Er klickt sie an und erfõhrt, dass sein Citibank-Konto gesperrt ist. Aber er hatte gar kein Konto bei der CitiBank ... Geht es hier zum Krimi?
(verfasst am 27.08.2009 · 1.191 Zeichen)
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Thomas Baumann: Daheimbleiben kann jeder

Genre: Belletristik · 224 S. · Taschenbuch · Piper · ISBN-13 9783492253390 · 8,00€
Reisen bildet
Die Leseprobe beginnt mit 283 Kapitel³berschriften. Sie sind am³sant und lustig. Aber nach der Hõlfte habe ich nicht mehr weitergelesen. Es ist zu viel des Guten. Weniger ist manchmal mehr.
"Blind Booking": Einen _berraschungsflug zum Festpreis wõhlt der Ich-Erzõhler als Urlaubsm÷glichkeit. Er macht einen Drei-Tage-Trip nach Osteuropa.
Im nõchsten Kapitel reisen Tiere - im Luftraum, ³ber Land oder im Wasser. Hier hat mir besonders gut gefallen, dass der Autor die abstruse Idee hat, Reiseveranstalter k÷nnten hier eine neue, noch nicht erfasste Urlaubsgruppe f³r sich gewinnen: TUI - "Tiere Unterwegs International" oder NUR - "Nager Und Rattenartige".
Nachdem ich mich an den Schreibstil gew÷hnt hatte, manche Textpassagen zweimal gelesen hatte, fand ich die Leseprobe sehr gut. Viele Kleinigkeiten, Beschreibungen, Vergleiche, zwischenmenschliche Begebenheiten sind voller Witz, Ironie und Unerwartetem. Ich glaube, dass das gesamte Buch gut sein wird. Eine kleine Skepsis habe ich mit der schon eingangs dargestellten _berfrachtung des Buches ...
(verfasst am 04.05.2009 · 870 Zeichen)
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Florian Beckerhoff: Frau Ella

Genre: Belletristik · 320 S. · Taschenbuch · List · ISBN-13 9783471350232 · 14,90€
Generationenkonflikt mit Chance zur Besserung
Der Handlungsort ist eine Augenklinik. Dort soll die 90-jõhrige schwerh÷rige Ella Freitag an einem Auge operiert werden. F³r sich selbst sieht sie keine Notwendigkeit. Sie strõubt sich, die Einwilligung - den "Todesbrief" - zu unterschreiben. Nach einem Wasserschaden wird sie in ein anderes Zimmer verlegt.
Hier ist der junge Mann Sascha, der sein Auge bei einem Fahrradunfall verletzt hat, ihr noch unbekannter Zimmergenosse. Sascha selbst ist kurz zur Cafeteria gegangen und wei¯ daher noch nichts ³ber die neue Belegung seines Zimmers.
Als er zur³ckkommt, trifft ihn der Hammer: Eine uralte Frau schlõft seelenruhig im Nachbarbett. Sascha sieht nur ihren Kopf und betrachtet aufdringlich jedes kleinste Detail ihres Gesichtes und ihrer Haare, wõhrend sie ruhig auf dem R³cken liegt. Der Leser kann sich die "schnarchende alte Schachtel" sehr gut vorstellen. Dass ihr wõhrend des Schlafes ein kleiner Pups entfleucht, macht die Situation nicht besser. (Freilich w³rde man in einem realen Krankenhaus nie eine Frau und einen Mann zusammen auf ein Zimmer legen - diese literarische Freiheit nimmt sich der Autor.)
Sascha ist absolut nicht einverstanden, dass ihm so eine Bettnachbarin zugemutet wird. Er lõsst seiner Wut freien Lauf. Zunõchst st÷¯t er in Gedanken wilde Fl³che aus, schon als er der Alten zum ersten Mal gewahr wird. Doch als Ella dann das Krankenzimmer zu einer Voruntersuchung verlõsst, wird er auch tõtlich: Er zerw³hlt er ihr Bett und ihre Garderobe. Diese Aggression geht weit ³ber das Ertrõgliche hinaus, und witzig finde ich es auch nicht.
Dennoch nõhern sich die beiden in ihren Gesprõchen langsam an, wobei Ella ohnehin keine Kontaktprobleme hat. Als es dann so langsam Schlafenszeit wird, packt Ella ihre Flasche Klosterfrau Melissengeist aus. Sie bietet Sascha ein Glõschen an, beide nehmen einen Schluck aus ihren Zahnputzbechern und verbr³dern sich.
Die Leseprobe endet hier. Der Leser kann sicher auf eine weitere feucht-fr÷hliche Fortsetzung hoffen.
(verfasst am 09.06.2009 · 1.634 Zeichen)
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Jonas T. Bengtsson: Submarino

Genre: Krimi · 380 S. · geb · Tropen (Klett-Cotta) · ISBN-13 9783608501056 · 19,90€
Underdog - ein aussichtsloses Leben
" Submarino" ist nicht etwa die Bezeichnung f³r ein U-Boot, sondern eine ³bliche Foltermethode. Der Kopf eines Opfers wird dabei bis kurz vor dem Erstickungstod unter Wasser gedr³ckt. Der Gedanke an Guantanamo war mir sofort ebenso prõsent wie die Bef³rchtung, dass die Lekt³re wom÷glich meine Schmerzgrenze ³berschreiten k÷nnte.
Die Leseprobe enthõlt viele unzusammenhõngende Textsequenzen. So nach und nach kann man sich die Handlung zusammen puzzlen, aber vieles bleibt weiterhin unklar.
Schon die erste Textsequenz ist sprachlich ungew÷hnlich: "Als wir heute aufwachten ..." So beginnt und endet der knappe Text. Sõtze werden wiederholt, andere bestehen nur aus zwei oder drei W÷rtern. Der Leser erfõhrt nicht, wer "wir" ist. Er kann nur mutma¯en, dass es zwei Geschwister sind, die ihr totes Geschwisterkind im Kinderwagen vorfinden. Die Mutter erleidet einen Schock. Wo ist ein Vater?
Der Protagonist, der wegen der Ich-Erzõhlhaltung lange namenlos bleibt, hei¯t Nick und hat eine kriminelle Laufbahn hinter sich. Nach zwei Gefõngnisstrafen lebt er in einem auf das Notwendigste reduzierten, winzigen Zimmer in einem Asyl und entsprechender Umgebung.
In der nõchsten Sequenz folgen wir Nick beim Freigang mit seinem Gefõngnisaufseher, als sie auf dem Friedhof ein Grab aufsuchen - m÷glicherweise das des verstorbenen Geschwisterkindes.
Spõter will Nick Drogen von einem Dealer kaufen, aber die Aktion wird vereitelt. Die Beschreibung eines Obdachlosen, der mit seinem Kinderwagen M³ll einsammelt und ab und zu auch mal ein Kind missbraucht, hinterlõsst nur Grauen.
Dies ist eine finstere Leseprobe. Dem Autor gelingt es, den Leser mit Hilfe seiner literarischen Werkzeuge in dunkelste Millieus hinabzuziehen. Ob dieses Buch jedem gefõllt, wage ich zu bezweifeln.
(verfasst am 30.06.2009 · 1.461 Zeichen)
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- Massimo Carlotto und Marco Videtta: Wo die Zitronen bl³hen

Genre: Krimi · 240 S. · geb · Tropen (Klett-Cotta) · ISBN-13 9783608502039 · 18,90€
La vera Italia
Die Leseprobe beginnt mitten in einem Satz und mitten in einer Situation, was gleich viele Fragen aufwirft. Warum versteckt dich dieser Mann mit seiner Tasche hinter den Arkaden auf der Dorf-Piazza, als das Auto anrollt?
Dann gerõt der Leser mitten in eine Situation all'italiana: Neun Tage, ehe Francesco und Giovanna heiraten, soll ein Junggesellenenabend und eine _berraschungsparty stattfinden. Francesco ist der Sohn des angesehenen Avvocato Antonio Visentin und geh÷rt zur priviligierten Schicht der Dorfgesellschaft. Giovanna entstammt einfacheren Verhõltnissen.
Der Jungesellenabend findet im einzigen Nachtclub des Dorfes statt. Es geht reichlich vulgõr zu. Die f³r Francesco ausgewõhlte Alicia st÷¯t ihn ab. Als er nach Mitternacht den Club verlassen will, begegnet ihm Filippo, Sohn des Conte Calchi Renier. Diese Familie entstammt einem Adelsgeschlecht und hat das gr÷¯te Ansehen im Dorf. Filippo fordert Francesco zu einem Streitgesprõch in seinem Auto auf. Es geht um Giovanna, die zunõchst Filippos Freundin war. Er behauptet, dass diese ihn noch immer liebe. Bei einer wahnsinnigen unkontrollierten Autofahrt kommt es fast zu einem Unfall ...
F³r Giovanna hat ihre beste Freundin, Carla, eine _berraschungsparty vorbereitet. Doch wo mag Giovanna stecken? Keiner wei¯ es.
Am nõchsten Tag fõhrt Francesco zu Giovannas Wohnung - und findet sie tot auf. Wurde sie ermordet?
Schon er÷ffnen sich allerlei m÷gliche Handlungsstrõnge und Verkn³pfungen mit anderen Verbrechen. Das Autorenteam kann der Fantasie freien Lauf geben.
Da wir unseren Urlaub regelmõ¯ig in Italien verbringen, habe ich mich in dieser Leseprobe sofort heimisch gef³hlt. Ja, die Kriminalitõt ist in Italien hoch, die Clans haben viel Einfluss in ihren Orten. Võter und M³tter wollen bei der Wahl der zuk³nftigen Schwiegert÷chter und -s÷hne mitreden. All das f³hrt zwangslõufig zu Streit, der lautstark ausgetragen wird und noch heute manchmal blutig endet.
Die Autoren Carlotto und Videtta sind Vollblutitaliener. Carlotto hat sogar eine Zeit lang unschuldig im Gefõngnis gesessen. Beide bringen alle Voraussetzungen mit, ihr Insiderwissen in ihren Roman einzubringen. Das Resultat wird sicher h÷chst spannend sein. Wenn man beim Lesen ein paar frische Tomaten, abgeschmeckt mit Oliven÷l und Aceto Balsamico, dazu ein Glas Rotwein genie¯en kann, dann sind alle Sinne stimuliert, und das Buch wird einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
(verfasst am 29.06.2009 · 2.054 Zeichen)
Zu diesem Titel habe ich auch eine Rezension verfasst. Lesen Sie sie hier ...
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Donato Carrisi: Der Todesfl³sterer

Genre: Psychothriller · 528 S. · Taschenbuch · Piper · ISBN-13 9783492257701 · 9,95€
Entsetzliches Gemetzel eines Psychopathen
In einer Berggegend gehen zwei Jungen mit ihrem Hund spazieren. Als der Hund ein Loch buddelt, finden sie voller Entsetzen die Reste einer Leiche: einen Arm. Als die Polizei eintrifft und ihre Arbeit aufnimmt, graben sie nach und nach ein kreisf÷rmiges Grõberfeld aus: Leichenteile von sechs Mõdchen im Alter von neun bis dreizehn Jahren. Ihre Leiber und K÷pfe fehlen. Welch grauenhafter Anblick! F³nf der Mõdchen sind den Kommissaren bekannt, denn sie sind seit f³nfundzwanzig Tagen als vermisst gemeldet. Nur der sechste Fund ist ein Rõtsel.
Die Beamtin Mila Vasquez observiert schon seit Jahren ein Haus mit Garten, in dem ein sch³chterner alleinstehender Musiklehrer wohnt. Eines Tages vermag sie von dessen Lippen den Namen Pablo abzulesen. Ihr ist sofort klar: Der Musiklehrer hõlt den achtjõhrigen Junge, der vor zehn Tagen verschwand, gefangen.
Jetzt muss sie sofort handeln und geht allein ins Haus. Der Musiklehrer hat sie aber genau geh÷rt: "das kreischende Gartentor, die quietschenden Gummistiefel". Er ³berwõltigt sie, gibt dann auf, setzt sich ans Klavier - und spõter h÷rt man einen Schuss. So kann Mila Pablo in Sicherheit bringen. Im Obergeschoss steht inzwischen die junge Elisa Gomes mit einem Strick in der Hand auf einem Stuhl. Sie soll den Befehl ihres Peinigers befolgen: "Wenn sie kommen, musst du dich umbringen!" Welch ein Trauma!
Die Figur der Polizistin Mila Vasquez finde ich reizvoll. Sie hat etwas Ungew÷hnliches an sich. Es wird eine Wunde erwõhnt, die "sie mit zwei Stichen selbst genõht hatte". Dass sie ihren Zugriff ohne Z÷gern allein durchzieht, ist zwar mutig, aber zugleich verantwortungslos. Sie bringt ihr Leben und das der Geiseln in Gefahr.
Eine weitere interessante Pers÷nlichkeit ist Goran Gavila, ein Profiler, der mit einem Hubschrauber zum Tatort in den Bergen eingeflogen wird. Solche "Typen" sind das i-T³pfelchen, die besondere, charakteristische Note eines Romans.
Der Text ist enorm spannend, temporeich und zugleich beõngstigend geschrieben. Was die Psychopathen zu solchen Taten antreibt, lõsst das Blut gefrieren. Zur Klõrung dieser Verbrechen haben die Kommissare viel Arbeit vor sich. Und wir Leser sind immer nah dabei: ein Psycho-Thriller der ersten Liga.
(verfasst am 11.01.2010 · 1.828 Zeichen)
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Chris Carter: Der Kruzifix-Killer

Genre: Krimi · 4,80 S. · Taschenbuch · Ullstein · ISBN-13 9783548281094 · 9,95€
Ein grausames Spiel mit Todesfolge
Die Leseprobe beginnt wie ein Bombeneinschlag. Detective Robert Hunter erhõlt im Gro¯raumb³ro einen anonymen Anruf mit dem Hinweis auf den Ort eines Verbrechens.
Was der Autor nun beschreibt, ist an Brutalitõt kaum zu ³bertreffen! In einem v÷llig versifften Wõscheraum befindet sich ein kugelsicherer Glaskõfig, in dem sein Arbeitskollege Garcia liegt. Er ist noch nicht tot, aber was der Tõter ihm an Grausamkeiten zugef³gt hat, gibt ihm nicht mehr viel Lebenszeit.
Das Perfide an dieser Todessituation ist ein Spiel, das der Verbrecher mit Hunter treiben will. Er kann seinen Kollegen noch retten. Er hat die Auswahl einen von vier Kn÷pfen zu dr³cken.
Dann f³hrt uns der Autor an einen anderen Handlungsort und in ein Handlungsgeschehen, das f³nf Wochen vorher stattfindet.
Jenny stammt aus einer zerr³tteten Familie. Sie verlõsst diese mit nur einem Ziel vor Augen: Schauspielerin in Hollywood zu werden.
Wie zu erwarten ist, platzt der Traum, und sie verdient ihr Geld als Edelnutte. An jenem beschriebenen Abend genie¯t sie den Champagner in luxuri÷sem Clubambiente. Sie merkt nicht, dass sie beobachtet und verfolgt wird. Jemand gie¯t eine farblose Fl³ssigkeit in ihr Glas. Unbemerkt wird sie von einem Fremden entf³hrt.
Das f³nfte Kapitel hat mich nicht begeistert. Das desolate Leben Robert Hunters ist Hauptthema. Er ist ein Protagonist nicht anders als in vielen Krimis. Alkoholexzesse, Kontakte mit Prostituierten bestimmen neben seinem Beruf den Alltag.
Die Leseprobe endet mit der Beschreibung eines grausamen Mordes an einer Frau an einem abgelegenen Ort. Vielleicht handelt es sich hier um Jenny, die Edelprostituierte.
Der Krimi hat au¯ergew÷hnlich begonnen: Den Tatort im Wõschekeller, den Aufbau des Glaskastens, in dem sich Kollege Garcia befindet, beschreibt der Autor prõzise wie ein B³hnenbild. Die elektrische Verdrahtung des Opfers, die Beschreibung der Auswirkung eines Stromschlags auf den Menschen - õhnlich der T÷tung auf dem elektrischen Stuhl - lassen den Leser eine Gõnsehaut kriegen.
Alle drei Handlungsstrõnge dieser Leseprobe versprechen weiterhin H÷chstspannung.
Wenn das Buch insgesamt dieses Niveau hõlt, dann wird das Buch sicher zu einem erstklassigen Thriller.
(verfasst am 11.05.2009 · 1.815 Zeichen)
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Angelo Colagrossi: Herr Blunagalli hat kein Humor

Genre: Belletristik · 192 S. · Taschenbuch · rororo · ISBN-13 9783499625916 · 10,00€
Colagrossi ist gleich Blunagalli - braune Brause und gro¯e H³hner
Angelo Colagrossi, genannt Blunagalli, lebt in D³sseldorf. Er ist in Rom geboren und hat in Bologna studiert, bevor er nach Deutschland kam. Als Autor schreibt er Manuskripte und fertige Drehb³cher f³r Film und Fernsehen. Wõhrend einer Zugfahrt von D³sseldorf nach Hamburg, wo er von einem Produzenten erwartet wird, erzõhlt er Teile aus seinem Leben. Gerne erwõhnt er die Schauspieler, mit denen er an unterschiedlichen Drehorten - Kalifornien ist auch dabei - gearbeitet hat. Auf seine Unterhaltungsshows wie z. B. "Total normal" ist er stolz. So wie diese Sendungen nett und ein wenig komisch sind, so beschreibt er auch seine Erlebnisse mit den Deutschen, ihrer Mentalitõt und Seele, ihrer Sprache, ihrem Essen ( "Jetzt ein sch÷nes Schnittchen mit Leberwurst und dazu ein paar saure G³rkchen").
Die Leseprobe stellt u. a. seine Erfahrung mit dem allseits bekannten Problem dar, wie man einen Zug besteigen und das notwendige Ticket kõuflich erwerben kann. Das "kundenfreundliche" Personal der deutschen Bundesbahn ist sehr behilflich - und verweist auf die Automaten, die "leicht verstõndlich" sind, an denen aber doch nahezu jeder scheitert ...
Mich hat die Leseprobe nicht umgehauen. Aber wer sich mit harmloser Lekt³re unterhalten lassen m÷chte, ist bei diesem Buch sicher gut aufgehoben.
(verfasst am 09.11.2009 · 1.067 Zeichen)
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Arne Dahl: Totenmesse

Genre: Krimi · 416 S. · geb · Piper Verlag · ISBN-13 978-3-492-05018-0 · 19,95€
Bank³berfall mit Geiselnahme - Beginn des Irakkrieges
Der Leseeindruck beginnt uns Cilla Hjelm vorzustellen, die sich von ihrem Mann getrennt hat. Sie hat einen neuen Arbeitsplatz im Krankenhaus angenommen.
Auf dem Weg zur Bank gerõt sie um 10:40 in einen Bank³berfall durch zwei maskierte Mõnner. Sie drohen die Bank in die Luft zu sprengen.
Gleichzeitig werden uns viele Personen vorgestellt, die zum Sondereinsatzkommando A geh÷ren. Diesen Teil finde ich etwas ³berladen. Um die Rolle und Stellung jeder einzelnen Person im Team nachvollziehen zu k÷nnen, mu¯ man m÷glicherweise auf manche Textstelle zur³ckgreifen ...
Wõhrend das Team im B³ro beisammensitzt, lõuft der Fernseher: Prõsident Bush verk³ndet die Operation Freedom for Iraq.
Der Irakkrieg beginnt minuti÷s gleichzeitig mit dem Bank³berfall. Wahrscheinlich werden diese beiden Ereignisse zum spannenden Thema im Buch fortgesetzt.
Cilla Hjelm, die zu den neun Geiseln geh÷rt, gelingt es, ihrem Ex eine SMS zu schicken: Hilfe Geisel Cilla. Paul Hjelm geh÷rt der Stockholm Sektion - der ortsansõssigen Polizei - an. Er wird sicher mit dem Sondereinsatzkommando A zusammenarbeiten, um die militante Geiselnahme zu beenden.
Res³mee: Nach anfõnglichem Personenchaos folgt eine spannende Beschreibung des Bank³berfalls mit Andeutungen: folgt ein globaler Einsatz? Welche Verbindung besteht zum Irakkrieg? Was f³r eine Bedeutung hat die Totenmesse (aus dem Titel des Buches), die Paul Hjelm sich in seinem B³ro anh÷rt?
(verfasst am 16.2.09)
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Vincent Delecroix: Schuh auf dem Dach

Genre: Belletristik · 220 S. · Ullstein Verlag · ISBN-13 978-3-550-08771-4 · 16,90€
Olle Latschen f³r Jedermann
Der Textauszug, den ich las, beinhaltet 2 Geschichten. Beide Situationen finden in der Nacht statt.
In der ersten Geschichte steht ein kleines Mõdchen am Fenster und beobachtet das Dach auf der gegen³berliegenden Seite. Dort steht ein armer Engel, bekleidet mit Hemd, Hose, uralten Schuhen, aber ohne Fl³gel. Als der Engel wegfliegt, bleibt ein Schuh zur³ck.
Das Gesprõch, das sie dann mit ihrem erwachten Vater f³hrt, hat soviel Witz, Phantasie, Freude am Detail. Man genie¯t diese Gesprõchsrunde und erinnert sich, dass viele Kinder - auch die eigenen - solche Erlebnisse hatten.
Die zweite Geschichte ist ebenso leicht und phantasievoll geschrieben. Ein Einbrecher, m÷glicherweise der verlassene Ehemann der Bewohnerin, begegnet vor seinem Einbruch einem Einbeinigen. Er erkennt, dass es ihm im Vergleich zu dem Behinderten doch sehr gut geht.
Delecroix beschreibt die Situation so: "Dings", so wird der vorerst (?) namenlose Einbrecher genannt, findet in der Wohnung zwei schlafende Menschen im Bett, dazu eine Katze und viel ungewaschenes Porzellan. Mit viel Esprit, Situationskomik, Verkn³pfungen der beschriebenen Personen und Gegenstõnde erliest man Unerwartetes.
Die Bedeutung des Schuhs - denn auch in dieser Geschichte bleibt wieder einer auf dem Dach zur³ck -, ist witzig inszeniert. Der Einbrecher sieht den Mann im Bett neben seiner Verflossenen, und die Begegnung mit dem Einbeinigen verf³hrt ihn zu einer grotesken Handlung ...
(verfasst am 09.03.2009)
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Zoran Drvenkar: Sorry

Ein ungew÷hnlicher Krimi
Ich habe mit der Leseprobe gleichzeitig die H÷rprobe verfolgt. Die H÷rprobe endet auf der Seite 13, 2. Abschnitt von oben: der spõtere M÷rder trõgt die Frau im M³llsack die Treppe herunter ... Es ist ein intensives H÷r- und Lesegef³hl. Echt stark!!!
Dann habe ich mich auf die Leseprobe konzentriert, die sehr viel verspricht. Die Frau im M³llsack wird auf grausame Weise ermordet - mit Nõgeln ...
Dann beginnt ein neues Kapitel. Wir sto¯en auf Kris, der auf einer Parkbank sitzt. Er ist ein entlassenerJounalist. Die Leseprobe endet mit dem Kapitel Tamara, eine ungepflegte Erscheinung.
Gerade durch die Einteilung des Buches: DU dazwischen - Teil I - danach - Kris davor - Tamara - bin ich total gespannt, ob der Autor so fortfõhrt und ob es ihm gelingt, einen spannenden, in sich geschlossenen Roman zu Ende zu bringen.
Ich bin sehr interessiert an diesem Buch.

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Petra Durst-Benning: Die Zarentochter

Genre: Historienroman · 432 S. · geb · List · ISBN-13 9783471350270 · 19,90€
Morgendõmmerung der russischen Revolution - die Zarenfamilie lebt sorglos und mit Gottvertrauen
Aus der Sicht der etwa f³nfjõhrigen Gro¯f³rstin Olga erfõhrt der Leser etwas ³ber die Kindheit dieser Zarentochter, die Geschicke der Romanows und die Vorgeschichte der russischen Revolution im Verlauf des 19. Jahrhunderts.
Der Prolog trõgt sich im Dezember 1825 zu. Soldaten dringen in den Winterpalast, um Freiheit und demokratische Rechte zu fordern. Noch scheitern sie, und der Zar nimmt sie und die heraufdõmmernden Gefahren nicht ernst.
In der Sommerresidenz erleben wir eine ungetr³bte Kindheit: Olga im Spiel mit ihren Geschwistern. Besonders nett wird beschrieben, wie Olga Freundschaft mit dem Bootsjungen Mischa schlie¯t. Das Leben seiner einfachen Familie wirkt auf sie teils erschreckend, teils faszinierend. Dass ihre Mutter diesen Kontakt nicht guthei¯t, versteht sich von selbst. Die Erziehung ihrer Tochter, einer zuk³nftigen Regentin, soll schlie¯lich standesgemõ¯ verlaufen.
Als ihr Bruder, der etwa zehn Jahre õltere Gro¯f³rst Konstantin, eines Morgens nicht zum Unterricht erscheint, ist die Aufregung gro¯. Er ist spurlos verschwunden. Alle werden auf die Suche geschickt, und sogar Mischa beteiligt sich. Dass er Konstantin findet und ihm das Leben rettet, ist sicher ein Einfall der Autorin.
Die Leseprobe liest sich fl³ssig. Besonders gut gefõllt mir die Erzõhlperspektive - Olgas kindliche Erfahrungen und Sichtweise. Liebevoll werden die Kinder mit Spitznamen versehen (Olly, Kosty).
Petra Durst-Bennings Historienroman vermittelt auf leichte und unterhaltsame Weise vieles ³ber die Zarenfamilie und Russland.
(verfasst am 11.08.2009 · 1.269 Zeichen)
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Ake Edwardson: Toter Mann

Genre: Krimi · 544 S. · geb · Ullstein · ISBN-13 9783550087127 · 19,95€
Der Tod ist allgegenwõrtig
Ein Auto steht mit laufendem Motor, alle vier T³ren ge÷ffnet, auf G÷teborgs Selbstm÷rderbr³cke Nummer eins. Zufõllig fõhrt Kriminalkommissar Lars Bergenheim, der au¯er Dienst ist, an dem Auto vorbei. Er meldet den Vorfall, und schnell ist die Spurensicherung vor Ort. Statt einer Leiche im Fluss entdecken die Polizisten aber ein von einem Geschoss verursachtes Loch in der R³ckenlehne ...
Roger Edwards ist der Halter des Wagens. Er verhõlt sich sehr seltsam, als Bergenheim ihn aufsucht, um ihn ³ber den Fund des Wagens aufzuklõren. Wie ein Fl³chtender, ohne sich umzudrehen, lõuft er vor dem Kommissar davon. "Ihr Lexus ist soeben gestohlen worden, und Sie gehen einfach nach Hause?" "Ich hatte es eilig."
In einem parallelen Handlungsstrang ist ein Mann auf dem Weg, einen anderen umzubringen. Er muss diesen Auftrag erf³llen, denn er sagt von sich, dass er selber ein toter Mann sei, ein dead man walking. Wer bedroht ihn, dass er sich dem Tod so nah f³hlt?
Diese Szenarien lassen einige spannende, prickelnde, den Leser fesselnde Handlungsverlõufe erahnen.
Die Charaktere der drei Kommissare Erik Winter, Lars Bergenheim und Bertil Ringmar sind sehr menschlich gezeichnet. Sie sind keine tough cops, die ihre Arbeit im B³ro abgeben k÷nnen, sondern ihr Beruf verlangt alles von ihnen. Zwangslõufig ergeben sich Probleme in ihrem Privatleben. "Ich befinde mich mitten im Krieg und werde nicht m³de, bitter, zynisch oder desillusioniert," so Erik Winter.
Diese Mischung aus noch offenen kriminalistischen Handlungsz³gen und den psychologischen, individuellen Beschreibungen aller Charaktere hat mir sehr gut gefallen.
Ich erwarte einen sehr guten Psychothriller.
(verfasst am 22.10.2009 · 1.374 Zeichen)
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James Ellroy: Blut will flie¯en

Genre: Politkrimi · 784 S. · geb · Ullstein · ISBN-13 9783550086779 · 24,90€
Mord und Totschlag
In Los Angeles wird am 24.02.64 ein Geldtransporter brutal ³berfallen. Innerhalb von zehn Minuten sind vier Sicherheitsleute tot, drei Rõuber werden von ihrem Partner erschossen, zwei von ihnen z³ndet er mit einem Schwei¯brenner an. Dann fl³chtet er mit der Beute.
Am 14.06.68 befinden wir uns in Las Vegas in einer Hotelsuite, in der ein Drogenlabor steht. Hier kocht Wayne einen Morphiumbrei f³r die krebskranke Janice.
Bis hierher war der Text leicht verstõndlich. Aber danach mischen sich Ereignisse im kriminellen Milieu, Morde und Verflechtungen zwischen unzõhligen Personen und politische Anschlõge, z.B. auf JFK und Lee Harvey Oswald. Desweiteren gibt es Verschw÷rungstheorien, einen Vatermord und "Geschichten, Anschlõge, die auf Eis liegen ..." Um den Durchblick zu erhalten, hilft nur noch ein Spickzettel. Sorry, das ist ein einziges Chaos.
Ein im h÷chsten Ma¯e kriminelles, korruptes Milieu, durchwirkt von mafi÷sen Strukturen, FBI, CIA, eingeschleusten S÷ldnern und "wahrhaften" Politikern, die an Strippen ziehen - das alles wõre ³berreichlich Stoff f³r mindestens einen guten Politthriller.
Das Urteil "gut" kann ich dieser Leseprobe nicht geben. Freilich muss ich einschrõnkend zu Bedenken geben, dass die Leseprobe nat³rlich einfach zu kurz ist, um ein endg³ltiges Urteil ³ber den Roman als ganzen zu fõllen. Vielleicht l÷sen sich die vielen Unklarheiten im Gesamtverlauf des Romans auf.
(verfasst am 07.12.2009 · 1.232 Zeichen)
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Rina Frank: Ich folge dir mit geschlossenen Augen

Genre: Belletristik · 352 S. · Taschenbuch · List · ISBN-13 9783548608884 · 8,95€
Rina - eine empfindsame Frau
Die Leseprobe ist in der Ich-Form aus der Perspektive der 48-jõhrigen TV-Produzentin Rina geschrieben, die in Israel lebt.
Nach der Scheidung und mehreren Verhõltnissen õndert Rina ihr Leben vollstõndig. Sie zieht mit ihrer Tochter, dem Hund und der Katze in eine kleine Wohnung mit Balkon in einen Stadtteil Haifas.
Nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit erhõlt sie das Angebot f³r ein Projekt zur Siedlungspolitik Israels.
Sie ist keine Emanze, im Gegenteil. Ihre eigene Psyche ist labil; ihr Psychologe hõlt sie f³r zartbesaitet. F³r ihr Wohlbefinden sucht sie Zeichen in der Natur oder in menschlichen Handlungen, z. B. "Wenn der Rabe auf dem Strommast jetzt, in ebendieser Sekunde, den Strafzettel austeilenden Polizisten ankrõchzt, dann bedeutet das, dass das Leben wunderbar sein kann. Und wenn das Flugzeug in dem Augenblick, in dem der Hund bellt und der Rabe krõchzt, genau ³ber meinen Kopf hinwegfliegt, dann ist Gott mitten unter uns." Diese Art Lebenshilfe gefõllt mir sehr gut und zeichnet Rinas Charakter als weich und liebenswert.
Freitagmorgen wacht Rina mit starken Schmerzen im Oberk÷rper auf. Ihr Lebensgefõhrte Jakob begleitet sie zur Uniklinik. Die -rzte diagnostizieren eine Geschwulst, und nun beginnt die Achterbahnfahrt, die wohl jeder durchmacht, wenn er voller Angst nur noch an das Schlimmste denken kann.
Rina verlõsst fluchtartig das Krankenhaus und will sich keiner weiteren Untersuchung unterziehen - insbesondere keiner Punktion, denn diese hõlt ihre Intuition nicht f³r richtig. Stattdessen vertraut sie eher dem Urteil einer Wahrsagerin.
Nach einer erneuten Untersuchung bei einem Spezialisten bestõtigt sich der Verdacht, dass Rina einen Tumor hat. Der Arzt rõt ihr nun dringend zu einer Operation ...
Diese Leseprobe hat mir sehr gefallen, gerade weil die Protagonistin so lebensnah, empfindsam und gef³hlvoll beschrieben wird. Obwohl Buchumschlag und Klappentext blanken Kitsch bef³rchten lassen, hat sich der Verdacht in diesem kleinen Buchausschnitt f³r mich nicht bestõtigt. Ich hoffe, dass der m÷gliche weitere Handlungsverlauf (Rinas Erkrankung, vielleicht ihre Heilung, eine Liebe zu ihrem Chirurgen) stilistisch feinf³hlig beschrieben wird.
(verfasst am 10.06.2009 · 1.799 Zeichen)
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Jamie Freveletti: Lauf

Genre: Thriller · 352 S. · Taschenbuch · Ullstein · ISBN-13 9783548281193 · 8,95€
Inferno: Flugzeugabsturz im kolumbianischen Dschungel
Mit H÷chstspannung beginnt der Text: Ein Flugzeug der British Airlines st³rzt im kolumbianischen Dschungel ab. Ein Teil der Passagiere verbrennt bei der Explosion der Maschine, ein anderer Teil kann sich in Sicherheit bringen.
Ist dieser Absturz geplant worden? Der Gedanke wird zur Gewissheit, da der Pilot von seinem Kurs - Zielflughafen Bogota - bewusst abgewichen ist.
Dass sich eine Truppe bewaffneter Mõnner schon am Unfallort befindet, um die Passagiere zu entf³hren, bestõtigt die genaue Planung und Durchf³hrung.
In Amerika wird der Flugzeugabsturz auf einem Bildschirm mit Satellitenfotos beobachtet. Sofort wird ein Krisenstab gebildet. Da der Unfallort mitten in einer der gefõhrlichsten Gegenden, dem Territorium der kolumbianischen Volksbefreiungsfront FPLC und der Drogenkartelle, liegt, wird diese Geiselnahme zu einem politischen Albtraum werden. Wie kann eine Spezialeinheit die Menschen aus der Hand der brutalen Guerilla befreien? Dass die kolumbianische Armee mit den paramilitõrischen Gruppen unter einer Decke steckt, wird den Einsatz erschweren.
Ich verspreche mir nach dieser Leseprobe einen au¯ergew÷hnlich spannenden Thriller. Das Szenario - Menschenraub mit L÷segelderpressung durch Terroristen, Rebellen und korrupte Gruppen, die mit unvorstellbarer Brutalitõt vorgehen, hat unendlich viel Z³ndstoff. Ein fulminater Plot, der den Leser fesseln wird.
(verfasst am 28.09.2009 · 1.137 Zeichen)
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James Frey: Strahlend sch÷ner Morgen

Genre: Belletristik · 592 S. · geb · Ullstein · ISBN-13 9783550087677 · 22,90€
Schattendasein im sonnigen Kalifornien
Zunõchst habe ich mir die H÷rversion abgespielt. Sie ist eine sehr gute Ergõnzung zum angebotenen Text.
Die Leseprobe beginnt mit der historischen Gr³ndung von Los Angeles als kleine Siedlung "El Pueblo de Nuestra Se±ora la Reina de Los -ngeles de Porci·ncula" im Jahr 1781 und endet, als Los Angeles 1850 in Kalifornien, den 31. Staat der USA, eingegliedert wird. Die historische Chronologie ist ein klares strukturierendes Mittel.
Die Leseprobe gibt einen kleinen Einblick in das Leben verschiedener Menschen, die in õrmlichsten Verhõltnissen leben und mit unterschiedlichsten Lebensumstõnden zu kõmpfen haben. Sie alle haben Hoffnungen und Sehns³chte: den Traum von einem gesicherten, besseren Leben.
Aber die Realitõt ist f³r die meisten trist und n³chtern. Der einzige Charakter, der sich aus dem Nichts nach ganz oben gearbeitet hat, ist Barry. Er kauft ein bisschen Land und baut nach und nach Minigolfplõtze, die er dann zu einem gigantischen Freizeitpark umgestaltet. Aber leider endet der Boom in den 90-er Jahren. Er muss alles verkaufen.
Thema des Buches ist offenbar die Auseinandersetzung mit der aktuellen amerikanischen Gegenwart. So geh÷rt James Frey sicher zu der Gruppe von Autoren wie Jonathan Franzen, Jefferies Eugenides, deren Romane international Beachtung gefunden haben.
Wie verarbeitet James Frey diese Thematik? K÷nnen einzelne Charaktere den Tag mit einem "strahlend sch÷nen Morgen" beginnen? Man darf gespannt sein.
(verfasst am 28.07.2009 · 1.193 Zeichen)
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Pauline Gedge: Der Seher des Pharao

Genre: Historie · 560 S. · Taschenbuch · Piper · ISBN-13 9783492263306 · 9,90€
-gypten: zwei Tage im Leben des kleinen Huy
Huy, Sohn von Mutter Itu und Vater Hagu, wird vorbereitet auf den Jahrestag seiner Namensgebung. Er wird 4 Jahre alt und soll dem Gott Chenti-Cheti ein Opfer bringen. Es soll schon ein gro¯z³giges Geschenk sein, denn nur dann kann er auf ewigen Schutz dieses Gottes bauen. Aber Huy ist ein verw÷hnter Junge, der sich nicht von seinem Lieblingsspielzeug trennen kann ...
Seine Freundin Ischat kommt nachmittags zum Spielen. Sie ist erst drei Jahre alt. Huy õrgert sie gerne, indem er sie schon mal mit Spinnen bewirft. Von ihr erfõhrt er allerdings eine Neuigkeit, die ihm die Eltern gerne lieber selber mitgeteilt hõtten: Er darf demnõchst die Tempelschule in Iunu besuchen, und sein reicher Onkel wird die Geb³hren ³bernehmen. Doch Huy hat davon geh÷rt, dass man in der Schule geschlagen wird, und deshalb m÷chte er lieber zuhause bleiben; im Lernen kann er ohnehin keinen Nutzen erkennen.
Als Huy am nõchsten Tag das Heiligtum besucht - Gott Chenti-Cheti hat das Aussehen eines Krokodils -, wird er von dem Priester Methen in die Opferzeremonie eingef³hrt. Sie beten gemeinsam, und Methen kann den kleinen Huy ³berzeugen, welche Vorteile ein gebildeter Mensch, der Lesen und Schreiben kann, innerhalb seiner Gesellschaft genie¯t.
Wer gerne historische Romane liest, wird mit diesem Buch gut unterhalten und so nebenbei auch noch Geschichtsunterricht erhalten. Das Leben der hochzivilisierten -gypter ist zwar schon weitgehend erforscht, aber neue Funde der Archõologen sind immer wieder geheimnisvoll und werfen ungeklõrte Fragen auf. Auf dieser Grundlage hat Pauline Gedge einen Wissensschatz mit unbegrenzten M÷glichkeiten f³r ihren Roman. Sie kann mit Fiktion und bekannten Tatsachen spielen und einen interessanten Roman kreieren.
(verfasst am 08.09.2009 · 1.432 Zeichen)
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Daniel Glattauer: Alle sieben Wellen

Telefonieren ist sch÷ner
Ich kenne den Autor Glattauer nicht.
Nachdem ich der H÷rprobe gelauscht habe - ich fand sie ganz gut: Leo teilt sich mit, man erfõhrt etwas von der Vergangenheit und den aktuellen Lebensbedingungen. Beide haben Partner/Familie und leben weit entfernt voneinander. Eigentlich haben sie ihr eigenes Leben aufgebaut.
Dann habe ich mir die Leseprobe vorgenommen: nein, ein Buch gef³llt mit wechselnden e-mails, manche davon finde ich total hohl, hat mir nicht gefallen. Es folgt ein Teil: Versuch einer Kontaktaufnahme, aber leider ist die alte email-Adresse unbekannt; ein Systemmamager - was soll das denn - wird eingebunden.
Das Ende dieser "tollen" mails: beide Beteiligten verabreden sich zu einem Teffen in einem Cafe ... oh super.
Die Leseprobe hat mir nicht gefallen, und wahrscheinlich gilt das dann auch f³r das gesamte Buch!

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Elly Griffiths: Totenpfad

Genre: Krimi · 320 S. · geb · Wunderlich · ISBN-13 9783805208741 · 19,90€
Spannung: Schaudern und Gruseln inklusive!
Ruth Galloway, 40 Jahre alt, unverheiratet, ist Archõologie-Dozentin an der University of North Norfolk, Spezialgebiet Forensik. Zusammen mit zwei Katzen bewohnt sie eines von drei kleinen Hõusern am Rand des Salzmoors. Sie f³hlt sich wohl, ja geradezu hingezogen zu dieser unerbittlichen, trostlosen Landschaft.
Eines Tages besucht sie Detective Chief Inspector Harry Nelson an der Uni. Die Polizei hat Knochen im Moor gefunden und vermutet, es k÷nne sich um einen Mord handeln. Ruth soll ihnen bei der Aufklõrung helfen.
Die Leseprobe beginnt, als Detective Nelson und Ruth zum Ort des Knochenfundes ins Salzmoor fahren. Es handelt sich um einen "schmalen Arm mit einem Taufarmband" ... Sind das die Reste eines Sõuglings? Der Horror ... Was mag noch alles zum Vorschein kommen?
Die Autorin hat mit scharfem Auge Handlungsorte und Personen beobachtet. Ruths einsames Haus, ihren Arbeitsplatz an der Uni, ihre Beziehung zu Eltern und Kollegen kann sich der Leser gut vorstellen. Die Novemberstimmung im Moor ( "ein gottverlassenes, unwirtliches Sumpfland") und die ihm eigene typische Flora und Fauna fõngt die Autorin mit ihrer einf³hlsamen Beschreibung sehr gut ein und bezieht dabei alle Sinne ein: Wir sp³ren f÷rmlich die Nõsse, das Undurchsichtige, und die leise wahrgenommenen Gerõusche klingen wie verstõrkt. Unser Schaudern, Fr÷steln und Gruseln erreicht seinen H÷hepunkt, wenn wir erfahren, dass sich an dieser Stelle ein henge befindet - ein steinzeitlicher kreisf÷rmiger Erdwall, der als Kultstõtte f³r Gaben und Opferhandlungen diente.
Eine perfekte Kulisse f³r einen spannenden forensischen Thriller.
(verfasst am 30.11.2009 · 1.331 Zeichen)
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Joel Haahtela: Sehnsucht nach Elena

Ungew÷hnliche Poesie
Der Ich-Erzõhler ist auf der Suche nach der sch÷nen Elena. Im Park begegnet er ihr und beobachtet sie. Ist er auf der Suche nach einer Liebe ... Er ist doch wohl ein õlterer Herr.
Er erinnert sich an seine Kindheit, an seine Mutter, die ihm von dem sch÷nen wei¯en Pferd und seiner Reiterin erzõhlt hat.
Der Schreibstil des Autor ist von Leichtigkeit und Poesie geprõgt, so da¯ das Lesen dahin flie¯t.
Ist es ein Liebesroman oder was folgt noch? Man ist gespannt und neugierig.

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Petra Hammesfahr: Ein fast perfekter Plan

Genre: Psychothriller · 432 S. · Taschenbuch · rororo · ISBN-13 9783499233395 · 9,95€
Der wahre Horror im Alltag zweier Ehebeziehungen
Ohne Einleitung wird der Leser direkt vom Grauen gepackt. In einer Grube wird eine Frau gefunden, die auf unvorstellbar bestialische Weise ermordet wurde.
Richard Maltei, aufgewachsen in einfachsten sozialen Verhõltnissen, schafft nach dem Schulabschluss eine Ausbildung in einer Schreinerei mit Bestattungsunternehmen.
Als er mit seinem Meister einen leeren Sarg in ihre Nachbarwohnung bringen muss, lernt er die zehn Jahre õltere Kerstin Riedge kennen. Sie ist selbststõndig und hat einen Friseursalon. Schnell heiraten die Beiden. Auf Wunsch Kerstins gibt Richard seinen erlernten Beruf auf, obwohl er den Betrieb zu einem spõteren Zeitpunkt hõtte ³bernehmen k÷nnen - wahrscheinlich ein fataler Fehler. In seinem Verhalten lõsst er sich vollkommen von Kerstin dirigieren. Sie macht ihn zu einem anderen Mann. Kerstin hat nur ein Lebensziel: gesellschaftich von ganz unten nach ganz oben zu kommen. Wie soll das gehen? Sie hat nicht wie ihre Stammkundin Carla Sartorius, mit der sie sich gerne vergleicht, den richtigen Mann geheiratet: Hartmut Sartorius ist ein erfolgreicher Wirtschaftspr³fer. Doch der õu¯ere Schein tr³gt. Diese Ehe ist eine Zweckgemeinschaft. Ein notarieller Ehevertrag beinhaltet u. a. eine Bedingung, die f³r eine gesunde Frau unvorstellbar ist: Carla muss sich sterilisieren lassen.
Sowohl Richard als auch Carla haben ihre Identitõten f³r ihre Partner vollkommen aufgegeben. Wahrscheinlich haben sie als Gegenleistung ein wenig Liebe und Anerkennung erwartet. All die alltõglichen Dem³tigungen k÷nnen sie nur eine Weile ertragen. Was mag da noch alles geschehen, bis die beiden - getrennt oder vielleicht gemeinsam - sich ihrer Partner entledigen? Immerhin erwõhnt bereits der Prolog eine Frauenleiche ...
Nicht nur in den angelegten Handlungsstrõngen, sondern auch in ihrem Sprachstil, der dicht, prõzise, packend, direkt den Leser fesselt, zeigt die Autorin erneut ihr schriftstellerisches K÷nnen. Der beschriebene oberflõchliche Alltag beider Ehen, einschlie¯lich dem unromantischen Sexualleben, ist schon so angelegt, dass sich die nachfolgenden Ereignisse fundiert und logisch ergeben k÷nnen.
"Ein perfekter Plan" - der neue Psychothriller der Bestsellerautorin Petra Hammesfahr - geh÷rt gewiss zur Meisterklasse und ist ein absolutes Muss f³r jeden Krimifan!
(verfasst am 05.10.2009 · 1.890 Zeichen)
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Joanne Harris: Denk an mich in der Nacht

Genre: Mystery · 432 S. · geb · List · ISBN-13 9783471350256 · 19,95€
Die Welt der Vampire
Ich habe versucht den Text unvoreingenommen zu lesen, aber schon nach den ersten Zeilen hat es mir gereicht: "Proserpina hat von dem Apfel gegessen und dadurch ihre Seele verwirkt. Sie muss von nun an die Hõlfte des Jahres im Reich der Schatten verbringen ..."
Dieses Genre "Fantasy, Mystery, Vampire, Werw÷lfe" erobert mehr und mehr die Leserschaft.
Wie sch÷n waren die Zeiten, als wir den Kultfilm "Tanz der Vampire" gesehen haben, der solchen Humbug ironisiert.
Aber jetzt ist nur noch Kommerz angesagt, und die Autoren schreiben wie die Wilden, um noch etwas vom Kuchen mitzubekommen.
Ich hoffe, dass diese Welle irgendwann versandet und die Buchhandlungen ihre speziell f³r dieses Genre aufgebauten Regale endlich wieder mit anspruchsvollen B³chern f³llen, die nicht in _bersinnliches entf³hren.
(verfasst am 14.12.2009 · 660 Zeichen)
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Bettina Haskamp: Alles wegen Werner

Genre: Belletristik · 240 S. · ISBN-13 9783547711523 · 12,90€
Der ganz normale Wahnsinn einer Ehe im Endstadium
Clara (51) und Werner Backmann (61) sind seit 30 Jahren verheiratet. Sie geh÷ren mit ihrem Haus an der Algarve zur Upper Class. Man spielt Golf, fõhrt einen Land-Rover und ist Mitglied im Lions Club. Ihre Ehe ist eine Farce.
Werner ist immer schon ein arroganter Macho gewesen, der die Rundum-Versorgung seiner Frau f³r selbstverstõndlich hõlt.
Clara erfõhrt zufõllig durch ihre Freundin Lisa, dass Werner und sein Freund Paul zwei Fl³ge nach Brasilien gebucht haben. Sie ist stinkesauer: Brasilien war schon immer ihr Traumziel.
Vier Wochen ist sie nun allein und ³berdenkt ihre jetzige Lebenssituation. Diese scheint ihr unertrõglich, aber sie hõlt diesen Zustand immer noch f³r besser, als ohne Luxus und Komfort zu leben. Eine Scheidung kommt f³r sie nicht in Frage. Sie m÷chte nicht als Sozialfall enden.
Aus Brasilien kehrt Werner v÷llig verõndert zur³ck. Wie nicht anders zu erwarten, hat er eine junge Frau kennen gelernt. Jetzt geht alles ganz schnell: Werner zieht ins Hotel. Sein Anwalt hat die Scheidung schon vorbereitet. Ein Makler kommt, um das Haus zu verkaufen. Clara verfõllt dem Alkohol und lõsst alles ³ber sich ergehen.
Hier endet die Leseprobe, die aus Claras Sicht in der Ich-Form geschrieben ist. Die Autorin Bettina Haskamp hat einen leicht-locker-flockigen Schreibstil.
Manche Passagen waren so heftig, dass ich mit Clara litt; da war ich ganz auf ihrer Seite und hatte das Gef³hl, dass, wenn sie ihr angetrautes Ekel nicht selber rausschmei¯en kann, ich am liebsten selber handeln w³rde.
Hier ein paar der "Nettigkeiten", die Clara sich von ihrem Mann sagen lassen muss: "Frau, trink nicht - rauch nicht - dr³cke dich gepflegter aus - diese Farbe steht dir nicht - das Steak ist zu durchgebraten - das Hemd hat noch Falten - kannst du denn gar nichts richtig machen - es ist ja nicht so, dass du hier vor Arbeit zusammenbrechen w³rdest" ...
Mir hat die Leseprobe sehr gut gefallen, und ich bin neugierig, ob Clara sich freischwimmen kann ...
(verfasst am 21.05.2009 · 1.625 Zeichen)
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Gaby Hauptmann: R³ckflug zu verschenken

Genre: Belletristik · 320 S. · Taschenbuch · Piper · ISBN-13 9783492262958 · 8,95€
Flachflug mit Aussicht auf sch÷nes Wetter
So etwas Oberflõchliches habe ich ja schon lange nicht mehr gelesen.
Inhalt: Die unverheiratete Clara, 36 Jahre alt, sehr bedacht auf ihre Figur, lebt mit Tochter Katie - Vorschulalter - und mit ihrem Lebensabschnittsgefõhrten Paul zusammen. Dieser geht - bl÷der kann man wohl kaum sein - in der gemeinsamen Wohnung fremd. Dort wird er nat³rlich von Clara erwischt.
Sie verlõsst Paul umgehend und zieht mit ihrer Tochter zu ihrer Mutter. Diese glaubt, dass Clara abschalten und ³ber ihr zuk³nftiges Leben nachdenken soll. Dazu schenkt sie ihr eine Reise nach Mallorca, in den Traumort Arenal. Am ersten Morgen geht Clara an den Strand - ja wer hõtte das f³r m÷glich gehalten? Sie mietet sich einen Liegestuhl und dõmmert in diesem vor sich hin. Pl÷tzlich ist sie umgeben von vier Frauen, die Clara sofort in ihre Gemeinschaft aufnehmen ...
Der Sprachstil ist einfach und verstõndlich, aber der Inhalt dieser Leseprobe ist langweilig und eignet sich gerade noch f³r eine Soap im TV ...
Das Cover mit Strand, Liegest³hlen, blauem Himmel und Flugzeug zeigt eigentlich alles, was man von diesem Buch erwarten kann.
(verfasst am 30.03.2009 · 921 Zeichen)
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Marina Heib: T÷dliches Ritual

Genre: Krimi · 304 S. · Taschenbuch · Piper · ISBN-13 9783492271608 · 10,00€
Zwei Leichen in G÷ttingen
Ich lese gerne deutsche Krimis mit einer regionalen Note. Diese Leseprobe hat mich nicht enttõuscht, ich habe sie genossen. Der Schreibstil der Autorin ist locker, frisch, fesselnd und spannend zugleich. Ich bin mir sicher, dass das Buch ein Erfolg werden wird.
In G÷ttingen werden zwei junge Frauen ermordet aufgefunden. Deutet die rituelle T÷tungsart auf einen Serienkiller hin?
Hauptkommissar Markus Lorenz ist total heruntergekommen: Alkohols³chtig, versifft und ungepflegt quõlt er sich mit seiner Vergangenheit. Seine Frau hat ihn verlassen. Er hat sich nicht unter Kontrolle. So kommt es zum Eklat: Er ohrfeigt die B³rgermeisterin und wird fristlos entlassen.
Die Autorin stellt dem Leser am Tatort der ersten Leiche die Mitarbeiter des Kommissariats vor. Sie haben eingõngige Namen, sind ³berzeugend und lebensecht charakterisiert. Die Handlungsorte werden so nah beschrieben, dass man sie sich gut vorstellen und in die Schauplõtze hineinversetzen kann.
Im zweiten Handlungsstrang bereiten sich Anna und Christian auf eine Reise nach Paris vor. Ein Anruf von Markus wirft dieses Projekt ³ber den Haufen. Beide reisen sofort von Hamburg nach G÷ttingen.
Der Leser erfõhrt viel Privates ³ber die beiden Freunde. Sie erhalten Authentizitõt und wirken mit ihren Macken sympathisch. Ob und wie Christian, der mal bei der Soko tõtig war, Markus bei seiner Ermittlung helfen kann, bleibt offen.
(verfasst am 06.04.2009 · 1.151 Zeichen)
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Carsten S. Henn: Blut & Barolo

Genre: Belletristik · 352 S. · Taschenbuch · List · ISBN-13 9783471300039 · 14,90€
"Wau, wau" - ein Hundemõrchen
Zwei Handlungstrõnge beinhaltet diese Leseprobe. Zunõchst verlaufen sie parallel, um sich spõter zu verbinden.
Erste Episode: Isabella fõhrt mitten im Winter mit ihren drei Hunden zu ihrem Schloss ins Piemont, wo sie eine Wolfssichtung machen will. Starkes Schneetreiben beeintrõchtigt ihr Vorhaben.
Die drei Hunde - die sich untereinander selbstverstõndlich in menschlicher Sprache unterhalten - sind ihre treuen Gefõhrten: Giacomo, ein alter Tr³ffelhund, Niccolo, ein d³rres Tier, das einen Teddypullover trõgt, und Canini, eine rothaarige Spanielh³ndin.
Zweite Episode: Der Turiner Dom San Giovanni ist der Ort der Inthronisation des Pharaonenhundes Amadeus. Ein Dutzend Tiere dieser edlen, adligen (blaubl³tigen) Hunderasse aus dem 14. Jahrhundert k³ren Amadeus zum Wõchter des Sacra Sidone, des heiligen Grabtuches Jesu. Doch dieses wird wõhrend eines gro¯en Menschenandrangs gestohlen.
Zur³ck in Isabellas Schloss: Hier sieht sie sich im Fernsehen die Reportage des unglaublichen Raubes an.
Unterdessen befindet sich Giacomo im Wald. Er nimmt eine Duftfõhrte auf - ist es wei¯er Tr³ffel? -, zieht aus einem Baumstamm ein B³ndel hervor und bringt es brav zu Frauchen ins Schloss. Dabei folgen ihm ein Transporter sowie ein Obdachloser, den Giacomo kurze Zeit davor in einer Scheune entdeckt hatte. Man wird es kaum f³r m÷glich halten: Tatsõchlich befindet sich in dem B³ndel das Turiner Grabtuch ...
Mich hat der Text nicht begeistert. Die ganze Geschichte ist mir zu konstruiert, und sprechende Hunde ³berzeugen mich auch nicht. Wahrscheinlich werden sie die tragenden Rollen ³bernehmen, das Tuch bergen und daf³r sorgen, dass es an seinen angestammten Platz zur³ckkommt.
(verfasst am 27.07.2009 · 1.383 Zeichen)
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Ralf Isau: Messias

Genre: Fantasy · 480 S. · geb · Piper · ISBN-13 9783492701426 · 19,95€
Dichtung oder Wahrheit
Um es direkt zu sagen, ich bin absolut kein Fan von Fantasy-Romanen.
Am Gr³ndonnerstag schwebt bei starkem Sturm und glei¯endem Licht der gekreuzigte Jesus vom kostbaren Silberkreuz der Duiske Abbey herab. Der Hausmeister Seamus Whelan (103 Jahre alt) findet die fleischgewordene Jesusfigur auf dem blutgetrõnkten Teppichboden. Sofort wird dieser verletzte nackte Mann ins Hospital gebracht und operiert. Als die Krankenschwester ihn mit den Worten "I am Maria" begr³¯t, wird ihm klar, dass er sich zwar in unbekannter, ungewohnter Umgebung befindet, aber seine Mutter nahe ist.
Dem Bischof wird von dieser Wundererscheinung berichtet. Als Routinier auf diesem Gebiet fõllt sein Urteil sofort: Das ist alles Betrug und Blasphemie.
Trotz meiner Skepsis muss ich sagen, dass ich positiv ³berrascht bin. In dieser kurzen Leseprobe haben mir die handelnden Personen, die Handlungsorte, die Bearbeitung des Themas - Betrug oder ³bernat³rliches Wunder - und der Sprachstil gefallen. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass der Autor den Plot seines Romans nicht so ernst nimmt und ihn locker und mit Humor bearbeitet. So erhõlt der Unbekannte wõhrend seines Krankenhausaufenthaltes den Namen "Mr X". Dies ist im englischsprachigen Raum ein Synonym f³r Christus (vgl. "Xmas" f³r Christmas) und zugleich eine sp÷ttische Anspielung auf den Heiland.
K÷nnte sich am Ende des Romans die "Messias" -Erscheinung als gro¯er Humbug herausstellen? Aber das ist nat³rlich nur die Spekulation einer Skeptikerin.
(verfasst am 13.08.2009 · 1.231 Zeichen)
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Louise Jacobs: Gesellschaftsspiele

Genre: Belletristik · 304 S. · geb · Fahrenheit · ISBN-13 9783940813176 · 19,95€
Maximum und Minimum - Velasques und Leo
Der Leseeindruck beschreibt drei Haupt-Szenen:
Leo, 37 Jahre alt, K³nstler aus Dresden, erhõlt Besuch von Kajo Leussink. Er ist Zeitungsredakteur und m÷chte sich in Leos Atelier umschauen und erfahren, wie weit seine Arbeit gediehen ist. Leo hat die Chance, im Metropolitain eine Ausstellung zu er÷ffnen. Soweit Kajo Leussink feststellen kann, ist da noch nicht viel, d. h. eigentlich gar nichts zu sehen.
Leo trifft sich mit Rahel in Madrid. Sie besuchen den Prado - teils gemeinsam, teils geht Leo alleine. Es folgen Beschreibungen einzelner Bilder von Velazques, Goya und Picasso.
Leo trifft in einer Bar auf Steven. Er nimmt starke Drogen und durchlebt eine Sexorgie. Der Exzess ist so stark, dass er als Notfall im Krankenhaus landet.
Leider hat mich der Text nicht ³berzeugt. F³r mich war es ein Flop - sowohl sprachlich als auch inhaltlich.
Die Beschreibung eines K³nstlers, der unter gesellschaftlichem Erfolgsdruck arbeitet, der seine Existenzõngste nur mit Drogen und Sex aushõlt, hat lange literarische Tradition, interessiert mich aber trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - nicht.
Gut gefallen haben mir allerdings die Passagen, die den Besuch im Prado erzõhlen. Die Bildbeschreibungen sind ausf³hrlich, detailliert und stimmig. Da ich die Bilder kannte, konnte ich wunderbar nachvollziehen, was der Erzõhler meint.
Was der Rest des Buches bietet, lõsst sich nach diesem Leseeindruck noch nicht sagen, aber ich bin eher pessimistisch.
(verfasst am 20.04.2009 · 2.616 Zeichen)
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Hitomi Kanehara: Obsession

Japanische Literatur - super
F³r mich ist diese Leseprobe die erste Leseerfahrung japanischer Literatur. Ich war total gespannt und bin nicht enttõuscht worden.
Ein Ehepaar: sie ist krankhaft eifers³chtig. Wie hõlt der Partner das aus ...
Der Schreibstil ist so fesselnd, da¯ der Roman Thrillercharacter hat.
Diese Leseprobe macht Lust auf Mehr, vielleicht doch sogar einen Kauf wert.

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Marc-Uwe Kling: Die Kõnguru-Chroniken

Genre: Belletristik · 256 S. · Taschenbuch · Ullstein · ISBN-13 9783548372570 · 8,20€
Juchu - ein Kõnguru-hu
Die Leseprobe - neun kleine Episoden - ist der pure Lesewahnsinn.
Zu Beginn befinden wir uns in einem Mehrfamilienhaus - in Berlin, Migrantenviertel, in der Nõhe der Parteizentrale der Gr³nen.
Es geschieht das Selbstverstõndlichste der Welt: ein neuer Mieter, nõmlich ein Kõnguru, zieht in das Mietshaus ein. Klar, dem Kõnguru fehlt es am N÷tigsten, es hatte noch keine Zeit zum Einkaufen und M÷blieren der Wohnung. Also klingelt es direkt beim Nachbarn und bittet ihn um Hilfe, um sich alle Zutaten zur Herstellung eines Pfannkuchens auszuleihen. Da der Herd noch nicht angeschlossen ist, macht es dem Kõnguru gar nichts aus, dann doch direkt beim Nachbarn zu kochen ...
Forsch voran geht die Initiative vom Kõnguru aus: Es bietet dem ³berrumpelten Nachbarn schnell das Du an, und die Freundschaft ist geschmiedet.
Von nun an leben die beiden gemeinsam in kleinen alltõglichen Situationen weiter. Das Kõnguru lõdt zum Essen (Fischstõbchen), man knackt mit einem Bolzenschneider zwei Fahrrõder, und das Kõnguru hat sich etwas Besonderes zur Altersvorsorge ³berlegt ...
Der Roman ist aus der Sicht des Nachbarn in der Ich-Form geschrieben. Handlungsbeschreibungen sind kaum vorhanden. Der Roman besteht zum ³berwiegenden Teil aus Dialogen, die kurz und locker zwischen dem Kõnguru und seinem Freund hin und her springen. Dabei ist besonders erfrischend, dass der Autor auch tagesaktuelle Geschehnisse mit einflicht, z. B. wenn es hei¯t, man solle besser nicht bei Lidl einkaufen, wegen der schlechten Arbeitsbedingungen ...
Diese Leseprobe ist herzerfrischend, peppig und harmlos, angereichert mit viel Humor.
Ich gehe davon aus, dass der gesamte Roman seinen am³santen Stil beibehõlt: eine mentale Erholungskur ohne õrztliche Verschreibung.
(verfasst am 23.03.2009)
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Gisa Kl÷nne: Farben der Schuld

Genre: Krimi · 368 S. · geb · Ullstein · ISBN-13 9783550087769 · 19,90€
K÷lle alaaf! - ein jecker Mord?
Was f³r eine witzige Idee, K÷ln mitten im tosenden Karneval zum Schauplatz eines Krimis zu wõhlen!
Es ist die Nacht zum Aschermittwoch - Karnevalsh÷hepunkt und -ausklang. Vor der Kirche Sankt Pantaleon wird ein Mann ermordet. Er trõgt eine Soutane, hat allerdings keinen Ausweis bei sich. Die Frage, ob es sich bei dieser Person um einen Priester handelt, bleibt offen. Ein Zeuge will einen Ritter mit Schwert in der Nõhe des Tatorts gesehen haben ...
Bat besucht das Grab ihrer Freundin Jana auf dem Friedhof Melaten. Mit dem mitgebrachten Alkohol soll die Geburtstagsparty steigen. Dass Jana freiwillig vor den Zug gesprungen ist, will Bat nicht glauben ...
Judith Kr³ger, ehemalige Kriminalkommissarin, kann nach einem langen Krankenhausaufenthalt endlich entlassen werden. Sie hatte bei einem Polizeieinsatz einen Menschen get÷tet, um ihr eigenes Leben zu sch³tzen.
Zu Beginn der Leseprobe ist ein kursiver Text abgedruckt, der voller Liebeserklõrungen steckt. Wer ist der im Liebeswahn Taumelnde?
Alle Handlungsschauplõtze sind stimmungsmõ¯ig und atmosphõrisch sehr dicht beschrieben. Sie bieten also viel Potenzial, um daraus einen ³berzeugenden, spannenden Krimi zu entwickeln - sowohl hinsichtlich der Verbrechensaufklõrung als auch der Verkn³pfung und Fortf³hrung der hier angerissenen Szenen.
(verfasst am 04.08.2009 · 1.075 Zeichen)
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Kl³pfel/Kobr: Rauhnacht

Genre: Krimi · 368 S. · geb · Piper · ISBN-13 9783492052047 · 17,95€
Alles umsonst!!!
Die befreundeten Ehepaare Kluftinger und Langhammer sind eingeladen zu einem kostenlosen Wochenende in einem luxuri÷sen Hotel im Allgõu. Hier soll ein am³santer Krimiabend mit den Hotelgõsten stattfinden.
Die attraktive Hotelbesitzerin Julia K÷nig (das tiefe DekolletÚ zieht die Blicke der Herren auf sich) begr³¯t ihre Gõste aufs Herzlichste.
An der Rezeption trõgt sich Langhammer mit seinem Titel "Dr. med" in das Anmeldeformular ein. Dem m÷chte Kluftinger nicht nachstehen und setzt seinem Namen den wohlverdienten Titel "HAUPT KOMM. KRIMPOL" voran. Er ist ja schlie¯lich stolz auf das Erreichte.
Dann beziehen Kluftingers und Langhammers ihre Zimmer.
Die Leseprobe bringt kaum Handlung, konzentriert sich aber auf die Hauptperson, Kommissar Kluftinger. Er prõgt die Krimis von Kl³pfel/Kobr. Viele Leser lieben ihn mit all seinen Marotten, und der eigentliche Kriminalfall wird zum schm³ckenden Beiwerk. Kluftinger ist ein muffiger, meist schlecht gelaunter, n÷rgelnder, knausriger, misstrauischer Kommissar. Seine Ehefrau Erika scheint alles stoisch zu ertragen.
So werden Kluftingers Koffer von einem Angestellten aufs Zimmer getragen. Unausweichlich stellt sich ihm die Frage nach dem Trinkgeld. Kluftinger ficht einen inneren Kampf mit sich aus, denn was ist diese gerade mal dreimin³tige Leistung wert? Und f³r f³nfzig Cent erhielt man fr³her eine Mark ...
Erika m÷chte gerne einen Orangensaft aus der Minibar, einem Objekt der "V÷llerei und Verschwendungssucht", wie Kluftinger meint. Um diesen Wunsch zu verhindern, lõsst er den Flaschen÷ffner in Erikas Handtasche verschwinden - "so w³rde sich die Minibardiskussion von selbst erledigen".
Nach gr³ndlicher Inspektion von Zimmer und Bad (die Beschreibung ist an Pingeligkeit kaum zu ³bertreffen, man sieht mit Kluftingers Augen jedes Detail) steckt er alles ein, was nicht niet- und nagelfest ist: sõmtliche kleinen Flõschchen sind flugs im Kulturbeutel verschwunden. Ein manischer Sammeltrieb!
Dass man niemandem trauen kann, veranlasst Kluftinger dazu, sein Geld k÷rpernah stõndig in einem speckigen Brustbeutel bei sich zu tragen. Der Einwand Erikas, dass man nicht "in Chicago oder Palermo" sei, ³berzeugt ihn nicht wirklich.
Diese Leseprobe ist so herrlich, man m÷chte immerzu in der Nõhe Kluftingers sein, um auch ja nichts von seinem urigen Verhalten oder seinen grummeligen -u¯erungen zu verpassen. Ich bin ³berzeugt, dass dem Autorenteam mit ihrem Buch ein guter Wurf mit hohem Unterhaltungswert f³r am³sante Mu¯estunden gelungen ist.
(verfasst am 26.08.2009 · 2.066 Zeichen)
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Camilla Lõckberg: Die Totgesagten

Genre: Krimi · 416 S. · List Verlag · ISBN-13 978-3-471-35012-6 · 19,90€
Wo laufen sie nur ... viele Handlungsstrõnge!
Die Leseprobe beginnt mit einem kursiv gedruckten Prolog, der den Leser neugierig macht. Welche Bedeutung hat das sicher jedem bekannte Parf³m "Poison"? Ein Mann, der von diesem Duft und ihrer Trõgerin bet÷rt ist?
Dann folgen acht Szenen:
- Der Alltag im Polizeikommissariat: normale Gesprõche unter Kollegen - hier werden die Protagonisten vorgestellt - eine neue Kollegin wird erwartet.
- Ein Notruf f³hrt uns in die nõchste Szene: ein Autounfall mit t÷dlichem Ausgang f³r die Fahrerin.
- Dann folgt eine F³hrung des Gemeinderats durch eine renovierte Immobilie, die vielleicht eine Bedeutung f³r den Tourismus und die Filmbranche haben k÷nnte.
- Wir erleben den normalen Wahnsinn im Haushalt einer Familie mit drei kleinen Kindern, die morgens beim Fr³hst³ck sitzen.
- Im Bus sitzt Jonna, eine psychisch kranke Frau - sie ist Ritzerin.
- Mittlerweile ist die Polizei beim Unfallort und nimmt ihre polizeiliche und erkennungsdienstliche Arbeit auf.
- Zwei alte Mõnner gehen zum "Tanz auf der Tenne".
- Im Zwiegesprõch zweier Lesben erfahren wir, dass eine von beiden Probleme hat. Sie hat eine f³nfzehnjõhrige Tochter und m÷chte, dass ihre schon seit vier Jahren bestehende Liebesbeziehung weiterhin geheim bleiben soll.
Nun wei¯ ich nicht wie das Buch weitergeht, aber f³r einen Buchanfang empfand ich das Lesen chaotisch. Da die skandinavischen Krimiautoren eine besondere Spezies innerhalb der europõischen Literaten bilden, bin ich mir sicher, dass auch dieser Roman spannend und au¯ergew÷hnlich sein wird.
(verfasst am 16.03.2009)
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Wally Lamb: Die Stunde, in der ich zu glauben begann

Amoklauf an der Columbine
Die Leseprobe steigt direkt in die Situation ein: Amoklauf an der Columbine Highschool. - ich bin nicht sicher, ob wir hier mit dem tatsõchlichen Geschehen von damals konfrontiert werden? Oder vermischt Lamb Fiktion mit den immer wiederkehrenden Ablõufen der letzten Massaker durch Sch³ler an Schulen.
Dieses Thema ist mehrfach dokumentiert, psychologisch immer wieder mit neuen Ansõtzen untersucht worden. So eine unvorstellbare Tat eines Amoklõufers ist f³r alle darin verwickelten Personen sicher ein Trauma.
Aber als Grundlage f³r einen Roman ... Befasst sich der Roman von Picoult "19 Minuten" nicht auch schon mit diesem Sujet??
Lambs Schreibstil ist fl³ssig. Die Story wird u.a. bestimmt durch die Partnerschaft von Maureen und Caelum. Ihre Probleme werden das Buch mit Spannung lesen lassen. In der Leseprobe sp³rt man Ansõtze.
Um ein endg³ltiges Urteil abzugeben, w³rde ich gerne das Buch lesen.

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Franþois Lelord: Hector & Hector und die Geheimnisse des Lebens

Genre: Philosophie · 192 S. · geb · Piper · ISBN-13 9783492051675 · 16,90€
Eine Kindheit auf der Insel des Gl³cks
Petit Hector, ein Einzelkind, lebt wohlbeh³tet mit Maman Clara und Vater Hector zusammen. Papa ist Psychiater, Maman arbeitet als Schriftstellerin. Sie geh÷ren zur Upper class.
Petit Hector ist ein Kind wie aus dem Bilderbuch: sensibel, angepasst, einsichtig und klug.
In dieser Familie spricht man viel miteinander. Dabei ist alles auf den kleinen Jungen zentriert, der seinen Alltag sehr bewusst erlebt und seine Beobachtungen den Eltern mitteilt. Zu allen Unbilden des Lebens finden sie Hilfen, und sie vermitteln ihrem Kind reichlich Lebensweisheiten. Am Ende jedes Kapitels fasst Petit Hector sie (kursiv gedruckt) zusammen.
Die Leseprobe hat mir sehr gefallen, weil sie Situationen und Gedanken in leichten, kurz formulierten Sõtzen und Dialogen wiedergibt, die jeder sehr gut nachvollziehen kann.
Besonders nett ist der Waldspazierung von Vater und Sohn. Letzterer er÷ffnet seine f³r ihn schweren Sorgen und kommentiert drastisch: "Mir reicht das mit den Sorgen."
Phantasievoll beschrieben wird auch, wie Maman und Petit Hector den Zoo besuchen. Dort entdecken sie, dass die Lebensweisheit, dass man immer die guten Seiten des Lebens zu sehen versuchen solle, auch f³r L÷wen gelten kann. Das ist eine am³sante, ungew÷hnliche - und ³berzeugende Beobachtung.
Dem Autor Franþois Lelord ist es sehr gut gelungen, seine Intention umzusetzen: Er m÷chte Lebensweisheiten an eine hoffentlich gro¯e Leserschaft weitergeben.
Die meist kurzen Episoden mit unterhaltsamen Dialogen zwischen Petit Hector, seinen Eltern und anderen Personen wird jeder mit Vergn³gen und Gewinn lesen.
(verfasst am 21.07.2009 · 1.302 Zeichen)
Zu diesem Titel habe ich auch eine Rezension verfasst. Lesen Sie sie hier ...
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Inge L÷hnig: In wei¯er Stille

Genre: Kriminalroman · 448 S. · Taschenbuch · Ullstein · ISBN-13 9783548268651 · 8,95€
Die heile Welt tõuscht ...
Die Leseprobe umfasst drei Handlungsstrõnge:
Im Prolog sitzt ein sensibler Junge unter der Kellerstiege. Er ist dort nicht gefangen; er darf den Raum verlassen - wenn er die richtige Entscheidung trifft. Aber welche ist das? Da er kein Held ist, leidet er lieber Hunger und Durst. Schlie¯lich wagt er den Aufstieg und trifft auf eine ihn liebende Person, seine Mutter. Ein echter Schock: Was hat der Junge nur getan, dass er so bestraft wurde?
Am Montag, dem 13. Oktober erleben wir den Tagesablauf der Familie Heckeroth. Babs, Hausfrau und Mutter von Noel und Leon, will sich heute als Innenarchitektin bei einer Wohnzeitschrift vorstellen.
Mit ihrem Mann Albert ist sie seit 13 Jahren verheiratet. Er ist Kinderarzt, hat die Praxis seines Vaters ³bernommen und f³hlt sich ihm deshalb nahe und verpflichtet. Das Verhõltnis zu seiner Frau ist oberflõchlich und gleichg³ltig. Dass es an diesem Montagmorgen zu einem recht gef³hllosen, seit langer Zeit nicht mehr vollzogenen Geschlechtsverkehr kommt, ist f³r Babs ein Schock, und Alberts Kommentar ( "Das habe ich dringend gebraucht. So einen richtig guten Fick.) gibt ihr den Rest.
Positiv verlõuft ihre Bewerbung im Verlagshaus der Wohnzeitschrift Interior & Design. Sofort erhõlt sie ihren ersten Arbeitsauftrag.
Ihre beiden pubertierenden Jungen sind ihr ganzer Stolz. Dass sie als nicht leicht auseinanderzuhaltende Zwillinge ihre Lehrer hereinlegen, lõsst sie ihnen nicht ohne Konsequenzen durchgehen. Auch Albert hat hohe Anspr³che und setzt die Jungs unter Leistungsdruck.
Im letzten Teil der Leseprobe sind wir am Tatort eines Mordes. Albert findet seinen Vater in seinem Wochendhaus am Starnberger See tot auf. Das ist kein sch÷ner Anblick, und es riecht bestialisch. Nun muss Kriminalhauptkommissar Konstantin D³hnfort mit seinem Team ermitteln, und der Kriminalroman beginnt.
Innerhalb eines erzõhlten Tages ist viel geschehen: Eine Ansammlung genauester Beschreibungen sowohl des õu¯eren Handlungsablaufs als auch der Gedankengõnge der Personen, ihrer Verhaltensweisen mit- und gegeneinander. Das Erscheinungsbild der Handelnden und einzelner Objekte ist so pingelig beschrieben, dass der Leser nicht viel Phantasie ben÷tigt, um sich alles genau vorstellen zu k÷nnen. Ein perfekter Anfang! Ich erwarte, dass der gesamte Roman dieses Niveau halten oder sogar noch steigern kann. Das Ergebnis kann nur ein spannender Kriminalroman mit hohem Unterhaltungswert sein.
(verfasst am 21.12.2009 · 1.998 Zeichen)
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Conni Lubeck: Entlieben f³r Fortgeschrittene

Genre: Belletristik · 320 S. · Taschenbuch · Ullstein · ISBN-13 9783548268088 · 9,95€
Hier geht's nur abwõrts - rettungslos
Wem's gefõllt: ein flapsig-cooler Text mit ein wenig Witz (Gratulation denjenigen, die ihn finden ...).
Ansonsten ist die Leseprobe an Wirrwarr nicht zu ³berbieten. Ich frage mich: Wer mag seine Zeit mit soviel GaGa verplempern?
Niedlich sind die eingeschobenen Fotos mit dem Stoffmõnnchen (siehe Cover) und beigef³gtem Text. Das wõr's doch gewesen: ein Comic f³r unsere lieben Kleinen ...
(verfasst am 07.10.2009 · 321 Zeichen)
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Eva Maaser: Die Fehde der K÷niginnen

Genre: Historischer Roman · 448 S. · Taschenbuch · Piper · ISBN-13 9783492253444 · 8,95€
Die Hoch-Zeit strategischer Hochzeiten
Die Leseprobe umfasst drei Kapitel. Sie beginnt in den k÷niglichen Stallungen von Toledo. Bella, die Stute von Prinzessin Brunichild, fohlt. Der Stallbursche Wittiges f³rchtet, dass die schwache Stute die Fohlengeburt nicht ³berleben wird, und m÷chte ihr den Gnadentod geben. Der unmissverstõndliche gebieterische Zwischenruf eines jungen Mõdchens lõsst ihn innehalten. Sie fõllt ihm auch durch den leichten Duft eines Parf³ms und das rote Seidengewand unter ihrem braunen _berkleid auf.
Dieses Mõdchen fordert Wittiges auf, die Stute lieber durch aktive Geburtshilfe zu unterst³tzen. Erst als der Hofmeister des k÷niglichen Hauses das Frõulein auffordert, endlich mitzukommen, wird Wittiges klar, dass die junge Unbekannte Prinzessin Brunichild gewesen sein muss.
Im Thronsaal warten der Abgesandte des Frankenk÷nigs Sigibert, Dux Gogo, und die k÷nigliche Heerschar des Frankenk÷nigs Sigibert auf den Einzug der westgotischen k÷niglichen Familie. Prinzessin Brunichild steht im Mittelpunkt. Sie ist durch den schon lõngst geschlossenen Heiratsvertrag mit K÷nig Sigibert vermõhlt. Der Vertrag besiegelt das B³ndnis der Westgoten mit den Franken. Dux Gogo, der f³r seine gute Urteilskraft bekannt ist, soll die Sch÷nheit und Gesundheit der zuk³nftigen K÷nigin in Erfahrung bringen.
Im dritten Kapitel befinden wir uns wieder in den Stallungen. Wittiges sattelt sein Pferd zu einem Ausritt. Am Fluss, der au¯erhalb der Stadtmauern flie¯t, wird er Zeuge eines Kampfes zwischen zwei ungehobelten Franken und einem jungen Mann, einem Sklaven des Hofes. Wittiges mischt sich ein. Seine Waffe ist nur ein Kn³ppel, weswegen er den mit zwei Schwertern antretenden Franken unterlegen ist. Doch in letzter Minute kommt der stattliche Dux Gogo zu Hilfe und weist seine zwei Mõnner in die Schranken.
Eva Maaser beschreibt sehr bildhaft Handlungsorte, Personen und Handlungsgeschehen. So reizt z. B. die Beschreibung der jungen Prinzessin mit ihrem Gewand und ihrem ausgefallenen Schmuck die Vorstellungskraft des Lesers.
Diese Leseprobe war fl³ssig zu lesen, die Anfangsszene einer Fohlengeburt ist ungew÷hnlich, und das Zeitkolorit scheint mir treffend dargestellt.
Inhalt des Buches soll der K÷niginnenstreit aus dem Nibelungenlied sein. Davon war in der Leseprobe noch nichts zu erfahren, so dass ich hier keinen Ausblick geben kann.
(verfasst am 01. 06. 2009 · 1.917 Zeichen)
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Christian Mõhr: Alles Fleisch ist Gras

Genre: Krimi · 400 S. · geb · Deuticke · ISBN-13 9783552061279 · 19,90€
Lesenswert - "Das rentiert sich!"
Klasse! Ein irrwitziger, schrõger Text, der mit der Beschreibung eines Geschlechtsverkehrs zwischen Diplomingenieur Anton Galba und seiner zwanzig Jahre j³ngeren Geliebten Helga Sieber beginnt. Es ist Sommer, und sie befinden sich an einem Hochsitz an einer Waldlichtung, wo sie sich hõufiger treffen.
In drei¯ig Meter Entfernung hockt Roland Mathis (50 Jahre alt) und beobachtet und fotografiert sie mit einem Okular aus DDR-Bestõnden. Er ist kein Spanner, eher ein abgedrehter Spinner. Sein Hobby ist das Rassendenken der Nazizeit. Voller Abscheu bannt er die Rassenvermischung zwischen dem sch÷nen nordischen Engel Helga und Anton Galba - seinem Namen nach ein Slawe - auf 30 F. otografien. Das ist Rassenschande, das ist die Praxis des Bastardismus. Und dagegen muss Roland Mathis etwas unternehmen.
Wenn der Leser (erst nach ca. 20 Seiten) erfõhrt, dass Roland Mathis mit Helga einen Arbeitsplatz im Labor der stõdtischen Abwasserreinigungsanlage teilt, haut es ihn echt um. Obendrein ist ihr Chef, der angesehene Leiter des Klõrwerks, niemand anderes als Anton Galba, ein ³berqualifizierter Maschinenbaudiplomingenieur, der aus Schei¯e Gold macht - und das rentiert sich. Und nur das zõhlt im bõuerlichen Biedersinn der Dornbirner.
Wie durch einen ungl³cklichen Unfall Roland Mathis zu Tode kommt, sollten Sie nun selber lesen.
So einen skurrilen Roman habe ich noch nicht gelesen - und nach all dem, was schon die Leseprobe verspricht, wird es ein spannender Krimi, der mit verstecktem Humor und Augenzwinkern genossen werden kann. Genial!
(verfasst am 05.01.2010 · 1.274 Zeichen)
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Stefßn Mßni: Das Schiff

Das ist nicht mein Buch
Ich bin ein Fan skandinavischer Krimis.
So war meine Erwartungshaltung auf ein islõndisches Buch sehr hoch.
Aber diese Leseprobe hat mich nicht ³berzeugt. Das Thema Meer, Schiff, Crew interessiert mich weniger. Viel zu viele Personen, mit Verwechslungsgefahr durch die f³r mich ungewohnten islõndischen Namen, ihre individuellen Geschichten ³berladen den Anfang des Buches. Man verliert leicht den Faden, so dass man der Handlung schwer folgen kann. Das Lesen wird zur Anstrengung. Vielleicht erklõrt sich in der Fortsetzung einiges ...
Gesamturteil: Ich werde dieses Buch nicht lesen.

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Lisa Marklund: Kalter S³den

Genre: Krimi · 528 S. · geb · Ullstein · ISBN-13 9783550087516 · 19,90€
Schwedische Kõlte im sonnenverw÷hnten Spanien
F³r mich war die Leseprobe zunõchst schwer verstõndlich. Viele Personen, verschiedenste Handlungsstrõnge, die sowohl ÷rtlich als auch zeitlich keinen Zusammenhang ergeben, verlangen gro¯e Konzentration und Anstrengung.
Im Vergleich dazu ist die hier zur Verf³gung gestellte H÷rprobe eines weiteren Textausschnitts ein Genuss. Sie ist klar verstõndlich. Hier ergeben die Personen und Geschehnisse ein rundes Bild.
Die Schwedin Annika Bengtzon arbeitet beim Stockholmer Tagesblatt. Aus den vielen aktuellen Nachrichten soll sie die f³r die Leserschaft interessanten recherchieren und ausarbeiten. So soll z. B. ein Strafverfahren gegen einen Axtm÷rder wiederaufgenommen werden. Eine weitere Begebenheit, die der Journalistin auffõllt, ist, dass eine schwedische Familie bei einem Gasunfall in Marbella (an der Costa del Sol) get÷tet worden ist. Dieses Ereignis wird wohl zum Zentralthema des Krimis.
Das Kapitel "Die Prinzessin im Schloss ³ber den Wolken" fõllt total aus dem Handlungsrahmen: Es bringt einen Zeitsprung zur³ck in die NS-Zeit.
In den wenigen angebotenen Seiten steckt derart viel Potenzial, dass man trotz des Gesamtumfangs von 528 Seiten mit einem fesselnden, schl³ssigen und spannenden Kriminalroman rechnen kann.
(verfasst am 20.07.2009 · 1.013 Zeichen)
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Charles Martin: Wohin der Fluss uns trõgt

Sterne erreichen einen, wo immer man ist.
Das Ehepaar Chris und Abbie, sie f³hren eine gl³ckliche Ehe, hat ihre schwerste Lebensphase vor sich: Abbie hat unheilbar Krebs. Jetzt erwartet man eine r³hrig-kitschige Liebesgeschichte.
Aber im Gegenteil. Die Beiden nehmen den Kampf auf und wollen noch so viel erleben, wie Abbies Gesundheitszustand erlaubt. Sie hat sich eine Liste mit 10 Punkten erstellt, die sie sich nach und nach noch erf³llen m÷chte.
Der Schreibstil: viel direkte Rede, ist leicht und fl³ssig. Die Themen springen in Zeitfenstern, mal Gegenwart, mal Vergangenheit. Es ergibt sich ein rundes Bild.
Wie das unausweichliche Ende, der Tod von Abbie beschrieben wird, wissen wir nicht. Aber nach der Leseprobe gehe ich davon aus, da¯ der Schlu¯ gef³hlvoll, aber nicht durch Kitsch ³berlastet ist ...

Zu diesem Titel habe ich auch eine Rezension verfasst. Lesen Sie sie hier ...
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Roberto Masello: Eisiges Blut

Genre: Krimi · 640 S. · Taschenbuch · Fischer · ISBN-13 783596185191 · 8,95€
S³dpol - gut, dass noch die Sonne scheint
Im CafÚ des Flughafens Santiago lernt der Journalist Michael Wilde auf unkomplizierte Weise den Wissenschaftler Darryl Hirsch kennen. Beide mussten hier zwischenlanden, und wie es der Zufall will, haben sie ein gemeinsames Reiseziel: Point AdÚlie, eine Forschungsstation, am S³dpol gelegen.
Beide werden dort unterschiedliche Arbeitsauftrõge erf³llen: Michael will eine Story ³ber den Alltag auf einer f³r lange Zeit abgeschotteten Forschungsstation schreiben, Darryl schwõrmt von seinen Projekten als Meeresbiologe.
Spõter besteigen sie dann eine zehnsitzige Propellermaschine, um den "windigsten, trockensten, kõltesten und ÷desten Ort der Erde" anzufliegen. Dort wird es "rund um die Uhr hell" sein ...
Der kleine Textausschnitt des Romans war fl³ssig und locker-flockig zu lesen. Allerdings: von Krimi war noch keine Spur ...
Gut gefallen hat mir die anfangs dargestellte Einschõtzung Michaels, wie er einen Wissenschaftler in einer Menge von Menschen lokalisieren kann. Zum einen ist es der Gesichtsausdruck, zum anderen die Beobachtung, dass sie zwar Teil einer Gruppe sind, aber trotzdem nicht dazugeh÷ren. Wenn man mit ihnen zusammenarbeitet, "wirken sie gleichg³ltig und in h÷chstem Ma¯e aufmerksam zugleich".
Und so finden sich noch weitere aufschlussreiche Textzeilen, die am³sant und unterhaltsam sind.
Viel mehr lõsst sich noch nicht sagen; deshalb: "schaun mer mal!"
(verfasst am 21.09.2009 · 1.139 Zeichen)
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Katarina Mazetti: Mein Leben als Pinguin

Genre: Belletristik · 304 S. · geb · Ullstein · ISBN-13 9783550087844 · 16,95€
Ein Sorglos-Roman
Sie k÷nnen nichts falsch machen, wenn Sie Ihrer Freundin bei einer guten Gelegenheit dieses Buch schenken. Es macht Freude, da es inhaltlich ohne Lebenskrisen und Verbrechen auskommt. Es plaudert einfach so am³sant und schwungvoll, dass man f÷rmlich sp³rt, mit welcher Lust die Autorin Katarina Mazetti ihr Buch geschrieben hat.
Im Vorwort gibt sie eine Gebrauchsanweisung, wie man das Buch lesen k÷nnte - z. B. "Besuchen Sie auch die [Schiffs-] Kabinen 502, 311 und 412 (diese kursiv gesetzten Kapitel machen etwa ein Zehntel des Buches aus)". Dann stellt sie ihre drei Hauptfiguren vor: Wilma, Tomas und Alba. Schlie¯lich gibt es noch eine Menge Nebenfiguren, darunter auch Tiere.
Wilma, eine alleinstehende Lehrerin, hat eine Gruppenreise von Stockholm in die Antarktis gebucht. Mit Verspõtung trifft sie am Flughafen Charles de Gaulle ein. Sie ist v÷llig aufgel÷st und beschreibt alles, was die meisten Leser auch schon erfahren haben: geordnetes Chaos beim Check-in und bei der Sicherheitskontrolle.
Im Flugzeug findet sich die gesamte Reisegruppe ein. Nun wird aus dem Blickwinkel von Tomas, einem ehemaligen Journalisten, weiter erzõhlt. F³r ihn ist diese Reise eine Flucht nach seiner schmerzvollen Scheidung.
Alba, 72, gef³hlt aber nur 36 Jahre alt, ist eine Vielfliegerin. Ja, sie war auf nahezu allen Flughõfen der Welt. Wie sah Stansted nur 1964 aus: eine Baracke, keine Sitzgelegenheiten, kein Getrõnkeautomat! Nat³rlich war sie auch schon auf "Thiruvananthapuram in Kerala". Wer kann von sich behaupten, dort schon mal einen Stop gemacht zu haben?
Dass sich zwischen Wilma und Tomas eine kleine Liebelei entwickelt, ist abzusehen. Die mittleren Sitzreihen nutzen sie zum Schlafen. "Als ich aufwachte, lagen unsere K÷pfe Wange an Wange auf dem mittleren Sitz." Mei, is des schee ...
(verfasst am 06.01.2010 · 1.480 Zeichen)
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Brad Meltzer: Das Buch der L³gen

Genre: Krimi · 448 S. · Taschenbuch · rororo · ISBN-13 9783499252693 · 9,95€
Welche Waffe t÷tete Abel?
Die Frage nach dem Tatwerkzeug, das Kain benutzte, um seinen Bruder Abel zu t÷ten, habe ich mir noch nie gestellt. Sie zum Plot eines Romans zu verarbeiten scheint mir eine originelle, reizvolle, aber nat³rlich auch kauzige Idee, denn bei etwas so Ungeheuerlichem wie Brudermord ist die Tatwaffe ja wohl das allerunwichtigste Problem ...
Die Leseprobe beginnt mit Calvin Harpers Kindheit, die von der psychischen Krankheit seiner Mutter geprõgt ist. Wõhrend eines heftigen Streites zwischen den Eltern kommt die Mutter zu Tode, und Lloyd, der Vater, muss ins Gefõngnis. F³r den neunjõhrigen Calvin bricht eine Welt zusammen; er will mit seinem Vater nie wieder etwas zu tun haben.
Mit 19 Jahren ³bernimmt Cal mit zwei Freunden einen karitativen Job: Sie k³mmern sich um Obdachlose.
Parallel dazu in Hongkong: Ellis ist auf der Suche nach dem Jahrhunderte alten "Buch der L³gen" und schreckt auf seinem Weg auch vor grausamen Mitteln nicht zur³ck. Das Buch, so erfõhrt er schlie¯lich, ist auf dem Weg nach Florida, wo es ein gewisser Lloyd Harper in Empfang nehmen soll.
Auf v÷llig unerwartete und ersch³tternde Weise kreuzen sich nun die Lebenswege von Calvin und seinem Vater, den Cal blut³berstr÷mt im Victoria Park findet.
Wie kommt er hierher? Warum ist er verletzt? Wer hat ihn verletzt? Hat er das "Buch der L³gen"? Warum geht so viel Gefahr von dem Buch aus? Was haben Ellis und die handlungsrelevanten Personen im weiteren vor? Diese und noch viele andere Fragen bleiben nat³rlich hier noch offen und verlocken zum Weiterlesen.
Brad Meltzers Erzõhlstil ist anschaulich, mitrei¯end und spannungsf÷rdernd. In die weitere Handlung wird sicher geschickt ein Quõntchen Mystery und Fantasy (vielleicht auch mehr davon?) eingewoben werden. Nur wer liest, wird schlauer!
(verfasst am 31.08.2009 · 1.460 Zeichen)
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Stephenie Meyer: Bis(s) zum Ende der Nacht

Vampir- und Werwolfmania
Stephenie Meyers Buch: Bis(s) zum Morgengrauen habe ich gelesen. In diesem Buch drehte es sich stõndig um Leben, Tod, wahre Liebe, Integritõt und Loyalitõt.
Eigentlich ist die Story recht seicht: h³bsches Mõdchen zieht in eine Kleinstadt, trifft den tollsten Typen der Welt, leider ist er ein Vampir ... Das hat mich null interessiert. Ich konnte diese, jetzt schon fast kulthafte Begeisterung sehr vieler - vornehmlich weiblicher - Leser nicht nachvollziehen.
Nun habe ich versucht die Leseprobe der neuen Bis(s) - Story unvoreingenommen zu lesen. Aber auch diese konnte mich nicht ³berzeugen. Diese intensive Liebe zwischen Bella und Edward ist zwar nicht kitschig, aber ich mag eine Liebesgeschichte im Umfeld der Vampire nicht.
Ich m÷chte hervorheben, da¯ der Schreibstil von St. Meyer sehr sch÷n fl³ssig ist. Auch die Dialoge sind teils witzig, teils emotional. Wir befinden uns in einer Welt, in der Werte noch eine Bedeutung haben.
Alle Bis(s) B³cher von St. Meyer sind zu Bestsellern geworden und haben eine riesige Leserschaft gewonnen. Manche, die englisch gelernt haben, konnten den Erscheinungstermin in deutsch nicht abwarten. Sie haben den neuesten Band schon fr³her gekauft und gelesen - in der englischen Originalausgabe.
Aber der Zugewinn neuer Leser, die zum ersten Mal ein Buch in die Hand nehmen, statt sich von oberflõchlichen Unterhaltungsserien im TV bedienen zu lassen, ist ein gro¯es Plus!!!!

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Martin Millar: Kalix - Werw÷lfin von London

Genre: Belletristik · 752 S. · Taschenbuch · Fischer · ISBN-13 9783596184965 · 9,95€
Rette sich, wer kann - Werw÷lfe erobern den Buchhandel
Es scheint ein riesiges Kõuferpotential f³r Mystery- und Werwolf-Stories zu geben. Schon wieder erscheint ein Buch, das wahrscheinlich auf gro¯es Interesse sto¯en wird.
In dieser Leseprobe werden zwei Werwolffamilien beschrieben: die MacRinnalchs und die Douglas-MacPhees. Ihre Namen geben Aufschluss ³ber ihre Herkunft: Es sind Schotten.
Die MacRinnalchs sind, nun schon in der vierten Generation, eine sehr wohlhabende F³rstenfamilie. F³rst und F³rstin sind die Herrscher ³ber die Werw÷lfe. Sie haben zwei T÷chter und zwei S÷hne. Trix, die Werwolfzauberin (arbeitet in der Modebranche), und Kalix, die ihren Vater angegriffen hat. Sie wei¯, dass ihr Strafe droht, und befindet sich auf der Flucht. Sarapen, ihr Bruder, lõsst seine Schwester durch engagierte Jõger verfolgen. Der andere Bruder Marcus, ein etwas verweichlichter Werwolf, ist Liebling seiner F³rstenmutter.
Der Douglas-MacPhees-Clan - Duncan, Fergus und Rhona - ist in einer niedrigeren gesellschaftlichen Position. Das Trio wird wegen seiner Brutalitõt gef³rchtet. Sie sollen Kalix, die nach London gefl³chtet ist, verfolgen. Ihr Versteck ist ein altes Lagerhaus. Duncan Douglas-MacPhees sp³rt Kalix dort auf. Es kommt zu einem fast t÷dlich endenden Kampf der Beiden, als Daniel, ein junger Mann und das erste menschliche Wesen in diesem Romanausschnitt, Kalix zur Flucht verhilft.
Wie es im Buch weitergeht, kann man ahnen. Wahrscheinlich kommt es zu einer Liebesromanze zwischen Daniel und Kalix. Weiter kann man nur spekulieren: Viele Handlungsstrõnge sind angelegt. Die bekannten Werwolfklischees sind schon in der kurzen Leseprobe vorhanden.
Der Schreibstil des Autors ist fl³ssig, seine Beschreibung der Personen und Handlungsorte ist prõzise und detailliert. Sie sind f³r den Leser vorstellbar. Die Gesprõche der Handelnden sind nachvollziehbar. Trotz Ortswechseln ist man immer wieder leicht im Handlungsverlauf.
Dass derlei Literatur derart viel Zulauf findet, liegt vielleicht daran, dass viele Leser das Grauen anzieht. Auch mir graut es: zunõchst angesichts der Seitenzahl des Buches (752), dann aber auch, weil so etwas f³r mich keine vern³nftige Literatur ist, sondern Schwimmen auf einer Welle des Aberglaubens.
(verfasst am 27.05.2009 · 1.811 Zeichen)
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Christian M°rk: Darling Jim

Gruselige Spannung
Ich bin ein Thriller-Fan und diese Leseprobe hat mir super gefallen.
Wir erleben ein Spukhaus, in dem Tante Walsh ihre zwei Nichten - im Bett angekettet - gefangenhõlt. Alle drei werden brutal ermordet. Sie werden vom neugierigen Postboten entdeckt. Er wird nie mehr der Alte sein, ein stets neugieriger, mit sehns³chtigem Blick auf die Damen. Eine Einladung zum Kaffee schlõgt er nicht aus. Selbst bei Frau Walsh, die von allen im Dorf, ungeliebte Frau, gewõhrt ihm Zutritt. Er nimmt seltsame Gerõusche wahr, die vielleicht auf die Gefangenen hinweisen.
Au¯erdem ist im Spukhaus m÷glicherweise noch eine unbekannte Person eingesperrt gewesen. Ist diese gefl³chtet und hat alle umgebracht???
Die Polizei des Ortes ist unerfahren und schlie¯t den Fall bald ab.
Die Leseprobe endet mit einem neuen Handlungsstrang: vielleicht sind die toten Mõdchen aus ihren Grõbern auferstanden ... und die Andeutung auf Liebe lõ¯t noch viele Fragen offen.
Der Schreibstil ist sehr eingõngig. Sch÷n finde ich, da¯ der Postbote, die schrullige Tante u.a. so skuril beschrieben werden. Zur gruseligen Handlung passt auch das entsprechende schlechte Wetter.
Warten wir ab, wie es weitergeht, es liest sich viel versprechend.

Zu diesem Titel habe ich auch eine Rezension verfasst. Lesen Sie sie hier ...
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Gaile Parkin: Kuchen backen in Kigali

Genre: Belletristik · 352 S. · geb · Ullstein · ISBN-13 9783550087806 · 16,90€
Ruanda: bitteres Leben mit etwas Kuchen vers³¯t
Afrika, ein Kontinent der Vielv÷lkerstõmme, der Vielfalt der Kulturen und ihrer Regierungen, ist f³r mich ein unbekannter Lesestoff.
Mrs. Margaret Wanyika, die Gattin des tansanischen Botschafters in Ruanda, besucht Angel, eine bekannte und begabte Bõckerin, um bei ihr anlõsslich ihrer Silberhochzeit eine Torte zu ordern. Angel lebt mit ihrem Mann Pius in einem Wohnblock in einer der reicheren Gegenden von Kigali, der Hauptstadt von Ruanda. Als Frau Wanyika mit Chauffeur und zwei Wachleuten in ihrem Range Rover dort vorfõhrt, sto¯en zwei Welten aufeinander: auf der einen Seite die politische Elite des Landes, die, v÷llig abgehoben, entweder die wahren Probleme nicht sehen will oder nicht kann - auf der anderen Seite die Afrikanerin Angel, die im direkten Kontakt mit den Einheimischen lebt und selber betroffen ist.
Angel hat keinerlei Ber³hrungsõngste - im Gegenteil: Bei einer Tasse Tee und Muffins unterhõlt sie sich mit Frau Wanyika ³ber Familie, Politik, Auswirkungen des B³rgerkriegs, die Verteilung der Gelder von Hilfsorganisationen zum Wiederaufbau des Landes und die vielen Helfer. Im Verlauf des Gesprõchs zeigt sich Frau Wanyikas Borniertheit und Dummheit: Nein, das Thema "Virus" in ihrem Lande m÷chte sie nicht wahrhaben, und Feministinnen hõlt sie alle f³r Lesben.
Das abgedruckte Gesprõch zwischen Angel und Frau Wanyika ber³hrt nat³rlich nur ein begrenztes Themenfeld, welches erst im weiteren Romanverlauf aufgefaltet und vertieft wird. Neben den Einblicken in die Themen der Handlung gibt die Leseprobe auch die Gef³hlswelt der Menschen wieder: Freude, Beklemmungen, Angst, Schrecken, Enttõuschung, Wut.
Die Autorin bringt in ihren Roman pers÷nliche Erlebnisse und viel gesellschaftliche Realitõt ein. Durch seine Authentizitõt kann der Roman Aufklõrung, Einsicht und Verstõndnis vermitteln, obwohl es sich im Grunde um Unterhaltungslekt³re handelt. Auf diesem Weg k÷nnen auch unangenehme politische und gesellschaftliche Zusammenhõnge auf angenehme Weise vermittelt werden - meines Erachtens ein durchaus legitimer Weg. In jedem Fall wird der Leser in den interessant geschilderten Problemkreisen sicher gebannt bleiben und sich nicht einfach entziehen k÷nnen. Dieses macht das Buch lesenswert.
Wir Leser k÷nnen uns ja kaum vorstellen, wie Leben m÷glich ist in einem Land, das Unvorstellbares erlebt hat.
(verfasst am 15.06.2009 · 1.869 Zeichen)
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Ann Pearlman: Der Christmas Cookie Club

Genre: Belletristik · Taschenbuch · ISBN-13 9783547711585 · 14,90€
"In der Weihnachtsbõckerei" - oder doch nicht
Wie sch÷n hat diese Leseprobe begonnen: Am ersten Montag im Dezember treffen sich zw÷lf amerikanische Freundinnen zum gem³tlichen Beisammensein. Sie plaudern bei Kerzenschein und geschm³cktem Tannenbaum. Dabei verteilen sie ihre mitgebrachten selbstgebackenen Christmas cookies. Sie sollen an liebe Freunde und Verwandte verschenkt werden. Ein Teil wird dem Hospiz gespendet - charity ist eine Selbstverstõndlichkeit in den USA.
Leider geht die charmante, heimelige Geschichte nicht so weiter. Im Gegenteil. Gleich im nõchsten Kapitel genie¯t die Ich-Erzõhlerin im Traum einen Geschlechtsverkehr mit Orgasmus. (Die Schilderung finde ich abgeschmackt.) Sie ist Mutter zweier Kinder von zwei verschiedenen Mõnnern. Der erste starb sehr fr³h an Leukõmie. Der zweite liebte auch andere Frauen, und die Scheidung folgte zwangslõufig.
Wõhrend die Erzõhlerin ein Backblech nach dem anderen mit cookies belegt, beschreibt sie neben ihren eigenen Schicksalsschlõgen auch die ihrer T÷chter: Sky ist zwar gl³cklich verheiratet, durchleidet aber eine Fehlgeburt nach der anderen, wõhrend ihre Schwester Tara, die noch die highschool-Schulbank dr³ckt, von einem Ex-Knacki ungewollt schwanger wird.
Die ³ber mehrere Seiten ausgebreitete Beziehungsgeschichte zwischen der Ich-Erzõhlerin/Mutter und dem wesentlich j³ngeren Jim ist kaum auszuhalten. Liebt er mich, lieb' ich ihn? Hier kann man Gõnsebl³mchen zupfen.
Im R³ckblick ist schon klar, dass die Autorin keineswegs (wie mir anfangs schien) ein heimeliges Weihnachtsmõrchen schreiben wollte. Nein, sie setzt auf ein drastisches inhaltliches Kontrastprogramm. Aber leider finde ich dieses langatmig und voller Klischees.
(verfasst am 06.10.2009 · 1.368 Zeichen)
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Jodi Picoult: Das Herz ihrer Tochter

Genre: Belletristik · 480 S. · geb · Piper · ISBN-13 9783492053006 · 19,95€
Nah am Pulsschlag
Es wirkt wie ein Schock: Schon im zweiten Satz der Leseprobe erfõhrt der Leser von einem Autounfall mit t÷dlichem Ausgang. June, Ehemann Jack und Tochter Elizabeth (zwei Jahre alt) sitzen im Auto. Sturzbetrunken hat ein anderer Autofahrer sie von der Stra¯e abgedrõngt. Jack ³berlebt den Unfall nicht. Der Polizeibeamte, Kurt Nealon, rettet June und ihre kleine Tochter, begleitet sie zum Krankenhaus und pflegt weiterhin Kontakt mit den beiden. June und Kurt empfinden Zuneigung f³reinander, und sie heiraten. F³nf Jahre spõter wird Claire geboren. Die kleine Familie erfõhrt ein wenig Gl³ck.
Jetzt muss das Haus umgebaut werden. Eines Tages stellt sich ein junger Mann, Shay Bourne, vor, um die schon begonnenen Arbeiten zu beenden. (Mit welcher Leichtglõubigkeit dieser Fremde ausgerechnet in einem Polizeihaushalt sofortigen Zugang findet, kann ich nicht so ganz nachvollziehen; das finde ich nicht ³berzeugend dargestellt.)
Und schlimmer kann es kaum noch kommen: Shay Bourne zerst÷rt durch seinen kaltbl³tigen Doppelmord das kleine "Pflõnzchen Gl³ck". Er t÷tet Elizabeth und den Stiefvater. Wie wird June mit den erlittenen Schicksalsschlõgen fertig?
Shay Bourne wird sofort verhaftet.
In einem ersten Teil wird der eigentliche Prozess geschildert, und zwar aus der Sicht von einem der zw÷lf Geschworenen, des jungen Studenten Michael. Im zweiten Teil soll das Strafma¯ festgelegt werden. Der Staatsanwalt hat die H÷chststrafe - das Todesurteil - gefordert. Sehr ausf³hrlich schildert Michael die Arbeit der Geschworenen. Nach Abwõgen aller Argumente kommen sie zu einem gemeinsamen Urteil ...
Somit ist der Prozess gegen einen Jugendlichen, der einen brutalen Doppelmord begangen hat, das zentrale Thema der Leseprobe. Die Tat kann ihm eindeutig nachgewiesen werden; er hat eine gest÷rte Kindheit und eine psychische Erkrankung ... Trotzdem wird die Todesstrafe beantragt.
Wie viele B³cher und Filme haben genau dieses Sujet? Auch die dann beschriebene verantwortungsvolle Tõtigkeit der Geschworenen ist zumindest mir seit Langem bekannt. Insofern hat mich die Leseprobe nicht gerade angezogen. Aber meine Kenntnis mehrerer anderer Romane von Jodi Picoult bestõrkt meine _berzeugung, dass sie ihr schriftstellerisches Talent ³berzeugend nutzen wird, um im weiteren Handlungsverlauf den Leser mit v÷llig Unerwartetem, Ungew÷hnlichem zu ³berraschen, das ihm den Atem rauben wird.
(verfasst am 17.08.2009 · 1.966 Zeichen)
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Sven Pl÷ger: Gute Aussichten f³r morgen

Genre: Sachbuch · 288 S. · geb · Westend · ISBN-13 978-3-938060-26-1 · 19,95€
Zukunft: Klima - Schlauer ist man immer erst hinterher ...
Nach dem kurzen Auszug aus Sven Pl÷gers Buch zu urteilen, ist dies ein ernst zu nehmendes Sachbuch. Es ist jedoch so geschrieben, dass jeder, der sich mit den Themen Wetter, Klimawandel, Íkologie u. a. auseinandersetzen will, hier einen leichten Zugang findet. Die Sprache ist nicht trocken-wissenschaftlich abgehoben, sondern eher im Plauderton formuliert, ganz so, wie wir Sven Pl÷ger aus seinen Wetterkarten-Moderationen kennen. Mit Tabellen und Statistiken untermauert er seine Aussagen.
F³r mich pers÷nlich ist dies kein Buch, dass ich mir kaufen m÷chte.
Ich greife da lieber zur Fernbedienung des Fernsehers: Zu sõmtlichen Themen - selbst bei v÷llig unerwarteten Umweltkatastrophen - gibt es ja aktuelle Fernsehreportagen, die umfassend erklõren, nach Ursachen forschen, ein globales Umdenken fordern.
Dennoch w³nsche ich dem Buch viel Erfolg und eine interessierte Lesergemeinschaft, denn die verdient es durchaus.
(verfasst am 02.03.09)
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Alois Prinz: Mehr als Du denkst

Frage nach dem Sinn und der Bedeutung der zweiten Geburt
In sehr fl³ssigem Sprachstil f³hrt uns der Autor in Biografien, die mich eigentlich nicht so interessieren, aber nun nach der Leseprobe meine Neugier weckte.
Zu Beginn vergleicht der Autor die zweite Geburt des Menschen mit der eines K³kens, das selbst im fallenden Ei noch eine Chance zum Leben hat.Der Mensch ist auf der Suche, manchmal ³ber Umwege, durch Krisen zum Ziel zu kommen. Manche sind auf dem Weg zu Gott, selbst Jesus sucht. Andere werden Atheisten.
Diese Leseprobe konzentriert sich auf das Leben von Dorothee S÷lle, die sich immer couragiert einsetzt in der Friedensbewegung, im Kampf gegen Atomkraft, gegen die Stationierung der US-Base ... hier hat sie die Bedeutung der zweiten Geburt gefunden.
Ein interessantes und aufklõrerisches Buch.

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Thomas Raab: Der Metzger geht fremd

Genre: Krimi · 368 S. · geb · Piper · ISBN-13 9783492053082 · 18,95€
KKK = Klasse-Krimi mit Komik
Willibald Adrian Metzger reist an einem Samstag ins landschaftlich unber³hrte Schwabenlõndle. Ein gigantischer Koffer muss zur Pension Regina geschleppt werden. "Privat, nicht zu teuer und nicht zu weit weg," war die Empfehlung von Frau Marianne aus dem Reiseb³ro. Der ³bergewichtige Metzger, gekleidet in "liebevoll, halbjõhrig gereinigtem Jackett" wird von Frau Regina Hackenberger in ihrer Pension m³tterlich begr³¯t. Sie bietet dem kurzatmigen ( "wie ein Pekinese"), verschwitzten Metzger an, dass er, falls er keine Sommerbekleidung eingepackt habe, notfalls Einzelst³cke ihres Mannes tragen k÷nne. Da er ja nicht mit dem Auto angereist sei, k÷nne er auch ein Fahrrad f³r seine Fahrt zum f³nf Kilometer entfernten Kurbad ausleihen. Dort wurde eine Leiche im Schwimmbad tot augefunden.
Unter Lebensgefahr (denn es ist ein Rad mit 21 Gõngen ohne R³cktrittbremse) rast Metzger bergab, "den K÷rper in Abfahrtsposition" - um schlie¯lich "im fl³chtigen Handstand" in einem Heuhaufen zu landen. Mit seinem Outfit kann er keinen Staat mehr machen: "aufgekrempelte Schn³rlsamthose, kariertes Hemd und ein um die H³fte gebundenes Jackett".
Derweil lõdt Prof. Dr. Winfried Berthold alle Gõste und Angestellte des Sanatoriums in den Speisesaal. In einer nie gekannten Art weist er seine disziplinlosen Patienten zurecht: Er besteht auf Einhaltung der Hausordnung. Nur bei strikter, p³nktlicher Anwendung der Therapien k÷nnten sie gesund und erholt nach Hause kommen. Und nicht tot, wie leider Herr August David Friedmann ...
Diese Leseprobe habe ich Wort f³r Wort genossen. Ob es sich um die Beschreibung der Landschaft, des Gõstezimmers, der Personen oder ihrer Aktionen handelt, nahezu alles ist ein wenig komisch beschrieben, ohne dabei lõcherlich zu wirken.
Noch einige Beispiele: Als Metzger seinen Koffer auspackt, findet er ein Requisit seiner Mutter: eine Nagelzwicke. Mit dieser hatte sie "seine Finger festumklammert, als wõren sie Reckstangen, Schneebesen oder Zahnb³rsten. Verwahrlosung fõngt mit den Hõnden an!"
Die Pensionswirtin Regina geh÷rt zu der Gruppe der "Nicht" -Menschen, da sie am Ende ihrer Sõtze ein "nicht" anhõngt. Das legt den Gesprõchspartner fest, denn er muss in Folge dieser Verweigerung oder Ablehnung seine eigenen Ausf³hrungen untermauern und damit die hochgradige Neugier seines Gegen³bers befriedigen. Eine kleine sprachliche Denkaufgabe.
In der noblen Kuranstalt - einem "Ort der Verdammnis" - geht es heftig zu: "Br³nstige Damen" suchen nach anziehenden Mõnnern. Der leitende Professor ist ein "Lustmolch", eine seiner Angestellten eine "rubensche Nymphe".
Ein kurzweiliger, unterhaltsamer, am³santer Krimi von einem deutschen Autor, der mir bisher unbekannt war.
(verfasst am 18.08.2009 · 2.222 Zeichen)
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Hans Rath: Man tut, was man kann

Genre: Belletristik · 256 S. · geb · Wunderlich · ISBN-13 9783805208703 · 14,90€
Mõnner: ³berwiegend Unterleib statt Kopf
Die Leseprobe wird aus der Ich-Perspektive des Protagonisten (Paul) erzõhlt. Als ewiger Single ist er stõndig auf der Pirsch nach unkomplizierten weiblichen Bekanntschaften. Er lernt die 30-jõhrige Kathrin kennen. Nun lõuft der allseits bekannte Film klischeebeladen ab: Kennenlernen, Telefonnummerntausch, Abendessen, Endstation Bett.
Im Traum heiratet Paul seine neue Flamme Kathrin. Gemeinsam leben sie mit ihren f³nf Kindern in einem "hochherrschaftlichen Haus". Die Kinder werden õlter, alles kostet Geld: Privatschule, Klamotten, Computer usw. Mit 60 Jahren - Paul ergraut, Kathrin f³r viel Geld geliftet - verbringen sie ihren Urlaub "auf einer Liege unter s³dlicher Sonne".
Bei klarem Bewusstsein schreckt Paul ein solches Leben ab. Da muss es doch noch andere Alternativen geben. Deshalb will Paul nach dem one-night-stand nur noch weg und sich irgendwie aus dieser Affõre ziehen ...
Die Leseprobe ist locker-flockig-flapsig verfasst und bietet durchaus Witz und Ironie. Eingecremt mit Lichtschutzfaktor 50, hingeflõzt auf einem Liegestuhl, ist der Roman eine nette Strandlekt³re.
(verfasst am 16.06.2009 · 898 Zeichen)
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Katja Reuter: Welche Farbe hat die Liebe?

Genre: Belletristik · 368 S. · Taschenbuch · Ullstein · ISBN-13 9783548281056 · 7,95€
"So ein Kinderkram"
Tina, Flugbegleiterin, schenkt ihrer Freundin Jule, Fotografin, eine Mitgliedschaft auf der Internetplattform "Stay Friends". Hier kann Jule surfen und nach ihren alten Bekannten und Freunden aus der Schulzeit suchen, mit ihnen Kontakt aufnehmen und flei¯ig hin und her mailen. Anfangs ist sie etwas schaumgebremst, aber als dann auf diesem Wege wirklich alte Verbindungen wieder neu gekn³pft werden, ist sie nicht nur begeistert, sondern geradezu s³chtig.
Die Leseprobe (und dann vielleicht auch das Buch) rei¯t sicher manche Internetuser vom Hocker, die Tag und Nacht in Foren smalltalk chatten. Auch Handybesitzer, die, dauer-SMS-end, mit nur noch einer freien Hand durchs Leben gehen, finden die Geschichte vielleicht am³sant. Aber wollen solche Leute auch noch B³cher ³ber das online-Leben lesen, wenn sie offline sind?
Der Schreibstil ist nett, flapsig, cool. Eine seichte Unterhaltung auf der Ebene "Wolke sieben": null problemo, es sei denn, man macht sich welche. Beziehungen sind schnelllebig, und man hat es ja z. T. auch mit "chronisch unterv÷gelten Weicheiern" zu tun.
Man hat nichts verpasst, wenn man diesen Roman nicht gelesen hat. Dennoch eignet er sich als Lekt³re auf gewissen Írtlichkeiten und als Bettzuckerl ...
(verfasst am 03.11.2009 · 1.016 Zeichen)
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Phil Rickman: Mittwinternacht

Genre: Krimi · 608 S. · Taschenbuch · rororo · ISBN-13 9783499249068 · 9,95€
Spirituelle Grenzfragen
Drei Tage dauert der Kurs der "Christlichen Arbeitsgruppe f³r spirituelle Grenzfragen". Neun Geistliche und eine Frau, Merrily, diskutieren ³ber Spukerscheinungen. Dabei unterscheiden sie verschiedene Begriffe, wie "Abdruck" eines Geistes, "Ruhelose", "Anhalter" u. a. Sie sind sich bewusst, das das B÷se allgegenwõrtig ist und ein Psychiater manche Erscheinung als Schizophrenie diagnostizieren kann.
Wõhrend einer Pause machen Merrily und Huw, der Kursleiter, einen Spaziergang. Dabei erwõhnt Merrily, dass der Bischof sie m÷glicherweise in der Gemeinde Hereford als Di÷zesan-Exorzistin einsetzen m÷chte. Unzweifelhaft gibt es in dieser Gegend eintausend psychotische Satanisten. Huw rõt ihr ab, dieses Amt zu ³bernehmen.
Mir fõllt es schwer, diese Leseprobe zu beurteilen. Die Themen Satanismus und ³bersinnliche Phõnomene geh÷ren nicht zu meinem Lieblingslesestoff. Hinzu kommt, dass ich nicht wei¯, was der Autor f³r eine Intention hat. Will er uns einen Mystery-Roman anbieten, oder erklõrt er uns Erscheinungen, die eine klare, rational verstõndliche Ursache haben? Das w³rde mir schon eher gefallen.
So bleibt ein gemischtes Gef³hl zur³ck. Ich m³sste den ganzen Roman lesen, um mir eine Meinung bilden zu k÷nnen.
(verfasst am 26.10.2009 · 1.006 Zeichen)
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Hedda H. Robertsen: Ich will dich, ich krieg dich

Genre: Belletristik · 192 S. · Taschenbuch · Ullstein · ISBN-13 9783548280967 · 7,95€
Verknallt bis ³ber alle Ohren
Soviel Liebesges³lze ³berfordert mich restlos: "Bin total verknallt. Verschossen, zerfetzt, umgehauen. Ich bin verr³ckt nach Mads Mikkelsen." So beginnt die Leseprobe.
Hoffentlich verhalten sich nicht alle jungen pubertõren Mõdels so, wie die Autorin ihre Protagonistin Alba beschreibt - dabei ist Alba sogar 19 und keineswegs blo¯e 13 Jahre alt. Teenagerschwõrmerei mit Schmetterlingen im Bauch - alles in rosarot - Schmachten ohne Ende um den Angebeteten (hier einen wesentlich õlteren Mann). Furchtbar: Wir befinden uns literarisch auf Tiefseeniveau.
Ich habe echt null Bock auf einen so seichten, oberflõchlichen, anspruchslosen, platten Lesestoff.
(verfasst am 23.11.2009 · 539 Zeichen)
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Tilman R÷hrig: Caravaggios Geheimnis

Genre: Historie · 480 S. · geb · Pendo · ISBN-13 9783866122437 · 19,95€
Lese-, Lern- und Lebenslust
Zunõchst habe ich die angebotenene H÷rprobe genossen. Mit starker, eindringlicher Sprache, mal nachdr³cklich, mal zur³ckgenommen, einf³hlsam in den Dialogen liest Tilman R÷hrig aus seinem Buch vor. Die H÷rprobe beginnt mit Micheles Kindheit. Vater und Gro¯vater sind gestorben. Die Vorbereitungen der Beerdigung sind abgeschlossen. Von zwei Pferden gezogen, ist der Beerdigungswagen vorgefahren. Die detaillierte Beschreibung ist so kraftvoll, dass man die Szene eines B³hnenbildes vor Augen hat. Auch der H÷rsinn wird geschõrft. Man h÷rt die Glocke schlagen, die Pferde schnauben, die Karrenrõder im Kies knirschen. "Michele, Michele!", ruft es stõndig. Er weint um seinen Gro¯vater.
Die Leseprobe beginnt hingegen in einer spõteren Lebensphase des K³nstlers. Michelangelo Merisi ist aus Caravaggio (bei Bergamo) nach Rom gezogen, wo er bei seinem Freund Mario lebt. Auf der Staffelage entstehen Bilder, bei denen Mario Modell steht.
Michele lernt in der Akademie von Cesari d'Arpino. Dieser erkennt sein k³nstlerisches Talent nicht annõhernd; im Gegenteil - er provoziert ihn. Er zerst÷rt das Obstarrangement, das Michele f³r ein Gemõlde sorgfõltig arrangiert hat, indem er das Obst gen³sslich aufisst.
In der Hitze der Stadt str÷mt die Bev÷lkerung tumultartig zum Neubau des Petersdoms. Obwohl davon eigentlich nicht viel mehr zu sehen ist als ein verdreckter Rohbau, soll nun, nach drei Jahren Bauzeit, die Kuppel enth³llt werden. Papst Clemens und seine Kardinõle sind zu diesem Festakt geladen.
Michele nutzt diesen Tag. Mario und er drõngen sich an der Schweizer Garde vorbei. Sie suchen den Architekten Giacomo della Porta, bei dem sich Michele bewerben m÷chte, um Arbeiten am Petersdom zu ³bernehmen.
Die in der H÷rprobe und dem Leseeindruck vorgestellten Textstellen scheinen mir gl³cklich gewõhlt. Die Beschreibungen sind voller Sprachgewalt und Farbenpracht. Ganz leicht kann man in das aufgeregte, aufstrebende Rom des 16. Jahrhunderts eintauchen. Es macht Spa¯, Historie auf diese unterhaltsame Weise zu lesen und dabei sein Wissen zu erweitern. Ergõnzend und parallel zum Lesen w³rde ich gerne einige Werke Caravaggios vor Augen haben - gl³cklicherweise bedarf es dazu heutzutage nur eines Mausklicks im Internet ...
(verfasst am 01.09.2009 · 1.827 Zeichen)
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Matthias Sachau: Kaltduscher

Genre: Belletristik · 352 S. · Taschenbuch · Ullstein · ISBN-13 9783548280172 · 8,95€
Mõnner-WG - langweilig mit der M÷glichkeit zum Einschlafen
Oh, nee, das kann doch nicht wahr sein ... ein Buch ³ber eine Mõnner-WG. Das interessiert mich ja ³berhaupt nicht. Aber schaun'mer mal, was der Vorabdruck bietet: leider eine Enttõuschung.
Der Text ist oberflõchlich, die Gesprõche beinhalten belangloses Geplapper ³ber Beziehungen, Fu¯ball u. a. Selbst der Handlungsstrang zieht sich wie Kaugummi.
Das Buch beginnt mit einem Grundriss der Wohnung der WG in einem sanierungsbed³rftigen Altbau in Berlin. Das Zimmer des Ich-Erzõhlers ist karg, nur sein Abizeugnis hõngt ³ber dem Bett. Die Beschreibung der K³che folgt: Sie ist, wie zu erwarten, versifft und mit altem K³chenmobiliar ausgestattet.
Nun geht der Erzõhler mit seinem Freund Arne zum Fu¯balltraining: Auch hier "spr³ht" der Autor nur so vor sich hin: *gõhn*.
Nach dem Spiel treffen die beiden Freunde auf Amelie und Julia, und auch mit diesen werden wichtige, tiefsch³rfende Gesprõche gef³hrt (sch÷n wõr's).
Wer soll das nur lesen?
(verfasst am 14.04.2009 · 782 Zeichen)
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Ferdinand von Schirach: Verbrechen

Genre: Krimi · 208 S. · geb · Piper · ISBN-13 9783492053624 · 16,95€
Mord nach 48 Ehejahren
Die Leseprobe stammt aus einem Buch mit einem ungew÷hnlichen Konzept: Der Autor Ferdinand von Schirach, Anwalt und Strafverteidiger, trõgt darin verschiedene Fõlle, mit denen er im Laufe seines Berufslebens konfrontiert war, in erzõhlerischer Form zusammen. Die Episoden beruhen also alle auf Tatsachen, was sie umso ergreifender macht. Die Leseprobe umfasst eine dieser Episoden.
Auf der Geburtstagsfeier seines Vaters lernt der 24-jõhrige Friedhelm Fõhner die drei Jahre õltere Verkõuferin Ingrid kennen. Die Familie Fõhner lebt seit Generationen im mittelalterlichen Stõdtchen Rottweil, wo sie als -rzte, Apotheker und Richter immer schon hohes Ansehen genossen. In dieser Tradition studiert auch Friedhelm Medizin und wird in Rottweil praktischer Arzt.
Ingrid heiratet er schon kurz nach ihrem Kennenlernen. Die Hochzeitsreise geht nach Kairo. Als Ingrid von ihren vorehelichen Beziehungen, einer Schwangerschaft und Abtreibung erzõhlt, tr³bt auch dieses Gestõndnis nicht das junge Gl³ck, denn Friedhelm ist gro¯herzig, zuverlõssig, ehrlich, selbstlos und treu. So bedeutet ihm das Versprechen, das Ingrid ihm abverlangt ( "Du darfst mich nie verlassen."), eine lebenslange Verpflichtung, die einzuhalten er seiner Gemahlin schw÷rt.
Das Eheleben entwickelt sich allerdings schnell zu einem Martyrium. Anfangs sind es kleine, aus der Luft gegriffene Vorw³rfe Ingrids gegen ihn, etwa dass er unordentlich und schmutzig sei; spõter verliert sie in ihren Beleidigungen alle Hemmungen, jegliches Ma¯ und Niveau.
Friedhelm leidet unter den stõndigen Anfeindungen und dem Gef³hl, auf Grund seines Eides lebenslang Gefangener dieser Beziehung zu sein, bewahrt aber geduldig die Contenance.
Erst mit 72 Jahren - er ist im Ruhestand - ist das Ma¯ voll: Als seine Frau ihn wieder einmal anbr³llt, erschlõgt er sie im Keller auf brutalste Weise.
Diese Leseprobe ist vom ersten bis zum letzten Wort fl³ssig, spannend und logisch verfasst. Dass Friedhelm nicht die Scheidung, sondern Mord als Befreiung wõhlt, ist ³berzeugend hergeleitet.
Die agierenden Personen werden im Verlauf der Handlung in ihrem Tun und ihrem -u¯eren immer klarer und sehr gut vorstellbar. Besonders eklig und absto¯end wird das Erscheinungsbild Ingrids ausgearbeitet: "Sie war fett geworden. Ihr wulstiger Hals war nicht mehr fest, vor ihrer Kehle hatte sich ein Hautlappen gebildet, der im Takt ihrer Beschimpfungen hin und her waberte." Der Leser leidet mit Friedhelm und solidarisiert sich mit ihm.
Die Leseprobe hat mich absolut ³berzeugt. Das ist ein Krimi der EXTRAKLASSE. Ich w³nsche dem Autor Ferdinand von Schirach viel Erfolg mit diesem Buch.
(verfasst am 03.08.2009 · 2.158 Zeichen)
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Roger Schmelzer: Die besten zehn Sekunden

Genre: Belletristik · 384 S. · geb · KiWi · ISBN-13 9783462041408 · 14,95€
Sport ist Mord
Chris, der "Dicke" aus der achten Klasse, wird von seinem Klassenkameraden Mark zum Joggen eingeladen. Wie nicht anders zu erwarten, springt Chris nicht an - er antwortet: "NÍ".
Im weiteren Verlauf schildert der Autor, wie Chris im Sportunterricht der Klassenstufen acht bis zehn in verschiedenen Sportarten vollkommen versagt. Fazit: Als Dickerchen hat man's nicht leicht. Und der Spott ist auch nicht fern. Soll das witzig sein?
Wahrscheinlich ist dieses Buch f³r Teenies plus geschrieben worden. Ich geh÷re nicht mehr in diese Zielgruppe.
Der Text hat mich weder literarisch noch inhaltlich ³berzeugt. Ich empfinde ihn als echten Flop. Mit solch einem Flachflug m÷chte ich meine Zeit nicht verplempern.
(verfasst am 15.09.2009 · 582 Zeichen)
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Wolfgang Schorlau: Das M³nchen-Komplott

Genre: Krimi · 335 S. · Taschenbuch · KiWi · ISBN-13 9783462041323 · 8,95€
Was geschah wirklich am 26.9.1980?
Das dem eigentlichen Text vorangestellte Zitat von Pier Paolo Pasolini - kursiv gedruckt - hat mich schon so ersch³ttert, dass ich erst mal innehielt. Der bekannte italienische Filmregisseur und Schriftsteller (der selbst unter ungeklõrten Umstõnden erschlagen wurde) schreibt, dass er viele Namen verantwortlicher Tõter von Staatsstreichen und Massakern seit 1969 kenne.
2009: Der jetzige Prõsident des BKA wendet sich an den ehemaligen Zielfahnder Georg Dengler, der nach 10-jõhriger Tõtigkeit seinen Dienst frustriert verlassen hat. Dengler soll die Akten zum gr÷¯ten Attentat in der Geschichte der BRD, den Bombenanschlag vom 26. 9. 1980 auf dem M³nchner Oktoberfest, noch einmal untersuchen.
Zwei Nebenschauplõtze behandeln das globale Thema Weltfinanzkrise und den Alltag einer Parlamentarischen Staatssekretõrin.
Die Leseprobe hat mir sehr gut gefallen. Neben dem klaren, direkten, n³chternen Schreibstil lassen die kursiven Textteile Gef³hle zu. Wolfgang Schorlau bleibt bei diesem Stilmittel, um dann im Prolog weiterhin den berichtenden, journalistischen Handlungsverlauf von den Beschreibungen des grausamen Attentats und seiner verheerenden Folgen abzusetzen.
Georg Dengler, ein introvertierter Einzelgõnger, schlendert bei Sonnenschein ³ber die Theresienwiese und lebt dabei in zwei Welten. In der einen sieht er die gl³cklichen Menschen, die ihren Alltag leben, und gleichzeitig wird er durch das Mahnmal an die andere erinnert - kursive Satzeinsch³be -, sp³rt den Bombenanschlag, h÷rt die Schreie der verletzten Menschen, sieht die verst³mmelten Leichenteile ³ber die Wiese verstreut, steht im Blut. Das ist packend und dringt mitten ins Herz hinein.
Hat derAutor so recherchiert, um vielleicht bisher unbekanntes spektakulõres Material in seinen Roman einzubauen? Dieser Realitõtsbezug wõre eine gute Grund- und Vorlage zum Roman. Aber auch fiktional bieten sich unermessliche Themen zu Machenschaften und Infiltration von Politik, Geheimdienst, globaler Wirtschaft, Mafia u. a. Hier kann der Autor aus dem Vollen sch÷pfen.
Das Ergebnis kann nur ein atemraubender Krimi sein!
(verfasst am 02.11.2009 · 1.724 Zeichen)
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Sybille Schr÷dter: Die Lebk³chnerin

Genre: Historischer Roman · 464 S. · Taschenbuch · Piper · ISBN-13 9783492254472 · 8,95€
Schmackhafte Lebkuchen ÷ffnen das Himmelstor
N³rnberg 1387: Agnes und Benedicta leben unfreiwillig im Kloster Engelthal, dem der Ruf voraneilt, ein Ort der wahrhaftigen Engel zu sein. Gebete, Gebote, Verbote, Demut und Unterwerfung werden von den Nonnen verlangt.
Benedicta arbeitet im Klostergarten. Sie sehnt sich nach der Welt au¯erhalb der Klostermauern.
Als ein junger Mann, der Neffe der Priorin, im Garten erscheint und Benedicta anfleht, mit ihm nach N³rnberg zu gehen, dort sesshaft zu werden und ihn zu heiraten, ist es um Benedicta geschehen. Sie will raus aus diesem Gefõngnis. Doch sie ist Nonne, sie hat einen heiligen Eid geschworen. Ihre Gedanken sind S³nde. Selbstkasteiung mit Ruten, Dornen und Nesseln sind ein probates Mittel dagegen.
Alljõhrlich zur Fastenzeit backt das N³rnberger Predigerkloster Pfefferkuchen. Da das gesamte K³chenpersonal erkrankt ist, soll das Kloster Engelthal einspringen.
Hier kommt die gro¯e Chance f³r Benedicta und Agnes: Sie kennen ein Lebkuchenrezept. Vielleicht k÷nnen sie das Kloster zumindest zeitweise verlassen, um die Kuchen unters Volk zu bringen - das wõre f³r beide der "Himmel auf Erden" ...
Die Erzõhlweise ist fl³ssig und leicht verstõndlich. Bis jetzt ist die Sichtweise stark auf die beiden Hauptpersonen Agnes und Benedicta konzentriert. Das Alltagsleben im Kloster mit seinem immer gleichen Tagesablauf, die Vielfalt der Nonnen, unter denen es, wie bei uns "drau¯en", gute und schlechte Charaktere gibt - all das ist schon hõufiger beschrieben worden und insofern im Prinzip nichts ganz Neues.
Andererseits bieten die Herstellung des N³rnberger Lebkuchens im Nonnenkloster, die zarten Avancen zwischen Benedicta und dem Neffen der Priorin, die gro¯e Sehnsucht, irgendwie dem Kloster zu entfliehen, viel Stoff f³r einen historischen Roman. Das mittelalterliche Zeitkolorit N³rnbergs ist eine bunte Kulisse, und auf der B³hne davor findet gute Unterhaltung statt, die mit Genuss gelesen werden kann.
(verfasst am 29.09.2009 · 1.584 Zeichen)
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Lionel Shriver: Liebespaarungen

Kaprizi÷ses Dummchen
Die Leseprobe beginnt auf Seite 24. Wieviel langweiliger Text ist mir erspart geblieben???
Lawrence, verheiratet mit Irina; Ramsey geschieden von Jude, sie sind alle befreundet und um die viezig Jahre alt. Lawrence, Hygienefanatiker, der keinen Pomp liebt, ist z.Zt. in Sarajewo. Die Ehe zwischen ihm und Irina ist oberflõchlich. So kann sich Irina mit Ramsey verabreden. Ewig lange Klamottenauswahl geht dem Treffen voraus. Spõter erfõhrt man, da¯ sich Irina seit Schulzeiten wie ein hõssliches Entchen f³hlt. Den Anforderungen ihrer Mutter, die ihren K÷rper durch intensives Balletttrinig und "Null-food - ein Blõttchen Salat" in Form hõlt, gen³gt Irina nicht. Sie ist eine "Vogelscheuche".
Ramsey, ein aus einfachen Lebensverhõltnissen kommender Sch÷nlich, hat sich durch erfolgreiches Snookerspiel einen gewissen Reichtum verdient. Er, Besitzer eines noblen Jaguars, lõdt Irina in ein japanisches Restaurant ein. Anschlie¯end kehren sie gemeinsam in sein Haus ein. Dort gehen sie in seinen Keller in dem sein Snookertisch steht. Er dreht einen Joint, den er auch Irina anbietet, die im ³brigen noch alkoholisiert vom Abendessen ist ...
Es k÷nnte jetzt noch ewig so ÷de weitergehen ... aber wer wei¯, vielleicht kommt ja im Rest des Romans der entscheidende Kn³ller ...

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Roger Smith: Kap der Finsternis

Genre: Krimi · 360 S. · geb · Klett-Cotta · ISBN-13 978-3-608-50202-2 · 21,90€
Die pure Spannung: Jeder hat Dreck am Stecken
Dieser Leseeindruck hat mich umgehauen. Spannung von der ersten bis zur letzten Zeile.
Wir sind in Kapstadt im Wohnviertel der reichen Wei¯en. Hier wohnt ein Ehepaar mit Kind. Die Ehefrau ist schwanger.
Zwei Verbrecher dringen in die Wohnung ein und kidnappen die Familie: Beide werden ³berwõltigt und get÷tet ...
Auf dem Hochhaus befindet sich ein ehemaliger Gefõngnisinsasse, der versucht sein Leben ohne Kriminalitõt in den Griff zu bekommen. Deshalb hat er den Job eines Hauswõchters ³bernommen.
Ein korrupter Cop kommt ins Spiel. Er ist auf der Suche nach den beiden, mittlerweile toten Einbrechern. Sie schulden ihm Geld und er will sie abzocken ...
Dieser Krimi ³bertrifft alles, was ich bisher an Thrillern gelesen habe. Satz f³r Satz haut einen um.
Der Sprachstil ist durchgehend spannungserzeugend. Beschreibungen sind direkt, klar formuliert, der Leser hat die Situation verstanden, er kann sich dem Geschehen kaum entziehen.
Die Abfolge der Ereignisse ist so dicht gepackt, da¯ die Aktionen, z.T. anders als erwartet, den Leser binden. Er bleibt am Text, es entsteht keine in die Lõnge gezogene Beschreibung.
Super: Wenn das kein Bestseller wird ...
(verfasst am 23.02.09)
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Richard Stark: Das Geld war schmutzig

Genre: Krimi · 256 S. · Taschenbuch · Zsolnay · ISBN-13 9783552054790 · 16,90€
Mrs. Bartlett - eine wandelnde Zeitung
Die Leseprobe verschafft einen unterhaltsamen Eindruck eines offenbar unblutigen Krimis. Noch kommt der Lesestoff ohne grausame menschenverachtende und dem³tigende Handlungen aus.
Besonders nett, geradezu liebevoll beschrieben ist die Vermieterin einer urigen Pension: Mrs. Bartlett. Hier will das kriminelle, aber bisher unauffõllige Ehepaar Claire und Parker Willis untertauchen. Von ihrem Zimmer aus m÷chten sie den Tatort beobachten. In kurzer Entfernung sehen sie den ³berfallenen Geldtransporter, der nun abgesperrt und gesichert ist. Die kriminaltechnische Untersuchung mit Hilfe aller zur Verf³gung stehenden Polizeieinheiten lõuft auf vollen Touren.
Das Ehepaar Willis - sie geben sich als Touristen aus - plaudert nett mit Mrs. Bartlett, die ihnen locker-flockig alles erzõhlt, was sie von dem _berfall wei¯. Sogar die unter Verdacht stehenden mutma¯lichen Tõter sind ihr bekannt.
Das Ehepaar Willis findet es sehr aufregend, den Tatort zu besichtigen. Hier steht Mrs. Bartlett mit Rat und Tat zur Seite und empfiehlt eine fr³hzeitige Ortsbegehung am nõchsten Morgen. So m÷chte man als Tourist gerne umsorgt sein ...
Im weiteren Verlauf der Leseprobe erscheinen noch ein Jounalist und eine Dame namens Sandra. Sie nehmen direkten Kontakt zu Claire und Parker auf. Sandra mag f³r den weiteren Verlauf des Kriminalromans eine handlungsbestimmende Funktion haben: Ist sie eine detektivische Ermittlerin? Hat sie Informationen, die sie zur Erpressung nutzen m÷chte?
Es bleiben viele Fragen offen, die der Autor Richard Stark sicher in einem Spannungsbogen bis zum Schluss des Buches aufl÷sen wird.
Mir hat diese Leseprobe sehr gefallen. Die Beschreibungen der Handlungsorte, z. B. die urige Pension Bosky Rounds ("Quartier f³r Hõnsel und Gretel"), und der handelnden Personen, z. B. des Journalisten, der eine "gro¯e schwarze Brille [trõgt], mit der er wie eine Eule" aussieht, sind stilistisch prõzise, aber vor allem mit witzigen, ungew÷hnlichen Attributen gespickt.
Nach dieser Leseprobe habe ich den Eindruck gewonnen, dass dieser Krimi aus der Reihe fõllt und sich von der bisher gekannten Krimilandschaft absetzen kann.
(verfasst am 22.06.2009 · 1.757 Zeichen)
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Marc Van Allen: Caligo

Genre: Mystery · 496 S. · Taschenbuch · Ullstein · ISBN-13 9783548266152 · 9,95€
Ordo invisibilium - ein Dõmon f³r die Welt
Und schon wieder erscheint ein Buch, das sich an die erfolgsgarantierende Welle der B³cher im Dan-Brown-Stil anhõngt. So etwas lõsst sich offensichtlich gut verkaufen.
Diese Leseprobe ist ³berladen mit Handlungsstrõngen, die sich an unterschiedlichen Orten und zu verschiedenen Zeiten zutragen und mit einer Menge handelnder Personen angef³llt sind. Dieses Chaos muss man erst einmal entwirren.
In geheimen Forschungslaboren haben schon die Nazis und spõter die Amerikaner versucht, unsichtbare Menschen zu erschaffen. Nach Kriegsende sind die US-Forscher am Ziel: Sie haben den homo invisibilis kreiert. Dass diese Spezies sich spõter zum Geheimbund (dem ordo invisibilium) zusammenschlie¯t, war sicher nicht vorherzusehen. Sie wollen mit allen kriegerischen Mitteln die Weltherrschaft an sich rei¯en. In den Auseinandersetzungen zwischen den Mõchten droht der Untergang und das Verderben ...
Es herrscht Ausnahmezustand. So werden zwei fast nackte Frauen misshandelt, kahl rasiert und gnadenlos verfolgt.
Im Dschungel lebt die Historikerin Alexandra Lessing, die - welch ein Zufall - auf ihren Vater trifft, der viele Jahre zuvor ohne Abschiedsgru¯ die Familie im Stich lie¯.
Eine Gefahr f³r die Unsichtbaren ist das kleine Mõdchen Kim Li. Sie hat nõmlich die Fõhigkeit, die Unsichtbaren zu sehen. Noch kann sie von Dr. Elizabeth Kwon, Psychologin, besch³tzt werden.
Der Text ist ein gruseliger Mischmasch zwischen Fiktion und Spiel mit der historischen Realitõt, welches auch Kennedy und Nixon einbindet: Denn auch diesen beiden und der CIA ist das Treiben der Unsichtbaren bekannt gewesen. Und Nixon, der alte Schweren÷ter, hat sogar schriftliche Abmachungen mit den Unsichtbaren getroffen.
Das alles ist derart an den Haaren herbeigezogen! Wie mag der Roman zwischen dem Krieg der Welten ( "Sterne" hatten wir ja schon ...) wohl enden?
(verfasst am 16.11.2009 · 1.517 Zeichen)
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Michaela Vieser: Tee mit Buddha

Genre: Belletristik · 304 S. · Geb · Pendo · ISBN-13 978-3-86612-210-9 · 19,95€
Eine Insel der Gl³ckseligkeit
Michaela erf³llt sich einen Lebenstraum. Sie lebt f³r ein Jahr in Japan in einem Zen-Kloster.
Der Leseeindruck hat mich schon nach den ersten Zeilen begeistert. Mit Leichtigkeit und Witz erleben wir Michaelas Abschied aus Deutschland und ihre Ankunft am Flughafen in Japan. Steht am Ankunftsschalter ein M÷nch? Sein õu¯eres Erscheinungsbild passt eher zu einem Hausmeister. Es ist Wado: Locker flockig entsteht ein Gesprõch mit Michaela, die er fõlschlicherweise mit Michael Schumacher verbindet. Au¯erdem wei¯ er viel von Deutschland: das sei das Land der Autos und Autobahnen. Es ist zum Schmunzeln.
Wado bringt Michaela zum Kloster. Hier wird sie begeistert von 50 Menschen empfangen. Alle freuen sich, und es fõllt die Bemerkung, dass Ekaisama schon vor 15 Jahren ihren Besuch im Kloster voraus gesagt habe ... Sie hat beim Zen-Meister Meditationsunterricht und sammelt auch da ihre Erfahrungen, die am³sant erzõhlt werden.
Der Schreibstil bleibt durchgõngig leicht und humorvoll, und wir erfahren auf unterhaltsame Weise Wissenswertes ³ber den Buddhismus und das Leben in einem Zen-Kloster.
Dieses Buch ist f³r mich durchaus eine Alternative zu einem wissenschaftlichen Sachbuch.
(verfasst am 8.2.2009)
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Dan Wells: Ich bin kein Serienkiller

Genre: Fantasy · 348 S. · Taschenbuch · Piper · ISBN-13 9783492701693 · 12,95€
Serienkiller: JA oder NEIN?
Die H÷rprobe beinhaltet den zweiten Textteil der Leseprobe: An einer Highschool findet eine Halloweenparty statt. Zwei unaufgeklõrte Mordfõlle dr³cken auf die Stimmung. Die Jugendlichen verhalten sich, als wõre alles v÷llig normal. Sie suchen nach Ablenkung.
Der Autor beschreibt ³berzeugend und gut vorstellbar, wie die Party ablõuft, wie sich einzelne Gõste kost³miert haben und wie sich die Jugendlichen verhalten: das typische Gehabe Pubertierender. Macker mit Imponiergehabe haben das Sagen und mobben allzu gerne die losers. Zu dieser Gruppe geh÷rt John Wayne Cleaver, ein Mutters÷hnchen. Schon immer wurde er geõrgert. Der nicht zu ³berh÷rende Ruf "Zwei Babys spielen S³¯es oder Saures" reicht aus, dass John sich endlich wehrt. Seine Gedanken ( "Ich hatte eine Menge ³ber Serienm÷rder gelernt, ich hatte Lust, ihn zu erdolchen.") und sein Verhalten deuten an, wie gefõhrlich er sein kann. Mit Hilfe eines von ihm selbst erschaffenen Verhaltenskodex hat er sich im Griff. Aber wie lange noch? Oder hat er die Grenzen etwa schon ³berschritten?
Die Leseprobe beginnt zeitlich vor der Halloweenparty. Es ist Herbst. An einem sumpfigen See treffen sich schon seit lõngerem "Freaks". John f³hlt sich von ihnen angezogen. Warum? Was sind das f³r Typen? Haben sie Straftaten begangen? Haben sie etwas mit den zwei bisher nicht aufgeklõrten Morden zu tun? Man sp³rt ein leichtes Gruseln ...
Nach allem, was ich geh÷rt und gelesen habe, finde ich diesen Krimi sprachlich und inhaltlich auf seine Art und Weise au¯ergew÷hnlich. Dazu trõgt auch der Buchtitel bei: "Ich bin kein Serienkiller". Er fordert gedanklich so viele Handlungsrõume und Gestaltungsformen heraus, dass ich mir vorstellen kann, dass dies ein Krimi ist, den man nicht mehr aus der Hand legen kann.
(verfasst am 07.09.2009 · 1.453 Zeichen)
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K.P. Wolf: Licht am Ende des Tunnels

Absolut mitrei¯end
Die Leseprobe beginnt mit dem 6. Kapitel. Robert, Sohn aus gutem Hause, besucht ein Internat, die Bildungsburg. Er entzieht sich dem Sport - Einzelgõnger?? - sitzt stattdessen auf einer Mauer und beobachtet ein Auto, das den Berg hinauf fõhrt. In ihm sitzt nicht Papa, nicht Mama, sondern Freddy, der "untere Angestellte" von Papas Firma. Er holt Robert mitten im Schuljahr ab. Robert sp³rt, dass diese Fahrt nicht eine Spritztour nach St. Moritz wird sondern ... eine Entf³hrung.
Der Sprachstil des Autors ist fl³ssig, locker, gef³llt mit witzigen Dialogen. Der Spannungsbogen wird behutsam aufgebaut. Dieses Buch ist einen Kauf wert und sicher ein guter Jugendkrimi.

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Rafael Yglesias: Gl³ckliche Ehe

Genre: Belletristik · 427 S. · geb · Klett-Cotta · ISBN-13 9783608937077 · 22,90€
Krebs im Endstadium - Leiden in der Vorh÷lle
"Lieferservice" - Kapitel eins des Romans "Gl³ckliche Ehe"
Die Betitelung passt perfekt zum anschlie¯enden Inhalt. In flapsigem Schreibstil stellt uns der Autor Rafael Yglesias die beiden Freunde Bernhard Weinstein, 25 Jahre, und Enrique Sabas, 21 Jahre, vor. Sie sitzen zusammen in einer Kaffeebar. Bernhard schwõrmt von Margaret Cohen, einem h³bschen Mõdchen mit au¯ergew÷hnlichen Qualitõten. Enrique traut Bernhard nicht so recht; er hõlt die Existenz Margarets f³r Fiktion. Doch ein Treffen wird arrangiert: "auf seine Bestellung erscheint die Traumfrau, von der er gar nicht gewusst hatte, dass er von ihr trõumt". Locker-leicht liest sich der Text; in manchen Passagen fand ich ihn allerdings klischeehaft und oberflõchlich (Es mag sein, dass dieses Urteil im Gesamtkontext des Buches verõndert werden muss.).
"Ahnung" ist - nach dem federleichten ersten Kapitel - ein d³steres und ernsthafteres. Margret und Enrique sind nun 27 Jahre gl³cklich verheiratet. Sie haben zwei Jungs, Gregory und Max (16 Jahre alt). Die Familie geh÷rt zur oberen Mittelklasse New Yorks und kann ihr Leben sorglos genie¯en.
Doch drei Jahre zuvor hat das Schicksal in aller Hõrte zugeschlagen: Bei Margaret wurde Blasenkrebs diagnostiziert. Der vorliegende Textausschnitt beinhaltet die Endphase von Margarets Erkrankung. Seit einem halben Jahr kann sie keine Nahrung mehr aufnehmen. Alle medizinischen Ma¯nahmen und technischen M÷glichkeiten sind ersch÷pft. Nichts kann mehr helfen.
Rafael Yglesias beschreibt den Krankheitsverlauf in aller Hõrte: die vielen Operationen, den pers÷nlichen Einsatz Enriques, der nahezu rund um die Uhr bei seiner Frau ist. Er hat sie zeitweise gepflegt; nun kann er sie nur noch "in den Armen halten, ermutigen, tr÷sten, aufheitern und lieben". Dabei empfindet er Furcht wie noch nie zuvor.
Die zeitlebens aktive Margaret nimmt ihre Erkrankung anfangs an. Sie kõmpft mit all ihrer Kraft dagegen an. Als alles aussichtslos erscheint, fordert sie Operationen, die die -rzte kaum noch f³r sinnvoll erachten. Aber nun am Ende kann sie nicht mehr. Sie bittet ihren Mann: "Ich will sterben. Du musst mir dabei helfen."
Eine ergreifende Leseprobe. Das Buch fordert Aufmerksamkeit und Respekt. Da der Tod unausweichlich ist, wird das Lesen f³r manchen zu einer seelischen Belastungsprobe werden. Ein mutiges Buch.
(verfasst am 29.12.2009 · 1.915 Zeichen)
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William P. Young: Die H³tte

Genre: Religion · 304 S. · Allegria · ISBN-13 9783793421665 · 16,90€
Gott und seine Dreifaltigkeit - ein Tagesthema???
Nach der Leseprobe war ich verunsichert: Ist dies ein Text aus einem modern und zeitgemõ¯ aufbereiteten Religionsbuch, das sich mit der theologischen Frage nach der Dreifaltigkeit mit all ihren Mysterien beschõftigt? Oder ist es ein Teil eines Romans, der die Sinnfrage Gottes behutsam in seine Handlung einflie¯en lõsst?
Zur Leseprobe: Mack betritt eine H³tte. Dort trifft er auf drei Personen, die ihn herzlich aufnehmen und schon alles ³ber ihn wissen.
Sie stellen sich ihm vor: die Haushõlterin - Jesus; die H³terin der Gõrten - Sarayu; der Handwerker. Sie sind die Dreifaltigkeit, und jeder ist Gott. Diese Charaktere sind liebevoll und ungew÷hnlich beschrieben.
Mack ist zutiefst verst÷rt und f³rchtet, die Balance und Selbstkontrolle zu verlieren.
Er stellt Fragen nach dem Wesen der Freiheit, nach dem Mysterium, den Heilungen und den Todeserweckungen.
Die Leseprobe ist auf den wenigen Seiten dicht gepackt mit theologischen Themen. Dem Autor gelingt es, diese in leichtem, fl³ssigem Sprachstil in ein Handlungsgef³ge einzubauen. Sein Ziel ist es, auf missionarische Weise den Leser aufzuwecken, um ihn dann zum Nachdenken anzuregen.:. (mich interessiert diese Thematik nicht).
Fazit: ein Roman mit philosophisch-religi÷sem Anspruch als Schwerpunkt. Die Handlung ist nur Mittel zum Zweck.
(verfasst am 27.04.2009 · 1.073 Zeichen)
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